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Abschied von der "besten rechten Hand"
Die letzten Tage in seinem Reich sind gezählt: 43 Jahre lang lenkte Georg Lamparth im Loffenauer Rathaus die Geschicke zusammen mit Bürgermeister Erich Steigerwald.  Foto: Metz
26.11.2016 - 00:00 Uhr
Von Hartmut Metz

Loffenau - So recht will es Georg Lamparth trotz aller Erfolge und Verdienste in 43 Jahren nicht sagen. Aber ja, räumt der Gemeindeoberamtsrat dann doch ein mit Blick auf seinen Abschied am Montag und den 2017 scheidenden Loffenauer Bürgermeister Erich Steigerwald: "Wir haben die Gemeinde schon geprägt. Insofern ist es ein Stück weit eine Ära, die endet."

Das Ortsoberhaupt preist Lamparth im Gegenzug als "exzellenten Mitarbeiter. Er war meine beste rechte Hand - und manchmal auch meine linke". Lamparth kam am 1. August 1973 als junger Diplom-Verwaltungswirt, zunächst unter Bürgermeister Josef Hini, in das kleine Dorf mit seinen nicht einmal 2400 Einwohnern und acht Gemeinderäten.

Vier Jahre später gesellte sich Steigerwald als jüngster Bürgermeister des Landes im Rathaus dazu. Die beiden kannten sich bereits aus dem gleichen Prüfungs-Jahrgang. "Lamparth war der Zweitbeste im ganzen Land. Seinen Betriebswirt machte er später in der Freizeit auch noch mit Auszeichnung", erinnert sich Steigerwald. So einem wollte er nicht ins Handwerk "pfuschen" - ein kongeniales Tandem entwickelte sich. Hier der hemdsärmelige Schultes, dort der gewissenhafte wie einsatzfreudige Kämmerer und Leiter des Hauptamtes. "Er konnte gut repräsentieren, mir lag das weniger, ich kümmerte mich mehr um die Details", vergleicht Lamparth und zeigt sich äußerst dankbar gegenüber seinem Vorgesetzten, "wir hatten ein enormes Vertrauensverhältnis. Solch ein gewährter Gestaltungsspielraum ermöglicht erst überdurchschnittliches Engagement. Nur dann krempelt ein Mitarbeiter die Ärmel so hoch."

Immer mit "Herzblut dabei"

Und Lamparth krempelte wie kaum ein Zweiter! "Ich kann nur Dinge mit Herzblut machen. Wenn etwas zu machen war, habe ich es durchgezogen", kehrt er sein Naturell nach außen. Mit 4088 Überstunden verabschiedet er sich aus dem Dienst. Abfeiern? Nicht der 67-Jährige. Dass er schon in den vergangenen Monaten montags und mittwochs den Nachmittag freimachte, um alten Urlaub abzubauen, war ungewöhnlich. Nicht, dass der Tausendsassa nicht loslassen könnte - Lamparth wollte einfach wie all die Jahrzehnte seine Arbeiten zu einem guten Ende führen. "Der Bürgermeister fragte mich, als ich 65 wurde, ob ich die Ortskernsanierung noch über die Bühne bringe. Das machte ich gerne und passte, auch wenn ich vom Alter her nun etwas übers Ziel hinausgeschossen bin", meint der Leiter der Loffenauer Gemeindebetriebe.

Ende November kann er nun aber an seine Nachfolgerin Daniela Tamba ein bestelltes Loffenau übergeben, auch wenn der letzte Teil der Ortskernsanierung noch aussteht. "Eine Gemeinde ist nie fertig. Die Bewilligung des zweiten Teils liegt jedoch bereits vor", werkelte Lamparth auch hier mit und zeigt sich froh, dass "uns der Gemeinderat einen nahtlosen Übergang gewährte und meine Nachfolgerin früher einstellte". Vorteil dadurch aus Sicht des scheidenden Rathaus-Urgesteins, der keinen Gedanken daran verschwendete, die letzten zwei Monate mit Urlaub abzubummeln: "So konnten wir dieses Jahr noch viele Aufgaben erledigen wie den Bauabschnitt der Ortsdurchfahrt, die nächste Woche abgeschlossen wird", freut sich der Oberamtsrat über das zu Ende gebrachte 1,5-Millionen-Euro-Projekt.

"Markante Punkte seines beruflichen und öffentlichen Lebens" fallen dem dreifachen Vater und fünffachen Opa zuhauf ein. Die Zeiten zu Beginn seiner Laufbahn 1973 seien nicht mehr mit den heutigen in Loffenau zu vergleichen. Dank günstiger Aktien-Anlagen habe die Gemeinde "unheimlich viel in die Infrastruktur investieren können". Lamparth fallen besonders die Ortskernsanierungsmaßnahmen ein, auf die modernen Kunstrasenplätze für die Fußballer (2006) ist er bis heute "stolz" und hält als Initiator das 2013 abgeschlossene Projekt "Seniorenwohnen Löwen" für die "Krönung" seines Schaffens - und natürlich für die seines "guten Teams im Rathaus. Uns machte die Arbeit stets Spaß, anders gelingt so etwas nicht", betont der Vorsitzende des Personalrats, der dieses Amt 39 Jahre lang schulterte, "obwohl ich in dieser seltsamen Konstellation als Chef die Schnittstelle zu mir selbst war". Den Wasserversorgungsbetrieb führte der 67-Jährige ebenso zwei Jahrzehnte lang.

Ein Tausendsassa auch fern des Rathauses

Der "Doppel-Dippel", wie Steigerwald gerne wegen der zwei Diplome über seinen besten Mann scherzte, erwies sich aber auch außerhalb des Rathauses als Tausendsassa. Weniger erreicht habe er als Vorsitzender des Arbeitskreises zur Reduzierung des Motorradlärmes. Nachhaltiger entwickelte sich der Tennisclub, dem Lamparth als Gründer von 1985 bis 1991 vorstand.

Ab 2011 begann Lamparth, "einiges aufzugeben. Es war schon teilweise grenzwertig, wie viel ich machte", gesteht der Kämmerer im Rückblick. Er trat zunächst nach 20 Jahren als Lehrbeauftragter und Dozent bei der Ausbildung der Beamten des gehobenen Verwaltungsdiensts beim Landratsamt Calw kürzer. "Meine Frau Ingrid freut sich richtig darauf. Wir wollen vieles nachholen, was zu kurz kam." Große Reisen sind indes keine geplant. "Wir sind beides Familienmenschen - ich im Nebenberuf ... Unsere Enkel werden sicher eine große Rolle im neuen Lebensabschnitt spielen", erwartet der aktive Tennisspieler und Skifahrer, der zudem gerne ins Fitnessstudio geht und Nordic Walking macht.

Steigerwald fühlt sich nun nicht gerade einsam im Rathaus. Aber ein Tränchen hat er doch im Auge, wenn er sagt: "Jetzt muss ich halt ein Jahr ohne ihn aushalten." Immerhin sieht er das Feld bestellt, schließlich fließen für all die angeschobenen Projekte "noch sechs Jahre lang Zuschüsse. Für seinen und meinen Nachfolger ist also lange gesorgt". Und verbal zieht der passionierte Jäger ehrfürchtig seinen Hut vor dem ehemaligen Kommilitonen sowie Prädikatsstudenten und vergibt die beste Note, die ein Bürgermeister einem Beamten ins Zeugnis schreiben kann: "Lamparth hat sein 50-jähriges Berufsleben mit summa cum laude abgeschlossen."

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