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"Einfach durch die Gegend kopiert"
Konzok Planen + Bauen GmbH will mehrstückige Wohnhäuser auf dem Gelände der Gärtnerei Herteck (roter Pfeil) errichten. Bei Kohlbecker Gesamtplan GmbH (weißer Pfeil) sieht man das kritisch. Foto: Walter
08.11.2016 - 00:00 Uhr
Von Thomas Senger

Gaggenau - Rund 3000 Quadratmeter im Zentrum von Gaggenau - ein ordentliches Potenzial bietet es, das Areal der Gärtnerei Hertweck zwischen Friedrich-Ebert- und Karl-Kohlbecker-Straße. Nutzen wird dies die Konzok Planen + Bauen GmbH. An sie hat Nikolaus Hertweck das Areal veräußert. Nur einen Steinwurf davon entfernt ist der Sitz von Kohlbecker Gesamtplan. Dort ist man mit der geplanten Entwicklung in direkter Nachbarschaft nicht einverstanden: Er habe Einwände gegen das Vorhaben vorgetragen, berichtet der geschäftsführende Gesellschafter Matthias Kohlbecker.

In einem Pressegespräch erläuterten er und sein Bruder Florian Kohlbecker zusammen mit Urban Knapp ihre Bedenken. Knapp ist Vorsitzender des BDA (Bund Deutscher Architekten) Kreisgruppe Baden-Baden, Rastatt, Ortenau.

Nikolaus Hertweck oder die Geschäftsleitung von Konzok wollten sich gestern nicht zu dem Thema äußern.

Ihre Kritik stellen Florian und Matthias Kohlbecker in einen gesamtstädtischen Rahmen: In Gaggenau habe eine architektonische Gleichförmigkeit Einzug gehalten, verweisen sie auf die Areale von der Bruchgrabenstraße bis zum Bahnhof. Die Stadt habe "keinerlei Einfluss auf die Gestaltungen" genommen, sagt Florian Kohlbecker, Architektur werde "einfach durch die Gegend kopiert und realisiert", ohne roten Faden.

Das hier ist die x-te Stelle, wo man so handelt", richtet Florian Kohlbecker den Blick auf das Konzok-Projekt nebenan. Ehrenkodex der Architekten, Rücksicht auf das soziale Umfeld - all das vermisse man.

"Es gibt auch hier keinen Bebauungsplan", moniert Florian Kohlbecker. Folglich müsse sich die geplante Bebauung lediglich an der Umgebungsbebauung orientieren. "Wo ist das anständige Maß der Nachverdichtung?", fragt Kohlbecker. Dies sei eine der wesentlichen Fragen - und dies sei "hinter verschlossenen Türen" erfolgt, kritisiert Matthias Kohlbecker. Nicht einmal ein Schnurgerüst habe es gegeben, um die Dimensionen der Häuser darzustellen.

Besonders bitter für die Kohlbeckers: Sie waren in Gesprächen sowohl mit Hertweck als auch mit Konzok. Denn sie hätten die Fläche gerne zumindest mitentwickelt. Letztlich denke man über den Neubau des in die Jahre gekommenen Bürogebäudes nach - dieser hätte dort entstehen können, wo nun Konzok bauen darf.

"Wo ist unser roter Faden?"

Aber, so geben die Kohlbeckers zu bedenken, es seien doch Büros wie das ihre, die dank ihrer Mitarbeiter auch Kaufkraft und Belebung in die Innenstadt bringen. Wo dies künftig sein werde, sei fraglich. Die Stadt hingegen setze nahezu ausschließlich auf den Faktor Wohnen in der Innenstadt - das sei eindimensional und nicht zukunftsweisend.

Wünschenswert wäre auch, so Kohlbecker, dass das Gebiet an Hildastraße und Karl-Kohlbecker-Straße aufgewertet werde - und nicht "abgewertet". Kleingliedrigkeit gelte es zu erhalten. Doch das, was Konzok plane, sei das Gegenteil: ohne Rücksicht auf vorhandene Bebauung. Das sei in Gaggenau nicht nur an dieser Stelle festzustellen: "Wer kommt, darf nach seinen Vorstellungen loslegen", Rücksicht auf die Geschichte der Stadt, Visionen für eine langfristige Entwicklung - Fehlanzeige, findet Florian Kohlbecker. "Wohin wollen wir?

Wo ist unser roter Faden?", fragt Florian Kohlbecker. In Gaggenau werde stattdessen "eine gewisse intellektuelle und kulturelle Brache gepflegt" - in einer Stadt, die an einem Pilotprojekt für "ein Jahr mehr" an Lebensqualität teilnehme. Sein Bruder Matthias gibt zu bedenken: In Gaggenau dürfe man nicht die Fehler der Vergangenheit wiederholen. Schließlich gebe es weitere Areale in Innenstadtlage, die es zu entwickeln gelte, zum Beispiel nördlich der Friedrich-Ebert-Straße. "Wenn ich keine Vision habe, habe ich auch keine Strategie", sagt Matthias Kohlbecker mit Blick auf seine Heimatstadt.

Er und sein Bruder kritisieren auch, dass die Hildastraße ihren Charakter als Sackgasse verlieren und zur Ebert-Straße hin geöffnet werde, "um dem Investor einen Gefallen zu tun" - dabei bringe das mehr Verkehr in das Wohngebiet und zusätzliche Parkplätze. "Für uns als Anrainer ist das eine Entwertung". Und diese sei vom Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung durchgewunken worden.

Urban Knapp kritisiert anhand der Konzokschen Pläne, dass hier die "Degeneration" des Begriff Stadtvilla zu erkennen sei. Mittlerweile sei "jede Butze eines Bauträgers eine Stadtvilla". Und im konkreten Fall "gaukelt man mit einer falschen Begrifflichkeit etwas vor, das nicht umgesetzt wird".

Die Kohlbeckers hätten sich nach eigenem Bekunden gewünscht, dass man was Ordentliches macht, "schließlich trägt hier auch noch eine Straße unseren Namen." Für Urban Knapp wäre ein Architektenwettbewerb an dieser exponierten Lage wünschenswert gewesen. Oder - wie in Offenburg oder Baden-Baden - ein unabhängiger Gestaltungsrat, der der Stadt sachkundige Unterstützung gewährt. Stattdessen, kritisiert Matthias Kohlbecker, "haben wir Tatsachen vorgesetzt bekommen" - in Form eines Bauantrags von Konzok Planen + Bauen.

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