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Geflügelzüchter gründen 1865 den "Thiergarten"
13.12.2014 - 11:57 Uhr
Von Anja Groß

Er gehört zu den ältesten Zoos in Deutschland und ist im Bewusstsein vor allem der Karlsruher so verwurzelt wie wohl kaum ein anderer Zoo: Der Zoologische Stadtgarten Karlsruhe feiert nächstes Jahr seinen 150. Geburtstag und das in einer großen Umbruchphase. Denn die Zooleitung ist derzeit immer noch vakant, zudem laufen mehrere Bauprojekte, das größte ist der Umbau des ehemaligen Tullabads zum Exotenhaus.

Große Herausforderungen für das verhältnismäßig kleine Team, das sich zum Jubiläum trotzdem einiges hat einfallen lassen, um den Besuchern seine Arbeit mit Hege und Pflege der rund 900 Tiere aus 190 verschiedenen Tierarten näherzubringen. Gefeiert wird vor allem mit einem Erlebniswochenende am 8. und 9. August 2015 im Zoo. "Geplant sind dazu Aktionen an verschiedenen Standorten im Zoo", erklärt die Diplom-Biologin Dr. Ulrike Stephan, Leiterin der Zoopädagogik, die sich schon seit einem Jahr mit den Jubiläumsvorbereitungen beschäftigt. Auch ist zum Jubiläumswochenende, das in den 300. Stadtgeburtstag eingebunden wird, ein Forschertag für Kinder geplant. Ziel der Aktionen sei es unter anderem, den Besuchern kleine Einblicke hinter die Kulissen und in die Arbeit der Tierpfleger zu gewähren. Auch in die Vorbereitungen waren diese einbezogen. Bei einer Ideenbörse Anfang des Jahres hat sich laut Stephan das gesamte Team eingebracht. Zudem wurde als "Geburtstagsvorbereitung" die Tierbeschilderung erneuert und die Wegeführung überarbeitet. Im Raubtierhaus wollen die Zoofreunde eine Ausstellung zur Zoogeschichte anbieten, außerdem werden die Kindererlebnisbereiche erweitert.

Schwerpunktmäßig von März bis September 2015 will der Zoologische Stadtgarten Aktionen anbieten, bei denen Tierpfleger ihre Arbeit erklären. Ein Element ist beispielsweise die Tierbeschäftigung, für mit Unterstützung des Fördervereins Zoofreunde Karlsruhe einige Beschäftigungselemente angeschafft wurden wie die Stocherkästen, aus denen die Affen sich ihr Futter "erarbeiten" müssen. Ab Januar soll ein Jahres-Aktionskalender an den Zookassen ausliegen und im Internet veröffentlicht werden.

Zoo und Stadtgarten mit dem alten Baumbestand oder dem Japangarten erstrecken sich heute auf 22,6 Hektar als grüne Oase im Stadtzentrum zwischen Hauptbahnhof und Kongresszentrum. Jedes Jahr kommen mehr als eine Million Besucher. Nächstes Jahr sollen es sogar noch mehr werden.

Die Zoogeschichte beginnt am 9. September 1865: Der badische Verein für Geflügelzucht gründete im Süden der damaligen Stadt den "Thiergarten", einen der ersten Zoos in Deutschland überhaupt. Für drei Gulden im Jahr pachteten die Geflügelzüchter von der Großherzoglichen Forstdirektion und dem Gemeinderat der Residenz Karlsruhe den südlichen Teil des Sallenwäldchens zusammen mit dem Ludwig-see. Doch der Aufbau mit privaten Vereinsmitteln erwies sich als schwierig. Die privaten Gründer konnten den Unterhalt schon bald nicht mehr tragen, so dass am 30. November 1868 ein "Tiergartenverein" den Park übernahm, der sich dann mit städtischer Hilfe entwickelte. Die Karlsruher allerdings fühlten sich dem Tiergarten, der durch Stiftungen des Großherzogs und der Bevölkerung seinen Tierbestand im Lauf der Zeit erweitern konnte, schnell verbunden: Schon 1869 wurden 50000 Besucher gezählt.

Trotzdem konnten bereits in den Gründerjahren die anfallenden Kosten nicht durch die Einnahmen gedeckt werden. Die Gemeindebehörde Karlsruhe musste den in Finanznöten steckenden Tiergartenverein mit Darlehen und Jahreszuschüssen unterstützen - der erste Schritt zum städtischen Zoo. Nach dem Bau einer Festhalle und dem Aushub des Stadtgartensees im Norden des Areals gingen 1877 das gesamte Inventar und die Tieranlagen in städtischen Besitz über. Zugleich wurde ein Teil des Sallenwäldchens in den Garten einbezogen und auf dem erweiterten Gelände die erste große gärtnerische Anlage geschaffen.

1913 kamen die ersten Seelöwen nach Karlsruhe, deren Schwimmbecken mit Felskulisse im "Baustil von Hagenbeck" angelegt wurde. Noch heute sind auf der ältesten Tieranlage des Zoos nach Renovierungen die Seelöwen zu sehen. Als Sensation wird in den Annalen des Zoos die Ankunft eines Königstigers vermerkt, den die Stadt Wien 1911 von einem Maharadscha geschenkt bekommen hatte und 1923 nach Karlsruhe weitergab.

Mit dem Bau des Hauptbahnhofs wurde der Stadtgarten 1914 erheblich erweitert. Der Zweite Weltkrieg machte jedoch alles zunichte. War kurz vorher noch geplant gewesen, den Zoo an den Stadtrand zu verlagern, so war bei Kriegsende alles zerstört. Auch viele Tiere kamen im Bombardement um, und der spärliche Rest wanderte mit Kriegsende in benachbarte Zoologische Gärten. Das Gelände wurde von der Stadtgärtnerei zur Gemüsezucht genutzt, um die hungerleidenden Karlsruher zu versorgen. Der Endpunkt für den Zoo?

Mitnichten. Schon 1947 begann der Wiederaufbau, 1949 feierten Stadtgarten und Zoo durch die Initiative des damaligen Oberbürgermeisters Friedrich Töpfer die "Wiederauferstehung". Dank der Tierliebe und des besonderen Interesses von Oberbürgermeister Günther Klotz (1952 bis 1970) entfaltete er sich in den Folgejahren zum eigentlichen Zoo- und Stadtgarten.

Sieben Löwen, einige Pferde und Esel hielten als erste Nachkriegsbewohner Einzug, gefolgt von Braun- und Waschbären, mehreren Affengruppen, Flamingos und Kranichen. Die ersten Kamelarten lieferte 1954 Hagenbeck, Flusspferde kamen 1956 vom Zoo Frankfurt und vom Tiergarten Nürnberg in das im Jahr zuvor fertiggestellte Dickhäuterhaus. Dort wurden in den Folgejahren 30 Jungtiere geboren: eine beachtliche Bilanz.

Zwischen 1957 und 1960 trafen die vier asiatischen Elefantendamen Rani, Shanti, Nepal und Trulli aus Kalkutta und Bangkok ein. Rani und Shanti begeistern heute noch beim täglichen "Elefantentraining" auf dem Freigelände das Publikum und sind vielen Zoobesuchern so ans Herz gewachsen, dass es nach dem Brand des Elefantenhauses 2010 eine Welle der Hilfsbereitschaft gab und zahlreiche Spenden den Wiederaufbau ermöglichten.

1960 zogen neben Servalen, Leoparden, Panthern und Jaguaren auch Sibirische Tiger ins damals neue Raubtierhaus. In nur 20 Jahren wurden im Zoo 72 der vom Aussterben bedrohten asiatischen Tiger geboren.

Ein weiterer Höhepunkt war die Fertigstellung des Giraffenhauses. 1963 bildeten Gustav, Biene und Ingane den Grundstock für eine erfolgreiche Zucht, die heute mit Netzgiraffen fortgesetzt wird.

Ein Höhepunkt in der Historie von Zoo und Stadtgarten war sodann die Bundesgartenschau 1967. In Vorbereitung darauf entstand 1965 im nahe gelegenen Stadtwald der "Tierpark Oberwald", um durch Auslagerungen von Tieren Platz für die Bundesgartenschau zu schaffen. Er ist heute noch Zoo-Dependance. Dort leben vor allem Huftiergruppen.

Die vorher räumlich durch eine Straße getrennten Areale Zoo und Stadtgarten wuchsen durch die Überspannung des trennenden Tiergartenwegs mit der Tiergartenbrücke zusammen, die beliebten Gondoletta-Boote wurden installiert, die Seen durch Kanäle miteinander verbunden. Zur Eröffnung der Gartenschau, die von mehr als sechs Millionen Gästen besucht wurde, bezogen elf Eisbären die neue Bärenanlage - damals die größte Eisbärenhaltung in Europa. Kein Wunder, wurde der Eisbär das Wappentier des Karlsruher Zoos. Seitdem wurden viele Bereiche renoviert, umgebaut oder neu aufgebaut - wie 2013 die Bergwelt Himalaya, in die Roter Panda und Schneeleoparden als neue Tierarten einzogen.

Deutlich gewandelt hat sich seit den Anfängen der Anspruch des Zoos. "Heute ist es nicht mehr das Ziel, möglichst viele Tierarten zu präsentieren", betont Stephan. Im Vordergrund stehen vielmehr die Erforschung und Nachzucht bedrohter Tierarten. Für einige sind Erhaltungszuchtprogramme (EEPs) in Zoos die einzige Chance, nicht auszusterben. Der Zoo Karlsruhe ist seit vielen Jahren an erfolgreichen Erhaltungs- und Wiederansiedlungsprojekten unter anderem für Säbelantilopen, Przewalskipferde, Netzgiraffen oder Persische Kropfgazellen beteiligt.

Ein steter Prozess ist die Weiterentwicklung und Ausrichtung der Arbeit. Damit beschäftigt sich angesichts von neuen Haltungsbedingungen und anderen Anforderungen aktuell eine Arbeitsgruppe, damit die Karlsruher auch in 150 Jahren noch sagen: "Komm, wir geh'n in den Stadtgarten."

www.karlsruhe.de/zoo

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