"Klarer Schnitt" bietet Chancen für Neues
Rüdiger Seidt, langjähriger Kurator des Kunstwegs am Reichenbach, bei seiner letzten Führung.  Foto: Froese
27.12.2016 - 00:00 Uhr
Von Wolfgang Froese

Gernsbach - Beim Kunstweg am Reichenbach geht in diesen Tagen eine Ära zu Ende. Anfang des Monats lud der Mitinitiator und langjährige Kurator des Kunstprojekts, Rüdiger Seidt, zu seiner letzten öffentlichen Führung ein, zum Ende des Jahres hat er auch seine Vereinsmitgliedschaft gekündigt. Der "klare Schnitt" biete Chancen für Neues, betont er im Gespräch mit dem BT.

Gemeinsam - insbesondere mit dem Vereinsvorsitzenden Jürgen Dieskau - verwirklichte Seidt ab 2004 die Idee, auf dem drei Kilometer langen Weg entlang des Reichenbachs von Hilpertsau nach Reichental Natur, Landschaft und Kunst im wechselseitigen Zusammenspiel neu zu entdecken und bewusster wahrzunehmen.

Seidt, der in Forbach geboren ist und dort bis heute als freischaffender Künstler arbeitet, erinnert sich an viele Führungen durch das stille Seitental der Murg, mit denen er in der Anfangszeit kommunale Vertreter und nicht zuletzt Künstlerkollegen von dem Projekt zu überzeugen suchte. Erstaunlicherweise regte gerade der Eindruck der Idylle zum teils vehementen Widerspruch an: "Das Tal ist zu schön, um hier auszustellen", gibt Seidt die damalige Meinung des Bildhauers Hans-Michael Franke wieder, der erst 2013 "schwach wurde" und seither mit einer dreigeteilten Gneisplatte am Kunstweg präsent ist.

Nach einem Fotowettbewerb 2004 kam es im Folgejahr zu einer "temporären Galerie" in der Gernsbacher Altstadt, die Skizzen, Zeichnungen und Modelle präsentierte, die am Kunstweg realisiert werden sollten. Daraus entwickelte sich 2006 die erste tatsächliche Ausstellung am Kunstweg mit Arbeiten von Rolf Bodenseh, Angela M. Flaig und Werner Pokorny, dessen Stahlplastik "auf/ab" als Leihgabe bis heute zu sehen ist.

"Die Künstler stellen ihre Werke alle umsonst zur Verfügung", hebt Seidt eine Leistung hervor, die "nicht immer genug" gewürdigt werde. Umso schwieriger sei es anfangs gewesen, Künstler zum Mitmachen zu bewegen. "Wer macht noch mit?", habe eine häufig gestellte Frage gelautet. Persönliche Kontakte, so Seidt, waren für den Anfang entscheidend, bis sichtbar wurde, dass hier etwas entstand, "was Hand und Fuß hatte".

Heute zeugen so renommierte Namen wie Alfonso Hüppi, David D. Lauer, Hiromi Akiyama oder Robert Schad davon, dass der Kunstweg weit über die Region hinaus eine große Strahlkraft entwickelt hat. Die intensive Auseinandersetzung mit der vorgefundenen Lokalität ist dabei eine Konstante geblieben: so zuletzt beispielsweise die Intervention von Andreas Bressmer und Michael Buchholtz "er setzt in" oder bereits 2007 die Installation "vertikale Wasserlinie" von Rüdiger Seidt, mit denen er Bezug auf die einstigen, heute für Laien kaum noch sichtbaren Bewässerungskanäle nimmt.

Im Rückblick besonders präsent geblieben sind Seidt die "tollen Erfahrungen und Momente" bei den regelmäßigen Führungen. Oft seien es Menschen gewesen, die sonst nicht viel mit Kunst, moderner zumal, zu tun hätten. Die Bereitschaft, "ich gehe hin und höre es mir an", sei dabei der erste und größte Schritt. "Es gab noch keinen, der hinterher geschimpft hat", stellt er im Nachhinein zufrieden fest.

2012 gab Seidt die künstlerische Leitung an seinen Nachfolger Voré ab. Es hatte sich gezeigt, dass sein Engagement vom gewünschten Umfang her nicht leistbar gewesen sei. Aber auch seine neue Rolle war nicht einfach. "Ich war da und doch nicht da", beschreibt Seidt seine Situation zwischen Baum und Borke. Es sei eine "lange Entscheidung" gewesen, endgültig aufzuhören. Ihm gehe es auch darum, dass er nach zwölf Jahren "nicht zur Altlast" werde.

Wechsel bringt neue Möglichkeiten

Im November dieses Jahres gaben auch Voré und Dieskau ihre Ämter an ein neues Team weiter (wir berichteten). Er freue sich über den jetzigen Vorstand, sagt Rüdiger Seidt. Die Vorsitzende Rita Burster sei als Galeristin "super vernetzt". Er sieht den Wechsel als Gelegenheit, dass "Neue jetzt auch neue Möglichkeiten haben", um den Kunstweg am Reichenbach weiterzuentwickeln.

www.kunstweg-am-

reichenbach.de

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