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Sollen Abflussgräben geschlossen werden?
Kreuzotter am Rand des Wildseemoors. Foto: Zapf
02.12.2016 - 00:00 Uhr
Von Friedbert Zapf

Gernsbach - Im "Moorschutzprogramm 2015" des Landes heißt es: "Moorschutz ist aktiver Natur- und Klimaschutz. Durch Entwässerung und Torfabbau wurden auch in Baden-Württemberg bereits viele Moore zerstört." Und als Ziel wird unter anderen genannt: "Förderung der natürlichen Entwicklung in geeigneten Moorgebieten durch Wiedervernässung. Diese kann durch den Einbau von Spundwänden in die historischen Entwässerungsgräben geschehen."

Die Stiftung Naturschutzfonds förderte 2012 bis 2014 ein Forschungsprojekt in den Kaltenbronner Mooren. Im Zwischenbericht (www.moorkunde.de) von Pascal von Sengbusch heißt es: "Die Moore auf dem Kaltenbronn wurden mit mehr als 350 Entwässerungsgräben intensiv entwässert, so dass sich die früher weitgehend baumfreien Moore größtenteils bewaldet haben. Etwa ein Viertel bis Drittel der Niederschläge bleibt nun im Kronendach. Große Teile der Moore wachsen nicht mehr, sondern stagnieren als Moorwälder oder Heidemoore. Der Wasserstand der ursprünglichen Kolkseen Wildsee und Hohlohsee blieb nach Nutzungsaufgabe stark abgesenkt. Durch Wegebau und Grabenaushub wurden ganze Moorteile von der Wasserversorgung abgeschnitten. In den am stärksten entwässerten Randbereichen der Moore sacken und schrumpfen die Moore infolge nachhaltiger Mineralisierung des Torfes. (...) Auf dem Kaltenbronn könnten mehrere Kilometer Entwässerungsgräben verschlossen werden, um den ungebremsten Abbau der Torfsubstanz aufzuhalten. Manche Schäden sind allerdings irreversibel."

Pascal von Sengbusch berichtete mündlich vom Verschwinden der meisten der von Karl Müller beschriebenen Kolke durch Verlandung, vom Rückgang seltener Moorarten (Baltisches Torfmoos, Wenigblütige Segge, Blasenbinse) und davon, dass Wildsee und Hohlohsee in Gefahr seien zuzuwachsen, während sich natürliche Kolke bei hohem Wasserstand durch Windeinwirkung ja vergrößerten. Bei einer Wiedervernässung müsste man laut von Sengbusch natürlich behutsam und differenziert vorgehen. Die Seefläche würde größer, manche Bereiche beim Wildsee könne man auch nicht wiedervernässen, weil das Moor bereits abgestorben sei.

Spricht also alles für eine Wiedergutmachung durch Wiedervernässung? Es gibt Kritiker. Adam Hölzer bezweifelt in "standort.wald" (49/2015), dass nur noch acht Prozent des Wildseemoors wüchsen, wie im Abschlussbericht "Ökosystemfunktionen der Moore auf dem Kaltenbronn" ausgeführt sei. Man könne beobachten, dass sogar umgefallene Fichten von Torfmoos überwachsen würden.

Wiedervernässungen geschähen auch für den Artenschutz, sie könnten aber kontraproduktiv sein. Zum Beispiel könne die überwinternde Kreuzotter durch das ansteigende Wasser ertrinken. Die als bedrohte Art genannte Blasenbinse bilde übrigens in vielen Hochmooren Massenpopulationen.

Und Hölzer führt Negativbeispiele "renaturierter" Moore an. Martialisch, teils mit Baggereinsatz, würden Spundwände in den empfindlichen Moorkörper getrieben, Störzeigerpflanzen wie Himbeere fänden sich direkt neben den angestauten Gräben. Vor einer Wiedervernässung müsse auf jeden Fall untersucht werden, "wie jedes einzelne Moor früher aussah und wie es zu dem heutigen Zustand kam. Dieser Zustand, den ein Moor sich selbst schafft, ist stabil und erfordert keine neuen Eingriffe."

Was nun? Befindet sich das nachweisweislich über Jahrhunderte durch Entwässerung malträtierte Wildseemoor möglicherweise in einem neuen ökologischen Gleichgewicht, so dass eine gut gemeinte Wiedervernässung ein kontraproduktiver Eingriff wäre?

Spätestens der Managementplan des Regierungspräsidiums für das etwa 1000 Hektar große FFH-Gebiet "Kaltenbronner Enzhöhen" muss eine Antwort geben.

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