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Pediküre und Medikamentenbrot fürs Elefanten-Altersheim
18.10.2014 - 15:57 Uhr
Von Anja Groß

Robert Scholz gibt leise ein Kommando. Folgsam heben Jenny und Shanti den linken Vorderfuß, Rani hingegen schnaubt nur unwillig. Doch der Tierpfleger lässt keine Nachlässigkeit durchgehen, auch nicht bei Deutschlands ältestem Zoo-Elefanten. Scholz wiederholt das Kommando, diesmal lauter und bestimmter. Ein klein wenig hebt die 59-jährige Elefantenkuh nun das Vorderbein an - ihr Unmut ist regelrecht spürbar. Kein Wunder, leidet die Dame im Elefanten-Methusalemalter (im Durchschnitt wird ein Elefant 42 Jahre alt) wie die nur ein Jahr jüngere Shanti auch an Arthrose. "Doch gerade deswegen müssen sie ihr tägliches Bewegungsprogramm absolvieren, damit die Gelenke geschmeidig bleiben", verdeutlicht Scholz. Er arbeitet seit 20 Jahren im Zoologischen Stadtgarten Karlsruhe, mittlerweile als Revierleiter für Huftiere, Elefantenhaus und Streichelzoo. Deshalb weiß er auch, dass Nachgeben gefährlich wäre. "Wir Tierpfleger sind quasi die Leitkuh der Elefanten, deshalb müssen wir sagen, was gemacht wird, und darauf achten, dass die Tiere die Kommandos ausführen", erläutert er.

Mit Tierdressur hat das nichts zu tun. Vielmehr geht es unter anderem darum, dass die Tiere Pfleger oder Tierärztin im Not- oder Krankheitsfall auch an sich ranlassen oder sich für pflegerische Maßnahmen hinlegen wie beim Duschen - oder ein Bein heben, damit die Fußsohle auf Verletzungen kontrolliert werden kann. Das erfordert tägliches Training. Die Elefanten in Karlsruhe beherrschen rund 30 Kommandos in einem weltweit in der Arbeit mit Elefanten verwendeten Sprachgemisch aus Englisch, Thai und Deutsch.

Doch den Status einer Leitkuh müssen die Pfleger sich erarbeiten, und das braucht Zeit. Deshalb benötigt ein Elefantenpfleger zusätzlich zur dreijährigen Tierpfleger-Ausbildung mit Praxisteil im Zoo und Theorieteil an der Berta-von-Suttner-Schule in Ettlingen auch eine einjährige Einarbeitungszeit - und nicht jedem liegen die Giganten. Ganz ungefährlich ist der Job mit den bis zu vier Tonnen schweren Kolossen schließlich nicht. "Respekt sollte man immer haben", betont der Revierleiter, und die Elefantenpfleger Sebastian Stritt, Nina Weigand und Marius Kienzle nicken zustimmend.

Gemeinsam mit zwei Tierpflegern in der Anlernphase kümmern sie sich um das "Elefanten-Altersheim" in Karlsruhe. Wobei die 31-jährige Jenny ein regelrechter Jungspund ist im Vergleich zu den beiden anderen. Alle drei sind asiatische Elefanten, reine Vegetarier, von denen jede etwa 120 Kilo Heu, Stroh, Gras, Äste, Laub und Rohkost am Tag vertilgt. Auch die Trinkmenge beeindruckt: 100 bis 200 Liter am Tag - je nach Außentemperatur.

Überhaupt sind die Elefanten arbeitsintensiv: Rund zwei Stunden täglich dauert allein die Körperpflege mit duschen, checken auf mögliche Blessuren oder der Verabreichung von Salben. Rani beispielsweise hatte nach dem Brand des Elefantenhauses 2010 schlimme Verbrennungen und infolgedessen ist ihre Haut stark vernarbt und muss besonders gepflegt werden. Danach folgt die Pediküre: Mit einer großen Feile, die sonst wohl eher Handwerker benutzen, hobelt Robert Scholz bei Jenny die Nägel ab. "Das ist sehr wichtig, weil die Nägel schneller wachsen, als sie sich abnutzen", erklärt er, "und dann können sie einreißen und Abszesse entstehen." Spätestens gegen 10 Uhr geht es dann in der Regel auf die Außenanlage, wo zur vollen Stunde eine kommentierte Fütterung erfolgt. Da-

bei gibt es auch ein kleines Bewegungsprogramm für die Seniorinnen - zu therapeutischen Zwecken. Danach muss der Stall gesäubert werden.

Mindestens einmal pro Woche schaut Zoo-Tierärztin Dr. Barbara Lang im Elefantenhaus vorbei, "um Vertrauen aufzubauen", wie sie sagt. Dabei wird stets eine Blutentnahme am Ohr simuliert, inklusive Desinfektionsspray, damit die Elefantinnen sich an den Geruch gewöhnen. Schließlich kann es bei den alten Damen schon mal schnell zu gesundheitlichen Problemen kommen. So wie kürzlich, als Rani morgens nicht mehr aufstehen konnte und schließlich mit Hilfe eines Krans von der Feuerwehr wieder aufgerichtet werden musste. Im Nachhinein vermuten Tierärztin und Pfleger, dass die Elefantenkuh, die sich zum Schlafen schon lange nicht mehr hinlegt, an einen Pfeiler angelehnt hat und weggeknickt ist. Aufgrund der steifen Gelenke gelang es ihr dann nicht, aus eigener Kraft wieder aufzustehen, obwohl sie es immer wieder versuchte. "Da lasten dann drei Tonnen Gewicht auf einer Lungenhälfte", verdeutlicht Lang die dramatische Situation, "und zunächst wusste ich ja gar nicht, ob sie aus Krankheitsgründen lag, oder was passiert war", erzählt sie weiter. Also bekam Rani Sauerstoff und etwas zur Kreislaufstabilisierung - "unsere Schocktherapie", erzählt Lang, denn auch mit der im Elefantenhaus bereits installierten Hebevorrichtung konnte Rani zunächst nicht geholfen werden, weil sie so ungeschickt lag. Auch für die Tierpfleger bedeutet das höchsten Stress. Sie mussten Rani so weit beruhigen, dass sie keine weiteren Versuche unternahm, um sich aufzurichten und dabei völlig zu entkräften. "In solchen Situationen ist eine gute Vertrauensbasis zum Tier besonders wichtig", verdeutlicht Scholz. Und ein Notfallplan ist unerlässlich: Was ist in welcher Situation zu tun, wer muss wann benachrichtigt werden? "Bei Elefanten in diesem Alter kann jeden Tag etwas passieren", weiß die Veterinärin, wenngleich Rani und Shanti noch sehr fit seien. Letztlich müsse man sich auch immer die Frage stellen, inwieweit die Tiermedizin noch helfen kann und soll. "In freier Wildbahn würde ein Elefant, der nicht mehr aufstehen kann, irgendwann verenden", betont Lang, "da gibt es eben keinen Tierarzt." Deshalb stelle man sich auch in Zoos immer die Frage, wie viel und wie lang medizinische Unterstützung sinnvoll sei. Ein Thema, von dem die Elefantenpfleger nicht so gerne hören. "Über die Jahre entsteht zu den Tieren auch eine emotionale Bindung", erklärt Scholz, "denn es kommt von denen auch viel zurück."

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