http://www.badisches-tagblatt.de/weihnachtsabo/index.html
Eisb omben und Clicker-Training
19.07.2014 - 15:47 Uhr
Von Anja Groß

Als sie Tierpfleger Michael Heneka mit den großen Plastikbehältern hantieren sehen, wissen die drei Eisbären im Zoologischen Stadtgarten Karlsruhe offenbar genau, was kommt: Voller Vorfreude auf die "Eisbomben" scharen sie sich unter dem künstlichen Felsen in der Eisbärenanlage und blecken erwartungsvoll die Zähne, zwischen die man nicht geraten möchte. Endlich lassen sich die "Eisbomben" - Äpfel und Karotten, die in Wasser eingefroren werden - aus dem Plastikbehälter lösen und Heneka schubst sie ins Wasser. Sofort ist Eisbär Vitus zur Stelle und schnappt sich den Leckerbissen - seine beiden Damen müssen zurückstehen. Und während die sich die nächsten "Eisbomben" holen, hat Vitus seine "Beute" schon auf den Felsen gezerrt, stellt sich mit den Vorderpfoten darauf und drückt mit seinem ganzen Körpergewicht immer wieder auf sie. "Herzdruckmassage bis zum Tod", witzelt Michael Heneka und erklärt: "In freier Wildbahn töten Eisbären auf diese Weise die Robben, die sie gefangen haben."

Damit ist der Tierpfleger bei seinem eigentlichen Thema angelangt: Tierbeschäftigung. Während die Wildtiere in der Natur fast den ganzen Tag lang auf Wasser- und Futtersuche sind, bekommen sie im Zoo alles mundgerecht zu festen Zeiten serviert. Dazu kommt, dass sie keinem natürlichen Feind aus dem Weg gehen müssen - da entsteht Langeweile, weiß Heneka, und aus Langeweile entwickeln manche Tierarten dann Stereotypien.

Dem versuchen die Tierpfleger in Zoos zunehmend damit entgegenzuwirken, dass sie Futter verstecken, so dass die Tiere auch geistig gefordert sind. "Behavioural Enrichment" nennen das die Fachleute, zu denen Heneka seit neuestem gehört - er ist nämlich jetzt ganz offiziell der Beauftragte für Tierbeschäftigung im Karlsruher Zoo. Vor allem die interne Schulung von Auszubildenden und Kollegen zu diesem Thema steht dabei im Vordergrund.

Weil die meisten Tiere sehr schlau sind, müssen sich die Pfleger in Sachen Tierbeschäftigung nämlich immer wieder etwas Neues einfallen lassen. Anregungen holt Heneka sich aus anderen Zoos und durch Ausprobieren: "Bei uns wird nichts weggeschmissen; aus jedem alten Blumentopf können wir noch etwas basteln."

Wobei es mittlerweile auch viele Elemente schon fertig zu kaufen gibt. Für die Giraffen wurden beispielsweise jüngst sogenannte Heu-Toys angeschafft. Aus denen müssen sie mit ihren geschickten Zungen das Heu herausfummeln - nicht nur eine gute Beschäftigung für die Tiere, sondern auch die Möglichkeit, ihnen auch nachts Futter anzubieten. Denn in freier Wildbahn fressen Giraffen auch in der Nacht, wie Zootierärztin Dr. Barbara Lang erläutert. Im Karlsruher Zoo gibt es zwischen 17 Uhr und 8 Uhr morgens (Arbeitsende/Arbeitsbeginn der Tierpfleger) sonst nichts zu fressen.

Ganz neu sind auch drei Stocherkästen für die Schimpansen, die dank der Unterstützung der Zoofreunde Karlsruhe angeschafft wurden. Die 12 000 Euro teuren Kästen sollen demnächst eingesetzt werden. Neben fünf Ebenen, auf denen Futter versteckt werden kann, bieten sie die Möglichkeit, elektronisch zu steuern, dass das Futter nur nach und nach erreichbar ist. "Dadurch ist es für die Schimpansen nicht so vorhersehbar", erläutert Heneka, dass gerade bei den intelligenten Tieren schnell ein Gewöhnungseffekt eintritt. Bei drei Tieren braucht man drei Stocherkästen, auch das ist unumgänglich. Sonst gibt es Rivalitäten ums Futter und die können böse enden - nämlich auf dem OP-Tisch der Zootierärztin, was auch hin und wieder vorkommt. Kürzlich erst, als Besucher Futter ins Gehege geworfen hatten, um das die drei Schimpansen dann einen heftigen Kampf ausfochten.

Zur Tierbeschäftigung durch Futter gehört auch das Tiertraining. "Die Seelöwen arbeiten gerne", verdeutlicht Lang, "folgen einem Stock ." Manche Zoos beschäftigen mittlerweile eigenes Personal für Tierbeschäftigung und Tiertraining, unterstreicht Heneka die zunehmende Bedeutung dieses Bereichs.

Für die Zoo-Tierärztin bietet es zudem den Vorteil, ein sogenanntes "Medical Training" einzubauen: Das heißt, die Tiere werden darauf trainiert, ruhig liegenzubleiben, damit man sie untersuchen kann - mit erstaunlichem Erfolg, wie Lang berichtet: "Es gab schon Seelöwen, bei denen man unter lokaler Betäubung kleinere Eingriffe durchführen konnte." Den Raubtieren beispielsweise wird früh beigebracht, auf die Waage zu gehen. Grundlage ist das Clicker-Training. Der "Click" wirkt als konditionierter Bestärker. Nach dem Clicken folgt immer eine Belohnung in Form von Futter. So lernen die Tiere sehr schnell und sehr früh, dass das Geräusch eine Belohnung ankündigt. Darauf bauen die Tierpfleger dann auf. China-Leopard Tao beispielsweise hat gelernt, durch den Schieber ins Freigehege zu gehen, wenn seine Tierpflegerin "Und Tschüss!" sagt. Erstaunlich.

Doch der Bereich "Behavioural Enrichment" umfasst noch viel mehr: Kurz gesagt bedeutet es, viele Reize zu setzen. Attrappen von Beutegreifern werden übers Gehege gezogen, um eine Alarmsituation zu simulieren, oder andere Gewürze und Geschmäcker angeboten, um den sensorischen Bereich anzusprechen. Auch die Ausgestaltung der Gehege mit immer wieder neuen Kletterangeboten oder Versteckmöglichkeiten beispielsweise gehört dazu. Ebenso die Ganztierfütterung, wie Lang betont: "Für die Raubtiere ist es ernährungsphysiologisch wichtig, auch mal ein Huhn mit Haut und Federn zu verspeisen." Und doch dürfen es auch nicht zu viele Reize sein, wie Heneka weiß: "Die Tiere brauchen Zeit, um sich miteinander zu beschäftigen."

BeiträgeBeitrag schreiben 
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Geld für Mitarbeiter, die selten gesundheitlich ausfallen: So könnte eine neue Betriebsvereinbarung von Daimler aussehen. Geht dieser Ansatz in die richtige Richtung?

Ja.
Nein.

Wetter in Mittelbaden


Facebook


BT Kinospot


Online-Beilagen
Aldi Sued Rastatt gültig ab 04.12.2016

Aldi Süd


Rastatt

gültig ab:
04.12.2016

Octomedia Rastatt gültig ab 07.12.2016

Octomedia


Rastatt

gültig ab:
07.12.2016

Octomedia Rastatt gültig ab 05.12.2016

Octomedia


Rastatt

gültig ab:
05.12.2016

© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen