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"Noch größere Märkte nötig?"
Klare Kante beim Thema Pfleiderer-Areal zeigt CDU-Gemeinderat Wolfgang Müller (Zweiter von rechts) nicht nur beim Interview mit dem SWR.  Foto: Juch/av
16.11.2016 - 00:00 Uhr
Von Hartmut Metz

Gernsbach - Das Pfleiderer-Areal ist vergiftet. Sollte die Verseuchung durch Quecksilber komplett beseitigt statt versiegelt werden, rechnen Gernsbacher Gemeinderäte mit Kosten von bis zu 40 Millionen Euro (das BT berichtete gestern). Wie aufwendig das vergammelte Filetstück - von der Lage am Eingang der Stadt her gesehen - saniert werden soll, hängt auch von der künftigen Nutzung ab. Und darüber sind sich die Räte uneins.

Dieter Knittel sah daher am Montagabend die Diskussionen gelassen. "Wir haben noch gute Ruh'. Das Einzelhandelsgutachten kommt schließlich", betonte der Bürgermeister. Die Bürgervertreter verabschiedeten den Auftrag für 20000 Euro an die GMA Ludwigsburg. Wolfgang Müller lehnte den schnell gefällten Entschluss nach zuvor dreistündiger Diskussion über das Pfleiderer-Areal ebenso wie vier weitere Räte ab.

In der Fortschreibung des Einzelhandelskonzepts sieht der Altbürgermeister keinen Sinn. "Das Gutachten können wir uns sparen - weil ich den Einzelhandel nicht will. Dass Lidl umzieht und sich vergrößert, ist egal. Ein Edeka-Markt hat jedoch negative Auswirkungen auf die Innenstadt", betonte Müller.

Zuvor hatte sich der CDU-Vertreter vehement gegen die Ausführungen der Projektentwickler gestemmt. Die Firmengruppe Krause plant mit einem Einkaufsmarkt, der sich über eine Fläche von 2100 Quadratmetern ausdehnt. "Das ist so viel, wie Aldi und Rewe zusammen haben", verglich Müller und schob nach, "und dann kommt noch die Vergrößerung von Lidl dazu." Der Discounter plant den Umzug von der Nordstadt auf das Pfleiderer-Areal, wo er sich auf bis zu 1400 Quadratmeter Verkaufsfläche ausdehnen könnte.

"Braucht Gernsbach noch zusätzlich einen Edeka-Laden und einen größeren Lidl-Markt? Welche Auswirkungen hat das auf den Metzger und den Getränkehändler in der Innenstadt? Verträgt das Gernsbach?", fragte Müller rein rhetorisch und verneinte dies im nächsten Atemzug, "ich habe erhebliche Bauchschmerzen."

Kaufkraft droht abzufließen

Bevor er tatsächlich krank nach Hause ging, bekam er von Ralf Pavaletz zu hören: "Wenn Gernsbach nichts macht, fließt die Kaufkraft nach Süden und Norden ab. Meine Heimatstadt Villingen-Schwenningen hielt sich auch jahrzehntelang zurück - so siedelten sich alle Geschäfte daneben in Bad Dürrheim an", gab der Standortentwickler von Investor Krause zu bedenken. Zudem verwiesen die externen Experten - zur Sitzung kamen auch Lars Petri, Stadtplaner von Pröll+Miltner, und Geologe Hans-Joachim Fischer von der Ötigheimer Kom-pakt GmbH - darauf, dass die durch Lidl im Norden freiwerdenden "0,7 Hektar besser geeignet sind, um Gewerbebetriebe anzusiedeln".

"Märkte in Ottenau und Hilpertsau machten erst auf. Brauchen wir da weitere?", weitete Dr. Irene Schneid-Horn (SPD) den Blick über die Innenstadt hinaus. "Einiges wird zumachen, wenn die Märkte kommen", warnte Sylvia Felder (CDU). Die Mehrheit der Redner scheint daher überwiegende Wohnbebauung auf dem Pfleiderer-Areal zu bevorzugen. Indes fürchten alle die Einschränkungen, die sich durch "kontaminierte Flächen" (Uwe Meyer, Freie Bürger) ergeben. "Keine Bank gibt doch einen Kredit für Wohnungen, wenn der Untergrund verseucht ist", befand auch Guido Wieland (SPD).

Pavaletz räumte zumindest ein, dass fehlende Tiefgaragen den Verkauf der Wohnungen in den bis zu dreigeschossigen Gebäuden erschwerten. "Ohne Stellplätze bekomme ich kein Penthouse verkauft." Dank mehrerer Entwürfe sahen die Bürgervertreter, wie das Areal dereinst "architektonisch anspruchsvoll" mit Wohnbebauung und Grünstreifen wirken könnte. "Auch Einkaufsmärkte müssen heute nicht mehr wie Schuhkartons aussehen", betonte der Standortentwickler. Felder plädierte dennoch "lieber für Wohnungsbau als für riesige Märkte".

Fred Schiel (SPD) plagten vor allem zum Abschluss der Gespräche im Gemeinderat Gewissensbisse, sollte die billigste Sanierung, sprich Versiegelung, gewählt werden: "Mutig wäre es als Stadt, das Grundstück und die spätere Last samt Verschuldung zu übernehmen." Der Sozialdemokrat fürchtet, dass ansonsten spätere Generationen, die dann in den Wohnhäusern leben, das Quecksilber irgendwann ausbaden müssen.

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