Viele Vereine üben Verzicht
Flüchtlinge aus einer Gemeinschaftsunterkunft stimmen sich auf dem Sportplatz in gespendeten Trikots des Bundesligisten SC Freiburg auf ein Freundschaftsspiel ein.  Foto: dpa
29.12.2016 - 00:00 Uhr
Von Hartmut Metz

Gernsbach - "Wir stellen alle Flüchtlinge beitragsfrei", berichtet Thorsten Bach vom FC Gernsbach. Der Fußballclub hat zwar ein paar aktive Kicker und mehr als zehn Kinder aus Flüchtlingsfamilien in seinen Kreisen - auf Zahlungen der Asylbewerber verzichtet der Tabellenführer der Kreisliga B. Das hat mehrere Gründe.

Vom Landkreis Rastatt oder dem Jobcenter bekäme der Fußballclub durchaus die jährlichen Mitgliedsbeiträge für Minderjährige bezahlt, wie Jürgen Ernst, Leiter des Sozialamts beim Landratsamt Rastatt, betont. Doch Bach und vielen anderen Vereinen in der Region ist der Aufwand einfach zu hoch. "Das fängt schon damit an, dass viele ohne Dolmetscher nicht verstehen, was wir mit den Formularen wollen", beginnt der FCG-Boss seine Aufzählung. Während die Kinder sich rasch integrieren und inzwischen auch teilweise schon gut Deutsch verstehen, müsste man den Eltern beibringen, dass sie nichts für ihren Nachwuchs zahlen sollen - sondern den Antrag einfach stellen müssen. "Oft sind die Flüchtlinge auch nicht lange da und ziehen in einen anderen Ort", schiebt Bach nach.

Einen Witz findet er vor allem die Haltung des Deutschen Fußballbundes (DFB), der im Gegensatz zu zahllosen anderen Sportverbänden von den Amateurvereinen einen Nachweis des "abgebenden Verbandes" verlangt - ansonsten erhält der Spieler wie ein Profi eine automatische halbjährige Sperre. "Woher sollen wir diesen Nachweis bekommen bei einem Flüchtling aus Syrien oder Afghanistan?", fragt Bach rein rhetorisch und geißelt das als "DFB-Bürokratie pur".

Eine Scheibe könnte sich der weltweit mitgliederstärkste Sportverband vom Badischen Sportbund (BSB) abschneiden. Die für alle südbadischen Sportvereine zuständigen Freiburger zahlen den Klubs ein Jahr lang zehn Euro pro Monat für jeden gemeldeten Flüchtling. Das soll die Vereine entlasten und viele Ausgaben decken - der Antrag ist überdies leicht auszufüllen und einzureichen.

Maximal zehn Euro im Monat und damit 120 Euro im Jahr sind auch im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepakets zu bekommen. Wie Hartz-IV-Empfängern stehen diese auch Beziehern von Asylbewerber-Leistungen zu, betont Ernst. Diese Praxis gelte bereits seit 2011, also bereits vor der Flüchtlingswelle. "Die Flüchtlinge erhalten wie auch andere Leistungsberechtigte einen zeitlich befristeten Gutschein, mit dem der Verein mit uns direkt abrechnen kann", führt der Sozialamts-Chef aus. Spezielle Informationen und Anträge für Mitgliedsbeiträge von Flüchtlingskindern gebe es nicht - was sicher einige Vereine in der Vergangenheit verwirrte und zum freiwilligen Verzicht führte.

Zudem kann es auch sein, dass statt des Sozialamts das Jobcenter die Mitgliedsbeiträge zu bewilligen hat, wenn die Eltern Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II (Hartz IV) erhalten. "Gehen die Anträge aus Versehen bei uns und nicht im zuständigen Jobcenter ein, leiten wir die aber selbstverständlich weiter", verspricht Ernst.

Antrag für 2016 und 2017 möglich

Zur Vereinfachung trägt auch bei, dass sein Amt es akzeptiert, wenn Vereine jetzt die Beiträge für 2016 und 2017 beantragen und eine entsprechende Bescheinigung über die Höhe einreichen. "Hier gilt allerdings die Jahresfrist", betont der Sozialamts-Chef im Landratsamt. Er rechnet damit, dass wie 2015 auch im aktuellen Jahr "jeweils rund 20000 Euro" für die Leistungen zur "Teilhabe am kulturellen und sozialen Leben" vom Landratsamt überwiesen werden.

Der Betrag deutet darauf hin, dass die wenigsten Vereine die Flüchtlings-Beiträge abrechnen. Geht man von durchschnittlich 40 Euro Jahresbeitrag aus, wären nur je 500 Anträge in den beiden Jahren eingereicht worden. Der Vereinsanteil an den Kosten der "Teilhabe" liegt im Landkreis Rastatt somit unter vier Prozent. Das Gros bei diesem Posten, der 2015 bei rund 505000 Euro und heuer bei 522000 Euro liegt, fließt in den Bildungssektor. Den Kindern von Sozialschwachen wurden so Schullandheim-Aufenthalte, Essen in der Schule, Lernmittel oder Fahrten zur Schule ermöglicht.

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