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"Nur was man kennt, kann man sch ützen"
24.05.2014 - 16:10 Uhr
Von Anja Groß

Marie Baillard ist Patin eines braunen Kaninchens, das sie an diesem Tag besuchen will: Wuschelig und so richtig zum Verkuscheln, das gefällt der neunjährigen Baden-Badenerin. Die Patenschaft für das braune Fellknäuel aus dem Karlsruher Zoo haben die Eltern Marie geschenkt.

"Manchmal ist es aus den unterschiedlichsten Gründen schwierig, selber ein Tier zu halten, und bei vielen Zootieren wäre das ja auch gar nicht zulässig", weiß Gisela Fischer, Vorsitzende der Zoofreunde Karlsruhe. Der Förderverein des Zoologischen Stadtgartens Karlsruhe ist seit vergangenem Jahr für die Zoo-Patenschaften zuständig. "Finanzielle Unterstützung durch Patinnen und Paten erweitert die Möglichkeiten des Zoos, Gehege besser auszustatten beziehungsweise Spielelemente oder besondere Leckerbissen für die Tiere zu besorgen", verdeutlicht Fischer. Die Gelder können aber auch unterstützend in konkreten Natur- und Artenschutzprojekten helfen, um das Überleben der einen oder anderen Tierart sicherzustellen.

Ab 50 Euro jährlich für eine Maus oder eine Ente beispielsweise ist eine Tier-Patenschaft zu haben. Die Beträge sind je nach Tierart in acht Gruppen von 50 bis 5000 Euro (Eisbären, Elefant, Flusspferde, Giraffen, Schimpansen) gestaffelt. "Es können auch Teil-Patenschaften ab 100 Euro erworben werden", unterstreicht die Vorsitzende der Zoofreunde Karlsruhe. Von einer Kindergartengruppe, die ihr Maskottchen-Tier unterstützt, über Privatpersonen bis hin zu Firmen und Institutionen, die sich engagieren, reicht die Bandbreite der zurzeit 79 Förderer - "mit viel Luft nach oben", benennt Gisela Fischer ehrgeizige Ziele. Neben der Tierpatenschaft für ein Jahr gibt es auch solche mit unbegrenzter Laufzeit und die ohne eine Bindung an eine bestimmte Tierart.

Am beliebtesten sind die putzigen Erdmännchen: Auf vier Tiere im Karlsruher Zoo kommen gleich neun Paten, wie auch auf der Patentafel am Eingang beim Bahnhof ersichtlich ist. Doch Konkurrenzgefühle kommen unter den Tierfreunden nicht auf, wie sich beim jährlichen Patentreffen im Zoo zeigt. Im Gegenteil: Da gibt es gleich Gesprächsstoff und Anknüpfungspunkte, wie auch Reiner Post aus Karlsruhe unterstreicht. Er ist seit drei Jahren Erdmännchen-Pate. "Ich mag die Tiere einfach, und mir gefällt der Gedanke, damit eine gute Sache zu unterstützen", erklärt er sein Engagement.

Neben dem gegenseitigen Kennenlernen und der Anerkennung des Einsatzes dienen die Patentreffen auch der Information. Dr. Ulrike Stephan, im Fächerstadt-Zoo verantwortlich für den Bereich Zoopädagogik, will den rund 40 Teilnehmern diesmal das Logo-Tier näherbringen: den Eisbär. "Nur was man kennt, kann man schützen", lautet das Motto moderner Zoologischer Gärten. Zooverantwortliche kümmern sich aber auch gemeinsam mit der Internationalen Naturschutzunion (IUCN: International Union for Conservation of Nature) um den Erhalt vom Aussterben bedrohter Tierarten.

"Gerade den in ihrem Lebensraum bedrohten Tierarten kommt durch Zoos oftmals Hilfe zu", betont Stephan - um die kritische Einschätzung der Zootierhaltung wissend. Einige Tierarten wie Säbelantilopen, Wisente oder Przewalskipferde wären ohne Haltung in der "Arche" Zoo in freier Natur längst schon ausgestorben, unterstreicht sie.

Mit Hilfe der Gelder könnten beispielsweise im Bereich Zoopädagogik Anschaffungen getätigt werden, für die der städtische Betrieb sonst kein Geld hätte, erläutert Fischer, die als SPD-Stadträtin um die finanziellen Nöte weiß. In dieser Form von Unterstützung sieht daher auch der Förderverein Zoofreunde seine große Aufgabe. So hat er nach dem Brand des Streichelzoos und des Elefantenhauses 2011 rund eine Million an Spenden gesammelt, um den Wiederaufbau mit zu ermöglichen. Und auch beim derzeitigen Umbau des Tullabads zum Exotenhaus sieht Gisela Fischer viele Möglichkeiten, bei der Ausstattung, aber auch Einrichtungen der Zoopädagogik unterstützend tätig zu werden. Fleißig wirbt sie daher für die Mitgliedschaft bei den Zoofreunden für 50 Euro Jahresbeitrag (Schüler und Studenten zahlen 35, Kinder bis 15 Jahre 20 und Familien 100 Euro), die ganzjährig zum freien Eintritt berechtigt. Nicht ganz uneigennützig, wie sie einräumt: Kommendes Jahr feiert Karlsruhe den 300. Stadtgeburtstag und 150 Jahre Zoo, weshalb sie als Zielmarke bis dahin 300 Mitglieder anstrebt. Aktuell stehen 270 auf der Liste.

Mitglied ist bereits Hannelore Wörther aus Rastatt. Sie hat ihrem Mann die Patenschaft für ein Erdmännchen zu Weihnachten geschenkt, weil der in der Nähe des Zoos aufgewachsen und diesem zeitlebens sehr verbunden ist. "Als wir das erste Mal hier waren, durfte er es sogar mit füttern helfen", erzählt sie ganz begeistert.

Andere verschenken die Patenschaften seit Jahren zu Geburtstagen im Freundeskreis - und sehen sich damit nicht nur beim Patentag im Zoo, sondern auch bei vielen Veranstaltungen, zu denen Paten und Fördervereinsmitglieder eingeladen werden. Wie Karin Jaudmann aus Ettlingen. Ihre Tochter ist ein großer Seehund-Fan und war die Patin von Zola, die vergangenes Jahr für Schlagzeilen sorgte, weil sie in den Stadtgarten-See ausgebüxt war. Nun hat Jaudmanns Tochter erneut eine Seehund-Patenschaft übernommen, will aber auch Zola, die mittlerweile in einem Zoo in Tschechien lebt, nicht ganz aus den Augen verlieren. Daher plant sie im Sommer eine Reise nach Tschechien, um die Seehündin zu besuchen, von deren Gelehrigkeit und Verspieltheit Jaudmann ganz begeistert erzählt. "Wir mussten sie leider abgeben, um Inzucht zu vermeiden" erläutert Stephan den Umstehenden. Und nutzt die Gelegenheit, um für ein weiteres Projekt zu werben, das im Karlsruher Zoo geplant ist: Paten basteln unter Anleitung der Zoopädagogen "Spielzeug" zur Beschäftigung der Tiere. Ein Vorschlag, für den sich auch Marie begeistern kann, die sich bald verabschiedet, um mit Eltern und Geschwistern noch "ihr" Kaninchen zu besuchen.

Info: Zoofreunde Karlsruhe, (0721) 887409; E-Mail: zoofreunde.karlsruhe@t-online.de

www.zoofreunde-

karlsruhe.de

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