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Paradiesvogel erzählt von Dracula
Sieben Frauen und Männer mit verschiedenen Lebenserfahrungen präsentieren ihre Geschichten. Foto: Uebel
19.11.2016 - 00:00 Uhr
Von Dagmar Uebel

Gernsbach - Irgendwie drängte sich der Vergleich zur bürgerlichen Salonkultur, die im 17. Jahrhundert begann und im 20. endete, förmlich auf. Ein bisschen kleiner, ein bisschen seltener zwar im Gernsbacher alten Rathaus, und doch von unschätzbarem Wert für Autoren und ihr Publikum. Dem Schirmherr Roland Klöpfer, Verleger aus Ottersweier, war am Donnerstag seine Zufriedenheit über das gewählte neue Ambiente anzusehen. Wie zuvor schon seit Jahren im Café am Markt, bot er nun zum zweiten Mal in neuem Umfeld schreibbegeisterten Hobby-Autoren ein Podium zum Vortrag ihrer Gedanken, Wünsche und auch Fantasien.

Und er hatte förmlich alle Hände voll zu tun, um die eintreffenden Gäste und die Autorinnen und Autoren zu begrüßen. Diesmal waren das Bruneta Reinert aus Karlsruhe, der Weisenbacher Fritz Krieg, der Wintersdorfer Manfred Ell, aus Ottersweier Marianne Riebold und Paula Rapp aus Bühl. Ebenfalls in Bühl zu Hause ist Franz J. Sertic, aus Rastatt angereist war Renate Deliga. Sieben Frauen und Männer verschiedenen Alters, mit verschiedenen Lebenserfahrungen: Da war Vielfalt programmiert und natürlich gewollt.

Krieg aus Weisenbach berichtete mit etwas Wehmut in seinem Buch "Das letzte Winzerjahr 2008" über den Besitzerwechsel der örtlichen Weinberge, um sich schlussendlich darüber zu freuen, dass der Weinbau doch weiterlebt. Und da kam eben auch die geäußerte Freude am Genuss nicht zu kurz.

Zum Nachdenken anregend Rapps niedergeschriebene Erinnerungen an ihre Jugend in der Nachkriegszeit. Neben aller Not waren die Liebe und der Optimismus, der Spaß am Gelingen und auch Momente des unfreiwilligen Humors herauszuhören, die für Schmunzeln sorgten, als ihre Schwiegertochter Adelheid stellvertretend für die Autorin aus ihrem Buch "Ein neues Leben?" über bewältigte Schwierigkeiten ihrer Hochzeit las und vom Neuanfang erzählte. Auch zum Nachsinnen anregend, ohne den Humor außer Acht zu lassen, waren Ells Anregungen in Reimform, beispielsweise, sich etwas zu gönnen, Rachegedanken zu verschieben oder sich nicht selbst zu überschätzen. Angelehnt an die heiter-nachdenklichen "Ein-Mensch"-Gedichte des Lyrikers Eugen Roth gab er zu bedenken: "Wachsamkeit ist äußerst wichtig. Einmal richtig unvorsichtig - wie's Mäuslein und der junge Spatz - und schon ist alles für die Katz".

Ebenfalls tierische Protagonisten wählte Riebold für ihre "Spatzen-Geschichten". Und als Moral davon blieb die Erkenntnis, dass Spatzen vielleicht zu Unrecht ein viel zu kleines Gehirn zugeschrieben wird, diese Vögel eventuell gar nicht viel anders ticken, als wir Menschen es vermuten. Für Sertic, den Hobby-Autor aus Bühl, stellte die Form der Buchlesung kein Novum dar. Wie schon in den vergangenen Jahren scheuten seine amüsanten Geschichten fast vor nichts und niemandem zurück - auch sich selbst schonte er dabei mit gewaltigem Augenzwinkern nicht.

Viel Lachen und nicht weniger Applaus gab es, als er in seinem Buch "Alles ganz normal" von einer letztendlich gescheiterten klugen Geschäftsidee des Handels mit royalem Pferdemist, die der Erzeugung british-royaler Tomaten dienten, schwärmte. Um zuletzt resignierend festzustellen: "Das kommt davon, wenn man aus jedem Mist eine Geschäftsidee machen will".

Und fast ganz zum Schluss rieselte doch noch eine gehörige Portion Goldstaub hinein und hinunter in das Kellergewölbe des Weinguts Iselin und auf die Anwesenden, als Bruneta Reinert, die sich gern als "Gesamtkunstwerk" bezeichnet, die Bühne für sich einnahm. Und diese braucht eine Frau, die schon mal optisch den Vergleich zu einem Paradiesvogel nicht zu scheuen braucht.

Die Autorin, Künstlerin, Designerin und Galerie-Inhaberin amüsierte und verzauberte die Zuhörer gleichsam, als sie, entsprechend verkleidet, das Thema "Dracula" eindrucksvoll inszenierte. Um fast im gleichen Atemzug einen tiefen Einblick in ihr Seelenleben zu geben, als sie persönlich erlebte Schattenseiten angesichts des Todes ihrer Mutter thematisierte.

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