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Kein Tier mag sie so richtig
20.09.2014 - 15:52 Uhr
Von Anja Groß

Vor ihr fürchten sich die größten Raubtiere: Wenn Zootierärztin Dr. Barbara Lang um die Ecke kommt, macht der Chinaleopard im Zoologischen Stadtgarten Karlsruhe lieber die Biege. "Berufsrisiko", meint die Veterinärin und zuckt lachend die Schultern, "schließlich bin ich die, die ihn immer pikst". Da das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) derzeit für Chinaleoparden keinen Nachwuchs erlaubt, muss Dschingis zur Empfängnisverhütung regelmäßig ein Hormonimplantat unter die Haut bekommen. Und das geht nur in Vollnarkose.

"Zootiere sind Wildtiere, da kommt man nicht so einfach ran wie an eine handzahme Katze, um sie zu untersuchen", verdeutlicht die Veterinärin. "Deshalb müssen die meisten Untersuchungen in Narkose ablaufen", erklärt sie weiter. Was immer ein Risiko sei, bei dem es Nutzen und Gefahr gut abzuwägen gelte. "Denn bei einem Wildtier kann ich nicht mal eben ein Blutbild machen oder die Herztöne abhören, um zu entscheiden, ob es die Narkose gut vertragen wird." Auch die Auswahl des Narkosemittels und dessen Dosierung erfordere Fingerspitzengefühl und Transferdenken, da es keine Standardrezepte oder Spezialpräparate gibt. Und weil die meisten Wildtiere vor ihr Reißaus nehmen, übt die Zootierärztin regelmäßig mit dem Blasrohr. Das benutzt sie gerne, um Betäubungsmittel oder Medikamente zu verabreichen. Nur in ganz kniffligen Fällen greift sie zum Betäubungsgewehr. Und wenn ein Tier dann narkotisiert ist, nutzt sie gerne die Gelegenheit zu einem umfassenden Gesundheitscheck von Blutbild über die Impfung bis zur Zahn- oder Klauenkontrolle.

Im Gegensatz zu ihren niedergelassenen Kollegen besteht die Hauptaufgabe der Zootierärztin allerdings nicht in der Behandlung der Krankheiten, erklärt die 32-Jährige. Vielmehr sei es ihre Hauptaufgabe, dafür zu sorgen, dass die Tiere gar nicht erst krank werden: "Etwa 60 Prozent meiner Arbeitszeit beschäftige ich mich mit Bestandsbetreuung", erläutert sie. Impfmanagement, Blutproben, Jungtierprophylaxe und regelmäßige Untersuchungen auf Parasitenbefall gehören ebenso dazu wie die Zusammenstellung des Futters und eventuell erforderlicher Nahrungsergänzungsmittel. Neben einem veterinärmedizinischen Programm gibt es für jede Tierart nämlich spezielle Futterpläne, berichtet Lang und deutet auf die dicken Aktenordner in ihrem Büro. "Wenn ein neues Tier kommt oder wir eines weggeben, schickt man diese Daten an die Kollegen mit." Als die roten Pandas ankamen, sei sie beispielsweise sehr froh über Impf- und Futterempfehlungen gewesen, "weil wir diese Tiere in Karlsruhe noch nicht hatten". Wichtig sei auch der regelmäßige Erfahrungsaustausch mit Kollegen bei Fortbildungen und Kongressen.

Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen fallen ebenfalls in den Zuständigkeitsbereich der Zootierärztin, genau wie die Betreuung neuer Tiere, die zunächst alle in Quarantäne müssen - oder auch das Einschläfern oder die Schlachtung alter und kranker Tiere, über die in vielen Fällen eine ganze Kommission entscheidet.

Unerlässlich sei für sie auch die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Kollegen oder der Kleintierklinik am Ort. "Ich bin ja keine Spezialistin beispielsweise für Zahnprobleme bei Pferden. Hat jedoch ein Zebra Zahnprobleme, dann ziehen wir einen Pferdedoktor zurate", erzählt die Veterinärin, die in einer vierjährigen Weiterbildung gerade am "Fachtierarzt für Zoo-, Gehege- und Wildtiere" arbeitet.

Und was waren ihre bisher "spektakulärsten Fälle"? "Ein Seelöwe mit gelähmter Hinterflosse, der in der Uniklinik Gießen im Computertomographen durchleuchtet werden musste", erinnert sie sich. Oder ein Pinguin mit Verdacht auf eine Lungenkrankheit, der in der Karlsruher Kleintierklinik in die Röhre geschoben wurde. Auch wenn das Ausnahmen sind, sei bei ihr eigentlich kein Arbeitstag wie der andere, berichtet Lang. Immer kann sie plötzlich per Funkgerät gerufen werden, weil irgendwo ihre Hilfe benötigt wird.

Oft sind es Kleinigkeiten, aber manchmal eben auch schwierigere Probleme wie jüngst, als Elefantin Rani nicht mehr aufstehen konnte und dann mit Hilfe eines Krans aufgerichtet werden musste (wir berichteten). "Mit 58 und 59 Jahren sind unsere beiden Elefantinnen wirklich sehr alt", verdeutlicht Lang, die auch deshalb regelmäßiger Gast zu einem kleinen Gesundheitscheck im Elefantenhaus ist, damit die Tiere an sie gewöhnt sind, falls einmal ein Notfall eintreten sollte. Mit Leckerli schmeichelt sie sich bei den Dickhäutern ein. Auch wenn ihr schon immer bewusst ist: "Richtig beliebt bin ich bei keinem Tier."file://bad-filer01/opi1$/OPI_092014/Dialog_Bilder/Opi_screen/231_008_8741664_Zoo_junge_.jpg

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