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"Stolz" auf die Stimme für Stein
Sara Iselin und ihr Gatte Rainer präsentieren ihre Liköre - und die Texanerin schenkt vor der US-Wahl reinen Wein ein.  Foto: Metz
04.11.2016 - 00:00 Uhr
Von Hartmut Metz

Gernsbach - Schlammcatchen gehört weniger zu den Vorlieben von Sara Iselin. Die Gernsbacherin aus Texas folgt normalerweise treu den Ratschlägen ihrer Mutter, die "eine richtige Southern Lady war und ihren Mädchen riet, bei drei Themen besser zu schweigen: Sex, Politik und Religion". Doch angesichts der Schlammschlacht zwischen Hillary Clinton und Donald Trump missachtet die 62-Jährige vor der US-Präsidentschaftswahl den weisen Ratschlag ihrer Mama.

"Die Auswahl ist alles andere als glücklich", schenkt die Winzers-Gattin Sara Iselin reinen Wein ein. Hätten die Demokraten im Vorfeld weitsichtiger agiert, wäre für die 1982 nach Deutschland gekommene Murgtälerin alles klar: "Bernie Sanders wäre mein Mann", gesteht sie, während ihr Mann Rainer Iselin schmunzelnd in ihrem Weinladen danebensteht.

Fern der Heimat schritt die Texanerin bereits wie rund 19 Millionen weitere Amerikaner per Brief zur Wahl und votierte für die in der Bundesrepublik nahezu unbekannte "Jill Stein. Sie ist Ärztin und wie wir ökologisch ausgerichtet. Sie setzt sich aber nicht nur für die Umwelt ein und begeisterte mich mit dem Wahlprogramm der Green Party". Ehemann Rainer ergänzt: "Sie will vor allem Fracking verbieten. Die Jugend in Amerika ist sensibler und macht sich glücklicherweise jetzt auch darüber Gedanken", glaubt der Öko-Winzer.

Die Folksängerin, die bereits vier Studioalben veröffentlichte, gilt allerdings als chancenlos. In Umfragen kommt Jill Stein auf zwei bis drei Prozent der Stimmen. Zu wenig, um auch nur einen Wahlmann zu gewinnen. Aber immerhin deutlich mehr als 2012. Bei ihrer ersten Bewerbung für das Weiße Haus kam die 66-jährige Pazifistin, die den Militärhaushalt drastisch kürzen will, auf exakt 469501 Stimmen und 0,4 Prozent.

Mancher Amerikaner fürchtet, dass Stein als Zünglein an der Waage den Ausschlag zugunsten Trumps geben könnte, weil Clinton die Stimmen der Grünen braucht - wie anno 2000, als Demokrat Al Gore in Florida ein paar tausend Wähler fehlten und so George W. Bush an die Macht kam. Allerdings ist es heuer eher so, dass die aussichtslosen Kandidaten mehr Trump schaden; vor allem der libertäre Gary Johnson, auf den Sara Iselin auch verweist. Den 63-jährigen Unternehmer, der den höchsten Berg jedes Kontinents bestieg, sahen die Meinungsforscher phasenweise bei neun bis zwölf Prozent.

Das könnte dazu führen, dass erstmals seit 1976 und Jimmy Carter wieder Texas an einen Demokraten geht. Würden die Blauen den konservativen Südstaat erobern, wäre der Verlust der 38 Wahlmänner ein Tiefschlag für die heuer wenig geeinten Roten um Trump. "Eigentlich sind wir in der Familie alle Republikaner", berichtet Sara Iselin. Doch diesmal wirkten alle angesichts der Ausfälle des republikanischen Milliardärs "irritiert, ja entsetzt". Deshalb weiß die zweifache Mutter, "nicht, ob sie der Partei als Stammwähler treu bleiben". Sie stellt im Verwandtenkreis angesichts der Polarisierung fest, dass sich inzwischen "viele bei dem Thema nicht mehr äußern".

Auch wenn es zu einem Schnellschuss oder Kurzschluss käme, geht für Sara Iselin die Welt nicht unter. "Es geht weiter, egal, wer Präsident ist. Er ist nicht Gott!", betont sie die Beschränktheit der weltlichen Supermacht. Selbst der erste schwarze US-Präsident Barack Obama, den sie sich - ungewöhnlich für eine Texanerin - gewünscht hatte, habe nicht alles so umsetzen können wie erhofft. "Das ist schwierig, weil es oft Altlasten des Vorgängers gibt und die Parlamente mitzubestimmen haben. Insgesamt hat Obama aber Gutes bewirkt", zieht die politisch interessierte Gernsbacherin ein positives Fazit.

Zum Schluss betont Sara Iselin noch einmal, sie sei "stolz" auf ihre "Wahlentscheidung für Jill Stein. Ich wünsche mir, dass die Grünen in den USA genauso hochkommen wie in Deutschland und etwas bewegen". Nachdem die Amerikanerin schon vor fast zehn Jahren in einem Porträt im BT betonte, sie müsse sich nicht für den Texaner George W. Bush entschuldigen und Recht behielt mit ihrer Ankündigung, er sei "bald Vergangenheit", lässt sie auch der jetzige Wahlausgang kalt. Geprägt von typisch amerikanischem Optimismus verkündet die 62-Jährige: "Egal, wie es ausgeht: Wir machen das Beste daraus. Rumjammern bringt nichts. Wir können die Welt nicht ändern - aber bei uns damit anfangen."

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