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Am Anfang knackt das Geschenk der Großmutter
Bernd Schneider mit dem 'Erstling' seiner Nussknacker-Sammlung, dem Geschenk seiner Großmutter.  Foto: Vogt
02.12.2016 - 00:00 Uhr
Von Katharina Vogt

Forbach - Seinen ersten Nussknacker, traditionell aus dem Erzgebirge, bekam Bernd Schneider im Alter von zwölf oder 13 Jahren von seiner Großmutter. "Der stand da so rum und hat mir sehr gefallen, da hat sie ihn mir geschenkt." 50 Jahre später hat der Forbacher eine stattliche Auswahl aus aller Herren Länder zusammengetragen. Eine Auswahl präsentiert er an den Adventssonntagen von 14.30 bis 17 Uhr im Bermersbacher Murgtalmuseum. Er wird anwesend sein, um Fragen zu beantworten.

"So richtig sammeln, das kam erst vor etwa 15, 20 Jahren, da habe ich mich zuerst auf Flohmärkten umgesehen", erzählt der pensionierte Lehrer und passionierte Bergwanderer und Kletterer im BT-Gespräch. "Peu-à-peu ist die Sammlung gewachsen, viele habe ich geschenkt bekommen." Heute sucht er auch im Internet nach ausgefallenen und gut erhaltenen Stücken, die Zeit des wahllosen Sammelns hat er hinter sich.

Gemeinsam mit seiner Frau war er auch schon im Erzgebirge, "da muss jeder Nussknackersammler einmal hin". Beim Blick über die in Bermersbach ausgestellten rund 120 großen und kleinen Exponate wird schnell deutlich: Den Nussknacker gibt es nicht, je nach Herkunft und Alter sehen sie ganz anders aus. Es gibt Hebelnussknacker, Fallnussknacker, Schraubennussknacker und eben viele Exemplare, mit denen man besser keine Nuss öffnet, die nur einen dekorativen Zweck haben.

Die kleinsten in den Sammelvitrinen sind nur wenige Zentimeter groß, glänzen aber mit wunderschönen Bemalungen und glitzernden Verzierungen, der größte mit 81 Zentimeter Höhe kommt aus China. Ein Prachtkerl mit einer funkelnden Rüstung, "aus China kommt nicht nur billigste Massenware, es gibt dort auch sehr schöne, hochwertige Arbeiten."

Obrigkeit und deutscher Michel

Interessant sind neben dem Erzgebirgsstil auch die Stücke in der Vitrine mit den Exponaten aus der Rhön. Während im Erzgebirge die Nussknackerfiguren meist die Obrigkeit porträtieren (König, Soldat, Polizist, Förster), werden in der Rhön oft Personen der Zeitgeschichte als Nussknackerköpfe gefertigt, wie Otto von Bismarck oder auch Lehrer Lämpel: "Das dürfte mein Ältester sein, so etwa 70 bis 80 Jahre alt." Auch der "deutsche Michel" findet sich unter den Exponaten, die meistens naturfarben belassen sind.

Die ersten Nussknacker datieren Archäologen auf das 4. Jahrhundert vor Christus. Im Erzgebirge, in der Rhön, im Alpenraum und Südtirol begannen arme Leute, sich Ende des 18. Jahrhunderts mit deren Herstellung ein Zubrot zu verdienen.

Gedrechselt und geschnitzt wurde im Erzgebirge auch zu DDR-Zeiten, um an begehrte Westdevisen zu kommen. Genutzt wurde jedes Material, auch Pressholz. Es gibt auch Ausführungen, für die Pappmaché oder Gips verwandt wurden, andere sind ganz aus Porzellan. Die Zangen, mit denen man tatsächlich Nüsse knacken kann, sind meist aus Metall oder hartem Holz wie Buche oder Eiche, wogegen die Kunstschnitzer eher Lindenholz bevorzugen. Heute gibt es noch eine große Sammlergemeinschaft, vor allem in Amerika und Japan. Der aktuelle Trend: Nussknacker mit Beruf. Bernd Schneider zeigt in der liebevoll dekorierten Ausstellung im Murgtalmuseum Bermersbach daher auch Angler, Zahnärzte, Golfer, Skifahrer und sogar einen Computer-Hacker. Nimmt man sich etwas Zeit, findet man zwischen den Gesellen immer wieder neue Details, einen neuen Beruf, noch eine schönere Bemalung.

Geschichten und Gedichte

Zur Information hat Schneider nicht nur Nussknacker-Gedichte und -Geschichten aufgehängt, sondern auch Informationen über Geschichte und Handwerk gesammelt.

Besonders freut ihn, dass noch vor der Ausstellungseröffnung zwei weitere Exemplare im Murgtalmuseum abgegeben wurden. Einer ist ein außergewöhnlicher Vogelnussknacker, "bis Weihnachten hab' ich sicher herausbekommen, wie alt der ist und wo er herkommt." Der andere ist ein schöner Selbstbau aus Forbach. Bernd Schneider: "Manche sagen vielleicht, das ist Kitsch, aber wenn man mit dem Herz daran hängt, dann muss man einfach sammeln."

Wer nach den vielen Nussknackern eine kleine Pause braucht - auf rund 800 Quadratmetern Fläche kann man sich im Murgtalmuseum Bermersbach auch in viele andere Themen vertiefen, die nicht weniger interessant sind.

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