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Senioren drängeln sich ausnahmsweise am Automaten
Thorsten Reichle warnt vor 'Berührungsängsten' und zeigt Senioren, was bei den Ticketautomaten der Bahn zu beachten ist.  Foto: Metz
18.11.2016 - 00:00 Uhr
Von Hartmut Metz

Gaggenau - "Wenn Sie kein Französisch sprechen, müssen Sie die Flagge nicht drücken", scherzt Thorsten Reichle am Fahrkartenautomaten am Gaggenauer Bahnhof. Die Sprachwahl ist noch das kleinste Übel für viele Senioren. Mehr zu kämpfen haben sie täglich mit den kleinen Schriften auf den Fahrplänen und der ungewohnten Technik. Gleich 40 Murgtäler meldeten sich daher beim Seniorenrat für die gestrige Schulung an.

"Die Resonanz zeigt ja, wie groß der Bedarf ist", kommentiert Johanna Oesterle. Die 77-jährige Gaggenauerin versuchte selbst schon "blind ein Ticket zu bekommen - aber als technische Analphabetin ist das schwierig, vor allem, wenn man nicht regelmäßig mit der Stadtbahn fährt und seine Bahncard nutzen will". Gudrun Diedrich assistiert: "Ich empfinde die Buchung als kompliziert. Man steht immer wieder ratlos da", erzählt die 82-jährige Gaggenauerin. "Daher ist dieser Kurs ganz toll für ältere Menschen, die sich mit Technik nicht so auskennen", ergänzt die 66-jährige Margarete Lange.

Gerrit Große vom Seniorenrat und Manfred Vogt als Sprecher des Arbeitskreises Tourismus-Freizeit Gaggenau freuten sich gestern am Gaggenauer Bahnhof über den unerwarteten Andrang. "Nachdem sich im Internet-Café so viele für den Termin interessierten, teilten wir die Schulung auf, so dass jeweils zehn die Ausführungen von Reichle gut verfolgen können", berichtet Große. Er hatte vor knapp einem Vierteljahr die Regionale Vertriebsleitung Süd der Deutschen Bahn (DB) in Stuttgart um die Schulung gebeten. Reichle, der in Rastatt am Bahnhof als Reiseberater der DB arbeitet, übernahm die Aufgabe in seiner Heimatstadt gerne.

Die Bedürfnisse der Älteren kennt er zu gut. "Der Liniennetzplan ist wichtig, damit Sie erkennen, wie viele Waben Sie zum Ziel brauchen. Den Plan bekommen Sie hier im Rathaus", beginnt er den zweiten Kurs des Tages. "Der ist aber sehr klein", bemängelt eine Zuhörerin. "Daher gibt es auch eine größere Version für die, die schlechter sehen", antwortet Reichle geduldig und warnt vor "Berührungsängsten. Denn ohne Berühren geht gar nichts". Große wertete die Schulung live am Fahrkartenautomaten als gelungen. "Wir machten auch schon einmal eine theoretische an der Leinwand. Aber die war schlecht und verstanden viele nicht", zeigt sich der Seniorenrats-Chef selbstkritisch.

Vogt will es aber nicht nur bei der Schulung bewenden lassen. Zum einen fordert er für die Senioren eine "kleine Sitzecke im Bahnhof" und zum anderen legt der Arbeitskreis-Sprecher sein Augenmerk auf eine "größere Anzeige des Fahrplans im Eingangsbereich, damit jeder Senior sieht, wie viele Waben seine Strecke umfasst und was ein Ticket kostet. Weil das Gebäude der Stadt gehört, kann sie so etwas von sich aus machen".

Vor allem will der Michelbacher für die Rückkehr eines Ticketschalters sorgen. Bis 2002 die Stadtbahn kam, gab es diesen im Bahnhof, später konnten noch eine Weile die Fahrkarten bei der Stadt erworben werden. "Wir hoffen, dass wir bis zum Frühjahr so ein Angebot wieder haben", sagt Große. Vogt kann sich das Bürgerbüro oder vor allem den Zweckverband "Im Tal der Murg", der im Bahnhof sitzt, als Verkaufsstelle vorstellen. "Hierbei geht es um die Resonanz bei Senioren und Service, nicht um Provisionen", betont er. Mit dem Hauptamtsleiter der Stadt, Georg Feuerer, sind Vogt und Große diesbezüglich im Gespräch. "Er unterstützt uns. Feuerer stammt aus Eisental und meinte, in Bühl sei derlei gang und gäbe", hoffen sie auf Nachahmung in Gaggenau.

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