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Wird die Natur in Hilpertsau "zugeballert"?
Das Baugebiet Eben I in Hilpertsau gilt als voller Erfolg - daran will die Stadt mit Eben II anknüpfen. Vereinzelte Kritik gibt es an der erneuten Flächenversiegelung. Foto: Juch/av
17.11.2016 - 08:02 Uhr
Gernsbach (ham) - Im Schnelldurchgang hat der Gemeinderat in Gernsbach mehrere Themen am Montagabend durchgewinkt. Zuvor hatte er sich rund vier Stunden mit dem Pfleiderer-Areal und dem Eigenbetrieb zur Abwasserbeseitigung beschäftigt. Ohne Diskussion und einstimmig wurde der Sachstandsbericht zum Sanierungsgebiet "Innenstadt-Mitte II" zur Kenntnis genommen. Die Vergabe weiterer Arbeiten an der Realschule Gernsbach, die zur Ganztagsschule wird, bedurfte ebenso keiner Beratung.

Uneins waren sich die Bürgervertreter hingegen beim Baugebiet "Eben II" in Hilpertsau. Hier ging es zwar offiziell nur um die Vergabe einer Machbarkeitsstudie, die 8568 Euro kostet, an die Firma KBB in Baden-Baden. Doch die Räte wollten grundsätzlich über das Baugebiet diskutieren. Dr. Irene Schneid-Horn (SPD) hält es für bedenkenswert, kauf- und bauwilligen Familien einen Zuschuss zu gewähren. "Loffenau gibt 4000 Euro pro Kind", berichtete sie.

Stefan Eisenbarth plädierte indes dafür, kein weiteres Baugebiet auszuweisen. "Täglich werden in Deutschland zehn Sportplätze der Natur entnommen. Wir haben in Baden-Württemberg eine besondere Verantwortung für Streuobstwiesen, auf denen mehr als 5000 Arten leben", betonte der CDU-Kommunalpolitiker. Er schrieb allen ins Stammbuch: "Wir dürfen nicht immer nur mit dem Finger auf den Regenwald zeigen!" Eisenbarth fordert daher entsprechende Umweltschutzbeiträge in der Bundesrepublik ein.

Bei Bürgermeister Dieter Knittel stieß er damit auf wenig Gegenliebe. "Ich denke mehr an die Art Mensch!" Guido Wieland (SPD) teilte diese Ansicht vom Grundsatz her: "Es fehlen im Murgtal Bauplätze. Wir müssen etwas machen, damit die jungen Leute nicht wegziehen. Am einfachsten geht das, indem wir die Fläche in Hilpertsau erweitern. Ich bin sogar für eine größere Flächenausweisung." Zudem verwies Wieland auf ein vermeintliches Paradebeispiel des Flächenfraßes: "Schauen wir doch nach Kuppenheim: Da gibt es nur Bauplätze."

Derlei empfindet Beate Benning-Gross als schlechtes Vorbild: "Wir ballern die Natur zu" - was Knittel in Wallung brachte. "Wir ballern nicht zu!", warf er ein. Dadurch ließ sich die Grüne nicht beirren und stellte fest, "jeder will Einzelhäuser in der Natur".

Eisenbarth schob als Replik auf Wieland nach: "In der Tat sind immer neue Baugebiete die einfachste Lösung. Die Natur hat keine Lobby - und sie ist danach unwiederbringlich weg. Wir müssen auch an das örtliche Klima denken." Sein Appell verhallte jedoch nahezu ungehört: Bis auf Eisenbarth und Benning-Gross stimmte lediglich der grüne Landtagsabgeordnete Thomas Hentschel gegen die überplanmäßige Ausgabe.

Unter "Bekanntgaben" verwies Knittel auf den Kostenersatz von Feuerwehreinsätzen, der sich künftig nach dem Feuerwehrgesetz und keiner örtlichen Satzung mehr bemisst. Die monetären Auswirkungen für Bürger, die die Feuerwehr benötigen, wusste Knittel noch nicht einzuschätzen.

Zum Schluss berichtete das Stadtoberhaupt über eine Ortsbesichtigung in der Realschul-Turnhalle. Die Tischtennis-Abteilung des TV Gernsbach hatte sich über die dortigen Zustände beschwert (das BT berichtete).

Laut Knittel ist fast alles bestens, außer dass fünf Duschen stillgelegt seien und die "Feinfilter ausgetauscht" werden müssten. Ein Zuhörer vom TVG versuchte während der Ausführungen, dem energisch vortragenden Knittel zu widersprechen.

Turnhallen-Duschen werden 2017 saniert

Die bemängelten "Gerüche" hätte es teilweise gegeben. "Es gab Einbrüche - die Polizei ist informiert", ergänzte der Bürgermeister und kündigte an: "Die Brausen werden ausgetauscht. Das wird aber erst 2017 gemacht", betonte Knittel und lässt dafür 70000 Euro in den nächsten Haushalt einstellen.

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