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Der Zoo als Natur-Lernort
28.06.2014 - 15:40 Uhr
Von Anja Groß

Was, Pinguine haben Federn?" Das Erstaunen bei den Vorschulkindern ist groß, als Dr.Ulrike Stephan eine Pinguinfeder hochhält. Die Biologin betreut im Zoologischen Stadtgarten Karlsruhe seit sieben Jahren den Bereich Zoopädagogik, führt Besuchergruppen - meist Schulklassen oder Kindergartengruppen -, erarbeitet zusammen mit einer Pädagogin aber auch Materialien und Rallyes zu bestimmten Themen, die Interessenten sich im Internet herunterladen und auf eigene Faust starten können. "Zoopädagogik ist keine Fachrichtung, sondern eine Konzeptidee zur Bildung und Erziehung", verdeutlicht Stephan. Hauptaufgabe sei der Unterricht im Zoo - daher der Begriff "Zooschule" - für alle Schulformen und Klassenstufen, orientiert an den Bildungsplänen.

Die Zooschul-Idee brachte Prof. Bernhard Grzimek (1909-1987), ehemals Direktor des Zoos in Frankfurt am Main, Ende der 1950er Jahre aus den USA mit. 1960 wurde am Frankfurter Zoo die erste Zooschule auf dem europäischen Festland eröffnet. Es folgten Köln (1964), Hannover und Berlin (1965), Rostock (1967), Leipzig und Dresden (1969). Mitte der 1980er Jahre erlebte die Zoopädagogik im deutschsprachigen Raum einen enormen Aufschwung. "Heute besitzt jeder wissenschaftlich geleitete Zoo oder Tierpark eine zoopädagogische Einrichtung", unterstreicht Stephan.

Hatten die Zoos bis ins 20. Jahrhundert hinein allein das Ziel, Tiere auszustellen, so wollen die heutigen Einrichtungen Tiere in einer natürlich wirkenden Umgebung zeigen und dadurch die Besucher für die Notwendigkeit des Natur- und Artenschutzes sensibilisieren. Die Zoopädagogik ist dabei eine wichtige Schnittstelle, ihre Stärke die Begegnung mit dem lebenden Tier. "Sie kann viele Sinne ansprechen und Menschen für die Natur begeistern", weiß Stephan.

Was Schüler beispielsweise in grauer Theorie über "Anpassung an Lebensräume" lernen, erfahren sie ganz anders, wenn die Biologin erklärt, warum Eisbären unter ihrem Fell schwarze Haut haben (um in ihrer natürlichen Umgebung das wenige Sonnenlicht absorbieren zu können). Auch Tarnung, Bewegungsabläufe und vieles mehr lässt sich mit dem lebendigen Beispiel vor Augen viel besser verdeutlichen.

40 Euro zuzüglich des Eintritts kostet eine einstündige Führung im Karlsruher Zoologischen Stadtgarten, auch für andere Besuchergruppen. Eine wichtige Informationsquelle, um manche Zusammenhänge besser zu verstehen: Warum ein Zoo beispielsweise nicht fünf oder sechs verschiedene Raubkatzenarten halten kann, sondern sich auf zwei vom Aussterben bedrohte Tierarten festlegt.

Mit Hilfe von Beobachtungsbögen zu zehn verschiedenen Tierarten, die sich Besucher vorab ebenfalls im Internet herunterladen können, wird der Zoobesuch für Familien, Klassen, Kindergartengruppen und andere zum informativen Erlebnis. Auch die Tierquizkarten mit je zehn Fragen (und Antworten auf der Rückseite), die für verschiedene Altersstufen ebenfalls im Internet heruntergeladen werden können, sind sehr beliebt. "Nur was man kennt, kann man schützen", unter diesem Oberbegriff sieht Stephan ihre Arbeit: Die Erziehung zum Umwelt-, Natur- und Artenschutzengagement. "Dürfen wir die Löwen streicheln?", will ein Steppke im Raubtierhaus wissen. Doch die Biologin muss ihn enttäuschen. "Löwen sind gefährliche Raubtiere! Aber auch anderen Zootieren sollte man sich nähern wie Wildtieren in freier Natur", erklärt sie, "und die kann man auch

nicht streicheln". Allerdings soll es demnächst auch in Karlsruhe möglich sein, kleinere Tierkontakte in einige Veranstaltungen aufzunehmen, berichtet sie - beispielweise bei der Fütterung der Kattas, einer Halbaffen-Art. Eine Aufgabe der Zoos, die aus Sicht vieler Experten künftig zunehmende Bedeutung erlangen wird, ist schließlich die Auswilderung aussterbender Tierarten aus der Nachzucht in Zoos. "Wildtiere, die sich an den Menschen gewöhnt haben, kann man nicht auswildern", verdeutlicht dagegen Stephan.

"Schau mal, wie süüüß!" ruft ein Mädchen ihren Kamera-

dinnen mit Blick auf die schmusenden Eisbären zu. Doch dann stellt Eisbär Vitus sich auf die Hinterbeine und richtet sich zu seiner imposanten Größe von etwa 2,60 Meter auf. "Oha", kommentiert ein Steppke, sichtlich beeindruckt von dem größten an Land lebenden Raubtier der Erde. "So einem Tier einmal gegenüberzustehen, und wenn es im Zoo ist, das macht einen Aha-Effekt aus und bindet die Besucher emotional", kennt Stephan solche Reaktionen und weiß: "Das fördert natürlich auch das Interesse am Schutz der Tiere." Sie erzählt der Gruppe, wie der Lebensraum der mächtigen Raubtiere durch die Erderwärmung immer mehr dahinschmilzt - so dramatisch, dass man in freier Natur mittlerweile zunehmend ausgehungerte oder ertrunkene Eisbären findet. Wissenschaftler halten es zwar für möglich, dass die Tiere sich einen neuen Lebensraum suchen und an diesen anpassen. Aber da so ein Prozess meist Jahrhunderte dauert, stehe zu befürchten, dass die Eisbären aussterben, erklärt Stephan, die über die größten an Land lebenden Raubtiere promoviert hat.

"Booaahh, die fressen bestimmt tonnenweise Fleisch", meint ein Kind beim Anblick des Flusspferds, das sein Maul ganz weit aufreißt und einen Blick auf seine Zähne freigibt. Bis zu 70 Zentimeter lang werden diese, wobei nur rund 30 Zentimeter aus dem Zahnfleisch ragen. Und der Besucher der Entdeckertour aus Anlass eines Kindergeburtstags, die man im Karlsruher Zoo ebenfalls buchen kann, erfährt von Stephan, dass Flusspferde reine Vegetarier sind: Das schwerste landbewohnende Säugetier, das seinen Kiefer bis zu 150 Grad aufklappen kann, frisst nur Pflanzen.

Kontakt und Info:

Zoopädagogik Karlsruhe, (0721)1336813, E-Mail:

zooschule@zoo.karlsruhe.de.

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