http://www.badisches-tagblatt.de/weihnachtsabo/index.html
Perlende Klangschönheit bringt Herzen zum Schmelzen
Jazz-Legende Wolfgang (links) und Sohn Florian Dauner spielen beim Gaggenauer Konzert auf Augenhöhe.  Foto: Hegmann
14.11.2016 - 00:00 Uhr
Von Wolfgang Froese

Gaggenau - Vater und Sohn, der bald 81-jährige Senior Jazz-Legende, der Junior bekannt als Schlagzeuger der Hip-Hop-Band "Fanta4", als Duo gemeinsam auf der Bühne: Kann das gutgehen? Es kann - und wie! Wolfgang Dauner und Florian "Flo" Dauner beschenkten am Freitagabend die Besucher der Jahnhalle mit einem Konzert, das unter die Haut ging.

"Es war Zeit, mal wieder vorbeizukommen", meint der Altmeister lässig plaudernd und mit unverkennbar schwäbelndem Akzent, nachdem er zuletzt 2005 in Gaggenau aufgetreten war. Das Musikprojekt "Dauner//Dauner" sei die Idee seines Sohnes gewesen, erzählt er , der ihn mit der Vorstellung gelockt habe, nach langer Zeit auch wieder etwas mit Elektronik zu machen. 2013 entstand deshalb eine gemeinsame CD, deren Stücke auch das Grundgerüst des Gaggenauer Konzerts bilden.

Das lange Intro "2012+1" kommt noch ganz ohne elektronisch erzeugte oder verfremdete Klänge aus. Es ist energiegeladener Free Jazz, bei denen Flo Dauner mit schnellen Beats und Wolfgang Dauner mit gehämmerten Sechszehnteln einen gemeinsamen Klang- und Rhythmusteppich schaffen, aus dem sich immer stärker ein improvisierender Dialog heraushebt. Flügel und Schlagzeug sind so angeordnet, dass beide Musiker ständigen Blickkontakt halten können. Auch ihr Spiel bewegt sich auf Augenhöhe, da musizieren zwei gleichberechtigte Partner, die sich kreativ und lustvoll gegenseitig inspirieren.

Die Komposition "Raga Yagapriya", einst von Wolfgang Dauners langjährigem Wegbegleiter Charlie Mariano aus Indien mitgebracht, setzt mit sphärischen Klängen aus Keyboard und Flügel ein, von "Flo" Dauner mit umgarnten Schlägeln (Mallets) an Becken und Trommel sensibel untermalt. Was als Weltmusik beginnt, wird fortgesetzt jazziger, Harmonien und Tempi werden moduliert und variiert, bis sich ein immer stärkerer rhythmischer Drive einstellt.

Ein ebenso intensives Musikerlebnis sind die beiden Stücke "Hypnos" und "Echo's Stimme", die übergangslos ineinanderfließen und bei denen Vater und Sohn über einem elektronisch erzeugten Klangfundament mal zärtlich, mal kraftvoll miteinander kommunizieren. "Who Led The Dog Out" kommt gleich danach wild und rabiat daher, laut und kreischend, mit tiefen Bässen, die den Körper vibrieren lassen, und hohen Tönen, die bis nahe an die Schmerzgrenze gehen. "Jetzt müssen Sie stark sein", hatte zuvor Wolfgang Dauner nicht umsonst die Besucher gewarnt.

"Mr. Minky", eine Komposition, die "Flo" Dauner seinem Hund gewidmet hat, ist sozusagen die Fortsetzung "in light". Wieder viel Elektronik, nun aber überwiegend ostinato, während "Flo" Dauner sehr agil am Schlagzeug demonstriert, welchen Reichtum an Rhythmen und Klängen er auf diesem Instrument zaubern kann.

Nach der Pause bringt das Duo auch ältere Stücke von Wolfgang Dauner zu Gehör, nur dass diese keinesfalls alt wirken, sondern ausgesprochen frisch und modern. "Wendekreis des Steinbocks" lebt ganz minimalistisch von Pattern, die am Flügel stetig wiederholt und variiert werden. Wer das Glück hat, ganz weit links zu sitzen, kann beobachten, wie Wolfgang Dauner mit der linken Hand stets dieselbe Figur wiederholt, während er mit der rechten abwechselnd die Melodie spielt und übergreifend mit Akkorden im tiefen Bass kommentiert.

"Elf Notizen" von der gemeinsamen CD ist wieder Jazz pur, sehr groovig mit mitreißenden, sich beschleunigenden Rhythmen, während der Jazz- Standard "My Funny Valentine" in seiner perlenden Klangschönheit die Herzen zum Schmelzen bringt. "Trans Tanz", ebenfalls ein Dauner-Klassiker, zeigt beide Musiker nochmals in Höchstform, Dauner senior bei seiner langen Improvisation über Gershwins "Prelude" mit rauschenden Klavierkaskaden, Dauner junior bei einem furiosen Drum-Gewitter.

Das Publikum in der leider nicht ganz voll besetzten Jahnhalle bedankte sich mit jubelndem, stehendem Applaus für ein fantastisches Konzert.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Baden-Baden
--mediatextglobal-- Die südkoreanische Pianistin Su Yeon Yang spielt mit der Philharmonie Beethovens Klavierkonzert c-Moll.  Foto:  Heineke-Dietz

02.12.2016 - 00:00 Uhr
"Alte Meister - Junge Solisten"
Baden-Baden (khd) - Lichterglanz vor dem Kurhaus, drinnen im Weinbrennersaal setzte die Philharmonie Baden-Baden beim Konzert "Alte Meister - Junge Solisten" mit Studierenden der Musikhochschule Mannheim akustische Glanzpunkte (Foto: Heineke-Dietz). »-Mehr
Durmersheim / Malsch
--mediatextglobal-- Die Krönungsmesse ist fantastisches Schlusselement des ´Ensemble 96´-Konzerts - hier in Maria Bickesheim.  Foto: Behrendt

28.11.2016 - 00:00 Uhr
Krönender Abschluss
Durmersheim/Malsch (manu) - Trompeten, Pauken, Soprane und Bässe beschlossen in höchsten Tönen gleich doppelt das Jubeljahr anlässlich des 20-jährigen Bestehens des "Ensemble 96" aus Durmersheim. Fantastisches Schlusselement: Mozarts "Krönungsmesse" (Foto: manu). »-Mehr
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Geld für Mitarbeiter, die selten gesundheitlich ausfallen: So könnte eine neue Betriebsvereinbarung von Daimler aussehen. Geht dieser Ansatz in die richtige Richtung?

Ja.
Nein.

Wetter in Mittelbaden


Facebook


BT Kinospot


Online-Beilagen
Aldi Sued Rastatt gültig ab 04.12.2016

Aldi Süd


Rastatt

gültig ab:
04.12.2016

Octomedia Rastatt gültig ab 07.12.2016

Octomedia


Rastatt

gültig ab:
07.12.2016

Octomedia Rastatt gültig ab 05.12.2016

Octomedia


Rastatt

gültig ab:
05.12.2016

© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen