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Vergiftetes Filet sorgt weiter für Kontroverse
Die Lage des Pfleiderer-Areals gilt als Filetstück der städtebaulichen Entwicklung in Gernsbach. Um das Sanierungsverfahren wird seit Jahren im Gemeinderat gestritten. Foto: Juch/av
15.11.2016 - 00:00 Uhr
Von Stephan Juch

Gernsbach - Nach mehr als zweistündiger intensiver Diskussion hat sich der Gernsbacher Gemeinderat gestern Abend auf die Weiterentwicklung des Sanierungsverfahrens auf dem Pfleiderer-Areal geeinigt. Dabei ging es zunächst erstmal darum, ob man an der hydraulischen Sicherung des vergifteten Geländes mit der Abreinigung des Grundwassers durch eine Brunnengalerie festhalten möchte. Dies erschien dem Gremium die einzig realistische Lösung - wohlwissend, dass man damit das Gift im Boden lässt und auf absehbare Zeit keine nachhaltige Dekontamination erreicht.

Nach der Zusammenfassung des Gutachtens vom Öko-Institut Darmstadt durch Diplom-Geologe Stefan Alt wollten die Kommunalpolitiker zahlreiche Detailfragen geklärt wissen. Der Experte hatte keinen Hehl daraus gemacht, dass es seiner Meinung nach wünschenswert wäre, den Boden komplett auszutauschen. "Der ist auf einer Deponie besser aufgehoben", betonte er auf Nachfrage von Sylvia Felder (CDU), wie stark er die Kontamination auf dem Gelände eingangs der Papiermacherstadt einschätzt. Diese sei schon gravierend und alles andere als alltäglich, auch wenn Deutschland voll von Altlasten sei. Quecksilber aber, wovon im Boden des Pfleiderer-Areals mehr als eine Tonne schlummern soll, komme heutzutage weniger vor. Mit der Brunnenlösung werde man zwar der Anforderung der Gefahrenabwehr "aller Voraussicht nach" gerecht, aber man schiebe das Problem damit in die Zukunft und löse es nicht: "Das wird den Menschen in Gernsbach auch künftig Probleme bereiten", prognostizierte der Diplom-Geologe.

"Wichtig ist der Blick aufs Machbare", meinte Volker Arntz (SPD) und verwies auf mögliche Kosten für einen Bodenaustausch von wahrscheinlich 30 bis 40 Millionen Euro und ein Szenario, bei dem die Stadt zwei bis drei Jahre von einer eingehausten Großbaustelle mit Ausfahrtsschleuse, Castor-Transporten und weiteren "Nebengeräuschen" belastet werde. An einem Schadstoffaustausch festzuhalten sei Wunschdenken und würde Stillstand bedeuten, weil sich diese Summe kein Investor ans Bein binden würde. Das Belassen des Status quo wäre für alle Beteiligten das schlechteste, so Arntz, auch für den Wirkungspfad Boden/Mensch. "Deshalb: Entwicklung jetzt", forderte Arntz.

Auch Freie Bürger und Grüne sprachen sich für die von der Stadtverwaltung vorbereitete Beschlusslage (siehe zum Thema) aus, sie entspreche dem Stand der Technik und der gültigen Rechtsprechung. Nur in den Reihen der CDU-Fraktion klang Skepsis mit: "Wir müssen abwarten, was die vom Öko-Institut geforderten Gutachten und die neuerliche behördliche Prüfung ergeben, dann sehen wir weiter", verwies Sylvia Felder auf die städtebauliche Komponente. An der Entwicklung eines entsprechenden Konzepts kann der Investor (Krause Bauträger-Holding GmbH Bayreuth) nun parallel weiterarbeiten, auch dafür gab der Gemeinderat letztlich grünes Licht. Wolfgang Müller (CDU) stimmte als einziger dagegen. Er argumentierte, dass sich die Art der Sanierung an dem orientiere, was man dort entwickeln wolle. Der Investor hat stets von zwei Lebensmittel-Anbietern im zentralen Bereich als Grundgerüst seiner Investition gesprochen. Das hält Müller "auf diesem wertvollen Gelände für falsch".

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