"Der Wald war im Saft und voller Kraft"
Malerische Blicke im Loffenauer Gemeindewald garantiert nicht nur die 2015 erbaute Michelsrankhütte.  Foto: Forstamt
22.12.2016 - 00:00 Uhr
Von Hartmut Metz

Loffenau - Der Wald! Die einträgliche Herzensangelegenheit von Erich Steigerwald sorgte diesmal für erste Wehmut beim Bürgermeister von Loffenau - zum letzten Mal brachte der Forstbetrieb seinen Wirtschaftsplan unter der Ägide des scheidenden Dorfschultes in den Gemeinderat ein. Daher blickte der Forstexperte auf seine bald verflossene Liebe zurück, bekam aber zum Abschied auch noch einmal süßes Lob.


Steigerwald erinnerte sich an die vor 45 Jahren umstrittene Entscheidung, den Wald um Loffenau zum Staatsforst zu machen. "Das war eine sehr gute Entscheidung", befand der 67-Jährige jetzt im Rückblick, denn sie diente nicht nur der besseren Pflege, sondern auch der Vermarktung. Inzwischen werde alljährlich ein "beachtlicher Gewinn" dem Gemeindesäckel zugeführt. Im abgelaufenen Jahr ermittelte Markus Krebs ein Plus von rund 193000 Euro (das BT berichtete). Laut des neuen Wirtschaftsplans, den der Bezirksleiter des Forstamts Gaggenau am Dienstagabend vorstellte und der einhellig vom Rat abgesegnet wurde, dürfte sich dieser 2017 noch etwas steigern auf rund 200000 Euro.

Krebs zog nicht allein deswegen ein rundum positives Fazit für 2016. "Eine der wichtigsten Botschaften ist: Es war ein unfallfreies Jahr, was angesichts der Loffenauer Topographie keine Selbstverständlichkeit ist", begann er seine Ausführungen vor dem Gemeinderat. Nach dem "Hitzestress im zweiten Halbjahr 2015" für die Bäume habe man dank des üppigen Regens "Glück gehabt". Die befürchtete Borkenkäfer-Plage blieb aus. Der Schädling sorgte lediglich für einen Verlust von 133 Festmetern. "Ein Prozent des Einschlags ist nix!", setzte der Forstexperte den Verlust in Relation zur Holznutzung. Ursprünglich sollten 9300 Festmeter entnommen werden. Weil der "Wald aber im Saft und voller Kraft war" und die Preise für Stammholz am Markt "überdurchschnittlich hoch lagen", fällten die Mannen um Revierleiter Günther Taub sogar 10200 Festmeter. Im nächsten Jahr soll sich der Wert wieder auf 9000 Festmeter reduzieren.

"Wir können stolz auf diesen vitalen Wald sein", befand Krebs mit Blick auf die 200 Euro Einnahmen je Hektar. "Weit und breit erzielt keiner solch ein Ergebnis wie wir", unterstrich Steigerwald mit Blick auf die durchschnittlich erlösten 137 Euro je Hektar. Zum herausragenden Abschneiden trug auch etwas der zurückgehende Verbissschutz bei. Für 16 Hektar war dieser vorgesehen, nur 12,1 Hektar wurden 2016 vollzogen. "Das spricht auch für ein gutes Verhältnis Wald-Wild", analysierte Krebs.

Gute Nachrichten hatte er zudem für die Bürger, von denen allerdings kein einziger auf den Zuschauerplätzen saß: Nachdem "die Nachfrage nach Brennholz nicht mehr ganz so überhitzt ist, können wir diese bedienen. Zudem herrscht Preiskonstanz", führte der Bezirksleiter aus. Wermutstropfen gab es nur wenige (siehe auch Kasten "Zum Thema") im abgelaufenen Jahr: Neben der starken Fruktifikation (Ausbildung von Früchten) der Waldbäume fielen den Förstern Spätfrostschäden bei Buchen, die über 700 Meter über dem Meeresspiegel stehen, auf.

Steigerwald "Forstwart honoris causa"

Helmut Möhrmann, Fraktionssprecher der SPD&Aktive Loffenauer Bürger, bat die Angestellten im Staatswald, die schönen Aussichtspunkte - etwa an Teufelsmühle, Michelsrankhütte, Gleitschirmplatz oder Albtal-Trail - besonders im Visier zu haben und zu pflegen. "Die halten wir frei, wenn es gewünscht wird", schließlich müsse man in Loffenau angesichts eines Waldanteils von "80 Prozent nicht um jeden Baum kämpfen", so Krebs.

Zum Schluss packte auch ihn die Wehmut. Mit Blick auf den Mann, dessen Passion schon in seinem Nachnamen verborgen liegt, betonte der Gaggenauer Forstamts-Chef: "Ich kenne keinen Bürgermeister, der seinen Wald so gut kennt wie Steigerwald. Er kennt fast jeden Baum und Strauch, ja sogar wohl jedes Reh und jeden Hirsch." Deshalb erhob er den langjährigen Waldweg-Gefährten ehrenhalber in den Adelsstand seiner Zunft: "Steigerwald sollte zum Forstwart honoris causa ernannt werden!"

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