http://www.badisches-tagblatt.de/weihnachtsabo/index.html
80 Tierarten ziehen ins Exotenhaus
22.11.2014 - 16:01 Uhr
Von Anja Groß

Dort werden dann die Totenkopfäffchen rumklettern, da oben hängen die Flughunde, und hier schwirren den Besuchern verschiedene Vogelarten um die Köpfe." Dr. Clemens Becker kann sich schon genau ausmalen, wie es im neuen Exotenhaus des Zoologischen Stadtgartens Karlsruhe bald aussehen wird. Noch ist das ehemalige Tullabad allerdings eine große Baustelle - auch wenn das Thema "Flussuferlandschaft" vor allem in der Eingangshalle, die sich über drei Etagen erstreckt, langsam erkennbar wird.

Aus Styroporkernen mit Spritzbeton und Farbe haben Spezialfirmen dort eine Landschaft mit Felsen und abgestorbenen Bäumen modelliert, die über Treppen (und behindertengerecht auch mit zwei Aufzügen) mehrere Ebenen miteinander verbindet. Vor drei Wochen hat eine Spezialfirma aus Holland auch schon die Bäume geliefert. Zum Teil acht Meter hohe Palmfarne, verschiedene Ficus-Arten und hohe Palmen lassen erahnen, wie es hier einmal aussehen wird. "Das war eine ganz schöne Schlepperei", erzählt Becker, den nun unter anderem umtreibt, die Pflanzen wohlbehalten über den Winter zu bringen: "Die stammen aus einer Treibhausumgebung in Holland, ich hoffe, dass die durchkommen", meint er mit sorgenvollen Blicken auf den derzeit nur abgeplanten Baustellenzugang, der zu dieser Jahreszeit keine Treibhauswärme aufkommen lässt, und bereits abgefallene Blätter am Boden.

Doch nicht nur dieses Problem beschäftigt den kommissarischen Zoodirektor derzeit. Denn seit Anfang des Jahres Zoodirektorin Dr. Gisela von Hegel beurlaubt wurde, ist Becker auch für die Bauprojekte zuständig. Täglich führt ihn sein Weg ins künftige Exotenhaus - der Name ist schon in den Vorbau am denkmalgeschützten Gebäude eingelassen. Hier muss am modellierten Spritzbeton etwas wieder abgeklopft werden, weil die Tierpfleger sonst nur umständlich an die rückwärtigen Gehege oder Volieren gelangen könnten, ein Stück weiter am Boden der Fledermaushöhle, weil sie sonst schlecht zu reinigen wäre: "Wir haben so geplant, dass der Boden mit einer ein bis zwei Zentimeter hohen Wasserschicht bedeckt sein wird, weil Fledermäuse den Kot einfach fallen lassen und das Gehege sonst unmöglich sauber zu halten ist", erläutert Becker. Außerdem überlegt er stets, ob alles praktisch und durchdacht ist, die Tierpfleger beispielsweise mit einem Futterkarren überall durchkommen.

Sechs weitere Stellen erhält der Zoologische Stadtgarten fürs neue Exotenhaus, die Revierleiterin hat bereits angefangen. Weil es ein junges Team sein wird, soll die verbleibende Zeit bis zur geplanten Eröffnung im Frühsommer auch genutzt werden, um Schulungen zu besuchen oder sich in anderen Zoos über Fütterungspraktiken und Ähnliches zu informieren, verdeutlicht Becker. Nach und nach soll auch der Rest des Teams möglichst schon vor der Eröffnung anfangen und das Haus frühzeitig kennenlernen.

Der Rundgang, der mehr als 400 Meter lang ist, führt vom Eingangsbereich zum künftigen Domizil der westafrikanischen Stumpfkrokodile. "Diese Art ist stark bedroht und wir hoffen, sie hier im Zoo irgendwann sogar nachzüchten zu können", spielt Becker schon ein bisschen Zukunftsmusik. Überhaupt werden alle 80 Tierarten, die das Exotenhaus beherbergen soll, Neuzugänge sein: Tiere, die es im Karlsruher Zoo bisher nicht zu sehen gibt. Auch das ist für Becker und sein Team eine logistische Herausforderung. Viele Gespräche mit den jeweiligen Koordinatoren und Zoos in ganz Europa waren notwendig, um den künftigen Bestand zusammenzustellen. Diese drängeln nun langsam, weil sie den Platz brauchen und die Tiere gerne abgeben würden. Jede Zeitverzögerung auf der Baustelle zieht wiederum einen großen Aufwand nach sich: Transportunternehmen müssen umbestellt, Genehmigungen neu beantragt werden.

"Ab März kommen die ersten Tiere", berichtet Becker. Bis dahin soll im Exotenhaus alles so weit fertig sein, dass sie die voraussichtlich vier- bis sechswöchige Quarantänezeit dort verbringen können.

Vor den künftigen drei Terrarien unter anderem für Wasserschildkröten, Fidschi-Leguane und andere werden wir zum Weitergehen gedrängt. Franz Vennewald und sein Spezialteam schieben gerade eine der 600 Kilo schweren Glasscheiben heran, die mit Hilfe einer speziellen Hebekonstruktion eingesetzt wird. "Es wird", kommentiert Becker die Arbeiten, überhaupt sehe es jeden Tag anders aus auf der Baustelle.

Seit zwei Jahren wird im Auftrag der Stadt Karlsruhe, die den Zoo betreibt, nun am ehemaligen Tullabad gewerkelt. Nach Entkernung, Asbest- und Betonsanierung, dem Einbau von drei großen Fenstern im Dach oder von speziell in Zusammenarbeit mit einer Universität entwickelten Glas, das mit dünnen Querstreifen Vögel von außen und innen davon abhalten soll, gegen die Scheiben zu fliegen, läuft nun der Innenausbau auf Hochtouren. Mit 19 Millionen Euro ist das Projekt veranschlagt, das ein Architekt und ein Landschaftsarchitekt geplant haben, "und die werden wir wohl auch einhalten können", meint Becker.

In die sieben Großaquarien sollen Fische aus allen Erdteilen einziehen. Piranhas, aber auch Agamen und Warane werden künftig in der Fächerstadt ebenso zu bestaunen sein wie eine Krontaube, die zwischen den Besuchern umherstolzieren darf, verrät Becker weiter. Währenddessen überlegt er aber auch schon, wo die Lianen drapiert werden sollen für die Flughunde, die übrigens aus dem Zoo im englischen Chester kommen werden. "Da müssen wir sehr aufpassen, dass die nicht an die Seile gelangen können, die für die Industriekletterer zur Baumpflege gespannt wurden", verdeutlicht Becker weiter. Aufpassen ist überhaupt sein Stichwort: Welche Pflanzen sind für welche Tiere geeignet oder eben auch nicht, wie muss das Karlsruher Wasser aufbereitet werden, damit es in den Aquarien verwendet werden kann - es gibt immer noch vieles zu bedenken, nachzulesen und bei Kollegen in anderen Zoos zu fragen.

Schließlich sollen sich nicht nur die Besucher wohlfühlen, die künftig von der oberen Terrasse aus auf die tropische Landschaft hinunterblicken oder vielleicht bei einer Führung in der Abenddämmerung ein ganz besonderes Flair genießen können.

BeiträgeBeitrag schreiben 
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Die Begeisterung für Fleischersatzprodukte hat in den vergangenen Monaten Marktforschern zufolge deutlich nachgelassen. Kaufen Sie diese Produkte?

Ja, regelmäßig.
Ja, ab und zu.
Nein.

Wetter in Mittelbaden


Facebook


BT Kinospot


Online-Beilagen
Aldi Sued Rastatt gültig ab 04.12.2016

Aldi Süd


Rastatt

gültig ab:
04.12.2016

Octomedia Rastatt gültig ab 07.12.2016

Octomedia


Rastatt

gültig ab:
07.12.2016

Octomedia Rastatt gültig ab 05.12.2016

Octomedia


Rastatt

gültig ab:
05.12.2016

© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen