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Große Rationen und viele Leckermäuler
15.03.2014 - 16:36 Uhr
Von Anja Groß

Das Geschrei hört man schon von weitem: Um 16.30 Uhr ist im Zoologischen Stadtgarten Karlsruhe Fütterungszeit bei den Zwergottern. Die scheinen das genau zu wissen, denn schon zehn Minuten vorher fordern die vier kleinen Schreihälse lauthals ihre Mahlzeit ein. Kein Wunder, gibt es doch eine Delikatesse: Flusskrebse, die die Tierpflegerin mit einer langen Zange serviert und dabei aufpasst, dass jeder und jede ausreichend zu fressen bekommt.

Denn bei der Fütterung im Zoo geht es nicht nur darum, dass die Tiere satt werden. "Einzeltierkontrolle und Prävention", nennt Dr. Barbara Lang, seit drei Jahren Zoo-Tierärztin in Karlsruhe, zwei Aufgaben, die mit dem Füttern verbunden sind. "Die artgemäße Fütterung ist wichtig für ein intaktes Immunsystem oder auch die Fruchtbarkeit der Tiere", erläutert Lang, warum sich damit eine Veterinärin befassen muss. Und jede Tierart stellt andere Anforderungen - somit gibt es für jedes Revier und jede Tierart einen anderen Futterplan.

Mit geübtem Handgriff steckt Tierpfleger Ralf Geier in der Futterküche für Pinguine, Seehunde und Seelöwen Vitamin- und Salztabletten unter die Kiemen der Heringe. Der Nordseefisch (Heringe, Makrelen und Lotten) wird als Frostfisch alle sechs bis acht Wochen extra aus Holland geliefert und im großen Tiefkühlhaus des Zoos gelagert. "Dabei geht das Vitamin B1 kaputt", erklärt Lang, "das, sowie Mineralstoffe, geben wir dann durch spezielle Tabletten, die sogenannten Fisheater, zu." In einen extra Eimer sortiert Geier die Fische für den Seelöwenbullen Stevie, weil der aufgrund seiner Größe eine höhere Dosis Vitamine erhält", erklärt der Tierpfleger, der seit 34 Jahren im Karlsruher Zoo arbeitet. Auch Medikamente - falls erforderlich - werden so verabreicht.

40 bis 50 Kilo Fisch pro Tag vertilgen allein Pinguine, Seelöwen und Seehunde. Die beiden letzteren erhalten mit dem verfütterten Fisch auch ihre tägliche Salzration, da sie als Salzwassertiere in Karlsruhe in Süßwasserbecken leben. Außerdem futtern auch die Eisbären Fisch - aber sie werden zusätzlich noch mit Fleisch, Obst und Gemüse ernährt.

"Raufutter wie Gras und Heu, Saftfutter wie Obst und Gemüse, Kraftfutter in Form von Pellets sowie Mineralstoffe und Vitamine" sind laut der Tierärztin Bestandteile der Mahlzeiten. Je nach Tierart und Anforderung werden sie unterschiedlich zusammengemischt, kleingeraspelt oder eingeweicht. Der Futterplan ist auch abhängig von den Jahreszeiten: "Im Sommer gibt es eher Gras, im Winter dann vielleicht Rübengeschnetzeltes", verdeutlicht Lang.

Wichtig sei die ausgewogene Grundration, allerdings gebe es im Zoo auch viele Spezialfälle: Trächtige oder säugende Tiere mit einem höheren Energiebedarf beispielsweise oder alte Tiere wie die 59-jährige Elefantenkuh Rani, die besonders energiehaltiges Futter benötigt. "Bei älteren Tiere sind oft auch die Zähne nicht mehr so gut, so dass man das Futter einweichen muss", erklärt Lang. Zudem muss die Veterinärin bei der Zusammenstellung der Futterpläne auf Besonderheiten im Verdauungssystem der Tiere achten: "Unsere Giraffen brauchen proteinreiches Futter wie das Luzerne-Heu, das wir aus Frankreich und Spanien beziehen, und dabei eine andere Faserzusammensetzung hat als normales Grasheu." Das Kamelfutter wiederum müsse eher energiearm sein, beim Elchfutter der Stärkegehalt reduziert.

Jeden Morgen um sieben Uhr beginnt die Arbeit in der Futterküche des Zoos - auch an Feiertagen und Wochenenden. Äpfel und Möhren schnetzeln, Eier kochen, Kartoffeln dämpfen - die zwei Mitarbeiterinnen richten die Rationen für die Reviere, die dann verteilt werden. Heu, Stroh und Pellets werden in den Revieren direkt gelagert.

Bestellung, Eingangskontrolle und Qualitätsprüfung der angelieferten Ware gehören ebenfalls zu Langs Aufgaben. "Schimmeliges Heu beispielsweise wäre fatal", erklärt die Tierärztin an einem Beispiel, warum das besonders wichtig ist. Heu und Stroh bezieht der Zoo bei Landwirten aus der Region, Getreide aus einer Mühle in der Nähe und Pferdefleisch (für die Raubkatzen) von einem Schlachtbetrieb aus der Umgebung. Ratten, Mäuse und Insekten zum Verfüttern werden selbst gezüchtet.

"Was den Tieren schmeckt und bekommt, kann man aber nicht immer nur nach Lehrbuch entscheiden", weiß die Veterinärin. Als die roten Pandas beispielsweise in die Fächerstadt kamen, hat der Zoo zunächst zehn verschiedene Sorten Bambus bestellt und anhand von Beobachtungen der Tierpfleger eine Studie durchgeführt, welche Sorte die Tiere am liebsten mögen. Die Futterpläne der beiden Tiere aus ihren bisherigen Zoos halfen da nur bedingt, "denn unsere Pandas sind richtige Leckermäulchen", meint Lang und schmunzelt: "Drei Wochen lang schmeckt ihnen Birne super, dann wieder fressen sie sie überhaupt nicht." Zudem mochten die roten Pandas kein Ei - was für die Versorgung mit tierischem Protein wichtig gewesen wäre. Also muss es nun über einen speziellen "Panda-Kuchen" zugeführt werden.

Noch ein anderer Aspekt spielt bei der Fütterung im Zoo eine große Rolle: Die Beschäftigung der Tiere, die in freier Wildbahn oft stundenlang nach Nahrung suchen. Um das zu simulieren, wird das Futter je nach Tierart und deren natürlichem Verhalten teils versteckt, in Säcke verpackt oder in Eisbomben eingefroren, verdeutlicht Lang.

Wenn man das alles bedenkt, wird verständlich, warum den Zoobesuchern das Füttern der Tiere (außer im Streichelzoo) verboten ist: Die Rationen würden nicht mehr stimmen, Pfleger und Tierärzte hätten keinerlei Überblick, und schlimmstenfalls würden die Tiere für sie ungeeignetes Futter erhalten. Das könnte sogar tödlich enden.

Weil die Verantwortlichen aber wissen, dass die Zoobesucher gerne beim Füttern zuschauen, gibt es für viele Tiere Schaufütterungen zu festen Zeiten (siehe unten). Und die sind wirklich ein Spektakel - egal, ob bei Zwergottern, Seehunden, Schimpansen, Eisbären oder Elefanten. Letztere erhalten übrigens die größten Rationen unter allen Zootieren: Eine halbe Tonne Futter pro Tag vertilgen Rani und ihre drei Mitbewohnerinnen.

Öffnungszeit: Täglich von 9 bis 17 Uhr; die Tierhäuser schließen im Winter um 17 Uhr. Hunde dürfen nicht mit.

Fütterungszeiten im März (betriebsbedingte Änderungen möglich):Eisbären (siehe Gehegeuhr), Elefanten (10 und 16 Uhr), Flusspferde (16 Uhr), Raubkatzen (15 Uhr, außer Mo. und Fr.), Schimpansen (11.30 und 14.30 Uhr), Seehunde/Seelöwen (siehe Gehegeuhr, 16 Uhr), Zwergotter (14.15 und 16.30 Uhr).

www.karlsruhe.de/zoo

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