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"Dem Bekenntnis muss Handeln folgen"
Eine Honigbiene auf Pollensuche im Anflug auf eine Krokusblüte Mitte März.  Foto: dpa
31.03.2016 - 00:00 Uhr
Von Thomas Senger

Gaggenau - Wenn Bäume fallen, dann füllen sich die Zeitungsspalten. Das scheint in den vergangenen Monaten gehäuft der Fall zu sein, berichten die Imker Wando Brünner und Stefan Lechowicz. Gerade in Gaggenau sei dies festzustellen. Immer mehr Bäume würden aus dem Stadtbild verschwinden, immer mehr Grün - und damit Flächen für Insekten.

"An vielen Orten in unserer Stadt werden ohne ersichtliche Notwendigkeit Multiplikatoren einer reichhaltigen Biodiversität vernichtet", schreiben sie in einer Stellungnahme. Zwar sei die Stadt vor wenigen Wochen dem Bündnis "Kommunen für biologische Vielfalt" beigetreten. "Ein Beitritt ohne konsequentes Handeln ist aber nicht ausreichend", geben die Imker zu bedenken.

Es passt ins Bild: In der jüngsten Sitzung des Bau- und Umweltausschusse monierte eine Bürgerin aus Winkel die Fällaktion an der Verbindungsstraße nach Bad Rotenfels. Seit Jahren immer wieder würden dort Bäume entfernt, nun handle es sich um einen massiven Eingriff in den Naturhaushalt. Es sei nicht ersichtlich wieso die wertvollen alten Bäume gefällt wurden.

Hintergrund

Auch, weil sie Spaziergängern Schatten spendeten und das Gelände vor dem Abrutschen bewahrten. Bürgermeister Michael Pfeiffer entgegnete, dass gerade alte Bäume oft für Laien nicht sichtbare Schäden aufwiesen. Wegen der Verkehrssicherheit seien auch diese Fällungen unvermeidlich gewesen. Mit Sicherheit werde es aber Nachpflanzungen geben.

Diese erfolgten möglichst kurzfristig und standortgerecht, erläuterte die Stadtverwaltung in einer weiteren Stellungnahme auf BT-Anfrage. Dies sei nicht immer möglich, verweist sie aber auf ungünstige Bedingungen wie zu geringe Wurzelräume gerade im Straßenbereich. Hier müsse der Wurzelraum vergrößert werden. Darüber hinaus gebe es zum Beispiel in der Bismarckstraße Planungen zur Neugestaltung der Straße, die noch nicht umgesetzt seien. Dort wurden 2010 Bäume gefällt. Von den Planungen zur großzügigen Neugestaltung der Straße hat man aber seit April 2012 nichts mehr gehört. So sehen es auch Lechowicz und Brünner: Auffällig sei, "dass im Stadtgebiet gefällte Bäume jahrelang nicht ersetzt werden, wie beispielsweise in der Bismarckstraße. Während und nach den Fällarbeiten wird in der Regel vollmundig über die Presse erklärt, es werde neu gepflanzt. Auf die Umsetzung der Ankündigung wartet man dann aber vergeblich."

"Unaufgeräumte" Natur ist wichtig

Die Imker verweisen unter anderem auf den Bereich zwischen Bruchgrabenstraße und Herbstendweg unterhalb des Häuslesbergs (Heil). "Mehrere große Salweiden sowie weitere Bäume und Sträucher kurz vor der Blüte, nebst der sie umgebenden Brombeerhecken, wurden dort von städtischen Mitarbeitern gefällt und gerodet. Wen hat diese, von einer Vielzahl von Insekten, Singvögeln aber zum Beispiel auch von Fasanen und allen möglichen Kleinsäugern und Kriechtieren geschätzte Wildnis gestört?", fragen sie. Gerade die biologische Vielfalt brauche doch unaufgeräumte Naturräume und eben keine gemulchten Wiesen. "Insbesondere die Salweide, die ein typisches Pioniergehölz und Feind des gepflegten Kulturgartens ist, stellt durch ihre sehr frühe Blüte eine Nahrungsgrundlage nicht nur für Honigbienen dar, sondern für eine Vielzahl weiterer Pollen und Nektar sammelnder Insekten. Diese sind wichtige Grundlage der Artenvielfalt im Tier- und Pflanzenreich." Die Stadt gibt zu bedenken: Nicht zuletzt bei Brombeeren sei zu beachten, dass Nachbargrundstücke nicht zugewuchert werden. Die Stadt sei verpflichtet, ihre Flächen in Ordnung zu halten und mindesten einmal jährlich zu mähen.

Brünner und Lechowicz fordern: Bei künftigen Pflanzungen müssten insekten- und bienenfreundliche Bäume zum Zuge kommen: "Platanen hat unsere Stadt wirklich genug, Bäume könnten es ruhig ein paar mehr sein." Ebenso sei es im Sinne des Naturschutzes wichtig, Salweiden zu schonen oder bei Gefährdung der Verkehrssicherheit auf Stock zu setzen, damit sie wieder nachwachsen können. Brünner und Lechowicz abschließend: "In Gaggenau gibt es glücklicherweise nicht wenige Imker, die nach den Grundsätzen des Naturschutzes handeln und deren Anliegen die Erhaltung und Förderung der Biodiversität ist. Diese Imker sowie ihre Bienen und alle bereits erwähnten Mitgeschöpfe, ebenso wie zahlreiche Naturfreunde und Obstbauern, werden sicher dankbar sein, wenn dem Bündnisbeitritt ein verändertes Handeln folgt."

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