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Babyboom im Karlsruher Zoo
12.04.2014 - 16:20 Uhr
Von Anja Groß

"Wir haben Nachwuchs!", erzählt Dr. Barbara Lang begeistert ihrer Kollegin und hält ihr ein gerade eben aufgenommenes Handyfoto vom Baby unter die Nase: Nackt und winzig lugt es aus Mutters Beutel heraus. Die Rede ist vom Känguru-Nachwuchs im Zoologischen Stadtgarten Karlsruhe. Der neue Bock, der im Sommer vergangenes Jahres bei den drei Weibchen einzog, scheint bei der Damenwelt gut angekommen zu sein, freut sich die Zoo-Tierärztin.

Überhaupt ist derzeit einiges los im Zoo: Fast jeden Tag, wenn Lang zur Arbeit kommt, hat es Zuwachs gegeben. Gibt es denn keine besondere Überwachung der trächtigen Tiere um den möglichen Geburtstermin herum? "Nein", winkt Lang ab und lacht. "Meistens kriegen die Tiere das sehr gut alleine hin; ansonsten geht es nicht um Minuten, es reicht also einzugreifen, wenn die Pfleger morgens bei der Fütterung merken, dass die Geburt nicht richtig voranschreitet."

Bisher war Langs Einsatz als Geburtshelferin glücklicherweise nicht gefragt. Dabei kam der Nachwuchs Schlag auf Schlag - vor allem im Streichelzoo: Fast täglich wurde ein Ouessant-Schaf geboren, sieben sind es jetzt - putzmunter und quicklebendig, wie die Tierärztin beim ersten Gesundheitscheck an diesem Tag feststellt. Wiegen, Nabelkontrolle, Allgemeinuntersuchung und die Kennzeichnung mit einem Mikrochip-Transponder, der unter die Haut implantiert wird, stehen dabei an. "Wir warten damit immer einige Tage, um die Mutter-Kind-Bindung nicht zu stören", erklärt Lang. Denn: Ein fremder Geruch, eine längere Trennung können dazu führen, dass der Nachwuchs nicht angenommen wird, weiß sie.

Das Chippen ist bei Zootieren Vorschrift und dient unter anderem der Kennzeichnung (beispielsweise vorgeschrieben für den Transport innerhalb der EU), dem Nachweis der Abstammung, aber auch der Seuchenkontrolle. Zu guter Letzt bekommen die Lämmer noch eine Vitaminspritze, dann lässt Tierpfleger Ben sie wieder zur Herde, die sie mit freudigem Blöken begrüßt.

Nebenan lugt neugierig ein junges Meerschweinchen aus dem hohlen Baumstamm und verkriecht sich dann schnell wieder unter Mutters Bauch. Währenddessen haben sich die Zicklein um ihren Vater geschart und genießen offenbar allesamt ein Sonnenbad, nachdem gerade eine französische Kindergartengruppe zum "Power-Streicheln" im Gehege war. Apropos Streicheln: "Für die Jungtiere haben wir einen Bereich abgetrennt, in den sie sich zurückziehen können, wenn es ihnen zu viel wird", verdeutlicht die Tierärztin.

Bei aller Freude über reichlich Nachwuchs muss Barbara Lang aber auch jetzt schon überlegen, was mit diesem geschehen wird - denn der Platz ist begrenzt und eine Überpopulation soll es natürlich nicht geben. "Ziegen geben wir auch an Privatleute oder Züchter ab", erzählt die Veterinärin. Wenn es keine Interessenten gibt, "dann werden sie irgendwann geschlachtet und wandern in die Futterküche". Sie sieht das emotionslos: "Das ist ökologisch sinnvolles Futter für unsere Fleischfresser."

Für die Ouessant-Schafe wiederum gibt es eine andere Lösung: Seit vergangenem Jahr werden alle Böcke der Zwergschafrasse an ein Schulprojekt abgegeben. Dort besteht nun eine reine Männergruppe, in die auch die neugeborenen Böcke irgendwann integriert werden sollen. "Vorher lassen wir sie kören", erzählt Barbara Lang. Dabei werden Abstammung, Körperbau, Beschaffenheit der Wolle und ähnliches begutachtet und in Zuchtbücher eingetragen, denn nur gekörte Tiere sind zur Zucht geeignet. Die Männergruppe dient als sogenannter Genpool für Ouessant-Schafe in Baden-Württemberg. Alle Züchter können darauf zurückgreifen.

Weiter geht es ins Affenhaus, wo die Veterinärin "ihr" nächstes Baby zeigen will: Ein winziges Katta, gerade zwei Tage alt, klammert sich so eng an den Bauch seiner Mutter, dass man schon ganz genau hinschauen muss, um es zu entdecken. Erst in einem halben Jahr wird Lang es untersuchen und kennzeichnen - das variiert von Tierart zu Tierart. Das Kängurujunge beispielsweise wird gecheckt und geimpft, wenn es selbstständig aus dem Beutel kommt - etwa in drei bis vier Monaten, schätzt Lang.

Auch bei den Kropfgazellen wird täglich Nachwuchs erwartet. In der Fächerstadt lebt mit 17 Weibchen die größte Gruppe dieser seltenen Gazellenart in Europa. Einzigartig ist zudem die reine Männergruppe, die in der Außenstelle Oberwald beheimatet ist. Dr. Clemens Becker, der stellvertretende Zoodirektor, koordiniert das Zuchtbuch für ganz Europa. In Karlsruhe erfolgt auch das Monitoring der Tiere, also die systematische Beobachtung und Überwachung, die dann dokumentiert wird.

Spannend sei bei den Kropfgazellen immer, ob die Mütter die Jungtiere annehmen, erzählt die Zoo-Tierärztin. Falls nicht, werden die Jungen mit großem Einsatz von Hand aufgezogen - bis zu sechsmal täglich bekommen sie Milch aus der Flasche: "Nachts wechseln die Pfleger und ich uns dabei ab." Diese Handaufzucht sei jedoch im Zoo die absolute Ausnahme, tritt Lang romantischen Vorstellungen entgegen. Die Tiere sollen schließlich auch hier artgerecht aufwachsen. Im Fall der Kropfgazellen habe die Handaufzucht jedoch einen Vorteil: Die Jungtiere seien an Menschen gewöhnt und flüchten nicht sofort wie ihre schreckhaften Artgenossen, wenn ein Pfleger das Gehege betritt.

Selber gespannt ist die Veterinärin darauf, ob es im Nachbargehege Nachwuchs geben wird. Dort leben die beiden roten Pandas, die erst vor eineinhalb Jahren nach Karlsruhe kamen. Lediglich bei den Chinaleoparden und den Salzkatzen ist die Veterinärin sicher, dass diese vorerst kinderlos bleiben. Für beide Tierarten empfiehlt das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) nämlich, nicht zu züchten, weil man die Tiere nicht unterbringen könnte. Für die Chinaleopardin gibt es in Karlsruhe daher die "Pille", bei den Salzkatzen wurde 2013 das Männchen an einen anderen Zoo abgegeben - auch eine Form der Verhütung. "Eine andere Variante ist es, die Geschlechter zu trennen", verdeutlicht Lang, das werde fallweise entschieden.

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