Wenn das Geld im Kanalrohr verschwindet
Wer vorschnell einen Auftrag erteilt, kann beim Bezahlen eine böse Überraschung erleben. Foto: Senger
01.04.2016 - 00:00 Uhr
Von Thomas Senger

Gaggenau - Das Wichtigste, so lautet eine alte Zeitungsregel, das Wichtigste einer Geschichte muss an den Anfang. Deshalb steht zu Beginn dieses Artikels die Erkenntnis, die Alla und Dr. Michael Manz aus Gaggenau aus ihrem Ärger mit einer Kanalreinigungsfirma gezogen haben: "Wir beauftragen nur noch Unternehmen aus der Region."

Mit eben einem solchen lokalen Unternehmen hatte die Familie in der Vergangenheit bereits gute Erfahrungen gemacht. "Die haben gut gearbeitet und der Preis war mit rund 300 Euro fair", berichtet Michael Manz. Doch die Annonce in den Gelben Seiten war vielversprechend, und so wählte man dieses Mal eine andere angegebene Telefonnummer - mit Gaggenauer Vorwahl, wohlgemerkt. Das Kleingedruckte "Kostenlose Anrufweiterschaltung zum Firmensitz nach Heuchelheim" in Hessen haben die Manzens übersehen.

Die Mitarbeiter des Unternehmens hätten dann bei ihrem Besuch am 11. März lediglich mündlich einen Kostenvoranschlag unterbreitet, erinnern sich Alla und Michael Manz. "Sie haben nur gesagt, dass eine halbe Stunde Arbeit beim Monteur 29 Euro netto kostet, beim Hilfsmonteur 24 Euro; 19 Euro netto das Durchspülen und 19 Euro das Reingucken ins Rohr."

Dann, so berichtet das Ehepaar, waren die Arbeiter nach 80 Minuten fertig. "Am Schluss bekamen wir eine Rechnung über 1319 Euro. Davon sollten 1000 Euro bar gezahlt werden", berichtet Alla Manz fassungslos. Und ihr Mann ergänzt: "Die 19 Euro waren nur der Meterpreis, haben sie uns erklärt." Selbst bei wohlwollendem Kostenüberschlag konnte das Ehepaar Manz den vierstelligen Betrag für zirka 20 Meter Kanalrohr nicht nachvollziehen. Und 1300 Euro, die hat man nicht mal eben im Geldbeutel. "So viel Geld haben wir nicht im Haus", sagte er den Handwerkern.

Kein Problem, habe man ihm geantwortet: Das Ehepaar könne, anstatt die Reinigung gleich bar zu bezahlen, einfach einen Vertrag abschließen über die Sanierung des Kanalrohrs - für 4300 Euro plus Mehrwertsteuer.

Dreimal 30 Minuten zu je 34,51 Euro brutto und 28,56 Euro brutto, dazu 20 Meter TV-Untersuchung, 15 Meter Grundreinigung plus elektromechanische Reinigung (Laufender Meter bei allen: 22,61 Euro brutto), so kommen 1319 Euro zusammen. Schriftlich fixiert auf dem Leistungsschein der SOS Umweltdienst OHG aus Heuchelheim.

"Wir bleiben sitzen, bis wir das Geld haben"

Das wollten die Eheleute auf gar keinen Fall bezahlen. Denn, so betonen Alla und Michael Manz, das sei so in keinster Weise vereinbart worden. Doch sie fühlten sich erheblich unter Druck gesetzt: "Wir bleiben sitzen, bis wir das Geld haben", habe einer der Arbeiter entgegnet.

"Wir waren fix und fertig", erzählt Michael Manz. Seine Frau rief die Polizei zu Hilfe. Als die Beamten da waren, sei der Kapo der Monteure gesprächig und umgänglich geworden: "Auf einmal hieß es, wir sollten nur das Geld bezahlen, was wir gerade im Haus hätten." Doch damit wollen es die Eheleute nicht bewenden lassen: Sie haben zwischenzeitlich einen Anwalt hinzugezogen, der für sie die Kommunikation mit dem Unternehmen übernimmt. "Die hätten uns vorher deutlich sagen müssen, mit welchen Kosten wir zu rechnen haben", ärgern sich Alla und Michael Manz über die Kanalreinigungsfirma.

Die Kommunikation mit dem Unternehmen in Heuchelberg, sie ist nicht einfach - wenn man keinen Auftrag erteilen will. Die Bitte der BT-Redaktion um ein Gespräch mit der Geschäftsleitung in dieser Angelegenheit wurde am Telefon mit dem Hinweis beschieden, das Anliegen schriftlich einzureichen. Auf die zweimalige Anfrage per E-Mail ging bis gestern Abend keine Antwort ein.

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