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"Schwarzwaldelche" im Karlsruher Oberwald
09.08.2014 - 16:06 Uhr
Von Anja Groß

Jetzt wissen wir endlich, wo der "Schwarzwaldelch" beheimatet ist: In der Dependance des Zoologischen Stadtgartens Karlsruhe im Oberwald liegt er gemütlich neben seiner Gefährtin in der Sonne und lässt sich weder von vorbeijoggenden Sportlern noch von Spaziergängern mit Hund aus der Ruhe bringen. In erster Linie wetterunempfindliche Wildtiere gemäßigter und kalter Zonen wie Gämse, Elch oder Axishirsch leben im Tierpark Oberwald - "etwa 110 Tiere aus 13 verschiedenen Arten sind es derzeit", erzählt Revierleiter Robert Ruder.

Der 16 Hektar große Tierpark im nah am Zoo gelegenen Stadtwald entstand 1965 als Außenstelle des Karlsruher Zoos. "In Vorbereitung auf die Bundesgartenschau 1967 mussten damals einige Huftiere ausgelagert werden, um Platz für die Bundesgartenschau zu schaffen", berichtet Ruder, der seit 41 Jahren im Oberwald arbeitet. Vor allem robuste Tiere finden sich dort, denn in dem Wasserschutzgebiet gibt es weder Strom noch Heizung oder fließend Wasser. Kälte- oder wetterempfindliche Tiere dürfen in den weitläufigen Gehegen mitten im Wald- und Naherholungsgebiet deshalb allenfalls zur "Sommerfrische" wie derzeit die Bantengs, südostasiatische Wildrinder, die wegen der Bauarbeiten am Huftiergehege im Zoo umziehen mussten. Da es im Oberwald keine Warmhäuser gibt, sondern lediglich Unterstände oder unbeheizte Stallungen Schutz bieten, müssen sie vor dem Winter wieder zurück.

Insgesamt hat der Oberwald eher den Charakter eines Wildparks inmitten des Waldgebiets. Wasser und Frischfutter wird zweimal täglich vom Haupt-Zoo geholt. Dreimal in der Woche bringt in den Sommermonaten zudem ein Bauer aus der Region frisches Gras für die Fütterung.

Auch im Oberwald ist das Füttern der Tiere allerdings verboten. "Viele Besucher kommen und halten den Tieren einen abgerissenen Ast mit Laub hin", erzählt Ruder, "neugierig kommt dann meist ein Jungtier aus der Gruppe und frisst." Weil es für die anderen, älteren und ranghöheren Tiere dann nichts gibt, kann das allerdings zu üblen Streitigkeiten innerhalb der Gruppe führen. "Viele Besucher verstehen dann gar nicht, warum die Tiere aufeinander losgehen, oder fühlen sich nicht schuldig", ärgert sich Ruder, schließlich seien in den Gehegen ja auch Laub und Äste vorhanden. "Aber beim Füttern muss immer für jedes Tier etwas da sein", unterstreicht der Revierleiter,

"Wir nutzen den Oberwald hauptsächlich als Zoo-Dependance für große Huftiergruppen", erläutert Zoo-Tierärztin Dr. Barbara Lang. 30 Hirschziegenantilopen bilden derzeit die größte Gruppe im Oberwald. Die weitläufigen Wechselgehege begünstigen zudem ein Lebensraum-Management für besonders bedrohte Tierarten wie Kropfgazellen, Europäische Wisente, Przewalskipferde oder Mesopotamische Damhirsche.

Wer sich wundert, warum manche Gehege leer sind: Dort kann das Gras nachwachsen und die Natur sich erholen. "So bereiten wir die Wintergehege vor", verdeutlicht der Revierleiter.

Dem Karlsruher Zoo ermöglicht das Ausweichquartier eine Besonderheit, um die ihn mancher Zoo beneidet: eigene Junggesellengruppen zu halten. Zuchtreife Onager-Männchen aus ganz Europa beispielsweise werden in der Karlsruher Junggesellengruppe der asiatischen Wildesel "zwischengeparkt" - bis wieder ein Zoo im Rahmen des Europäischen Zuchtprogramms EEP einen Hengst sucht und dieser "weiterverschickt" wird.

Auch die einzige Bockgruppe der vom Aussterben bedrohten Kropfgazellen, für die der Zoo Karlsruhe das Europäische Zuchtbuch führt, lebt im Oberwald. Aktuell sind es sieben Böcke, "die sich richtig gut vertragen", freut sich die Zoo-Tierärztin. Sie betont, dass das nur funktioniert, wenn keine Weibchen in der Nähe sind. Zur Paarungszeit darf jeweils ein Bock zu den Weibchen im Innenstadtzoo.

"Aber wir hatten hier auch schon eine Rentnerband", scherzt Robert Ruder und erzählt von zahnlosen Luchsen. Oder von Ponys, die abspecken mussten, und zu diesem Zweck in der Dependance das Futter für die anderen Tiere mit der Kutsche transportiert haben.

Ganz neu im Oberwald sind die Waldkäuze. Demnächst soll es außerdem Zuwachs bei den Wisenten geben. "Die drei Weibchen sollen einen neuen Zuchtbullen dazubekommen", erzählt Lang. Doch das ist bei den einst fast ausgerotteten Europäischen Bisons, für die ein weltweites Zuchtstammbuch aller Tiere geführt wird, nicht so einfach. So waren bereits Anfang des Jahres Experten im Oberwald, um Gen-Proben bei den Wisenten zu entnehmen.

"Anhand dieser wird nun bestimmt, welcher von den verfügbaren Zuchtbullen weltweit geeignet erscheint und nicht zu nah verwandt ist", erläutert die Veterinärin die Vorgehensweise. Es kann also noch etwas dauern mit dem männlichen Zuwachs.

Ruhiger ist es derzeit bei den ebenfalls bedrohten Przewalskipferden. Momentan sind im Oberwald nur ältere Stuten, "weshalb wir nicht züchten", verdeutlicht Lang. Doch das könne sich schnell wieder ändern, betont sie, und erinnert an eine große Gruppe von Przewalskipferden aus ganz Europa, die in den 1980er Jahren in Karlsruhe zusammengezogen wurde zum Transport in die Mongolei, wo sie ausgewildert wurden. Mit großem Erfolg übrigens, wie Lang dem Revierleiter aus einer Mail erzählt, die sie gerade kürzlich erhalten hat. Ruder kann sich auch noch gut an die Quarantäne und Transportvorbereitung der Tiere im Oberwald erinnern: "Wir hatten die gut an die Transportboxen ge

wöhnt und sie gingen auch problemlos hinein, nur das letzte ist mit einem Sprung über die Absperrung ausgebüxt", erzählt er lachend.

Dann kommt notfalls das Blasrohr zum Einsatz, an dem sich auch die drei Tierpfleger im Oberwald immer wieder üben müssen. Denn es kann schon mal vorkommen, dass ein Zaun durch einen herabstürzenden Ast oder bei starkem Wind durch einen umfallenden Baum eingerissen wird und die Tiere Reißaus nehmen. Wenn dann alle anderen Versuche, sie anderweitig wieder einzufangen, scheitern, greift die Tierärztin zum Blasrohr oder Gewehr, um ein Betäubungsmittel zu verabreichen. Auch bei Transporten oder medizinischen Untersuchungen kann dessen Einsatz erforderlich sein - deshalb muss das Üben am großen Plüschhasen sein.

Da mögen es die "Schwarzwaldelche" doch gemütlicher. Als sie einmal durch einen defekten Zaun ausgerissen waren und im Wald umherstreiften, konnte Ruder sie ganz leicht wieder "einfangen": Dem Futtereimer folgten sie willig zurück ins Gehege. Nicht auszudenken auch, was passiert wäre, wenn SWR3 plötzlich vor Elchen auf der Autobahn gewarnt hätte.

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