Hoffnung für Herbergsmutter
30.12.2016 - 00:00 Uhr
Von Hartmut Metz

Forbach - Die Heinrich-Kastner-Jugendherberge im Forbacher Birket schließt am Wochenende nach 56 Jahren ihre Pforten für immer. Herbergsmutter Marianne Arslan hegt jedoch nun Hoffnung, dass sie über den März hinaus dort wohnen darf - und womöglich auch arbeiten. Mit der "Adventure World Murgtal-Arena" gibt es einen Interessenten für das Gebäude, das tief im Wald liegt.

Karl Rosner, Geschäftsführer des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) in Baden-Württemberg, berichtet zwar nur schmallippig von "losen Anfragen, noch ist nichts spruchreif" - doch Mirko Weber räumt "gewisses Interesse" an der Immobilie ein. Der Eigentümer der "Murgtal-Arena" aus Forbach könnte so auch Gruppen, Schulen und Familien zusätzlich preisgünstige Übernachtungen anbieten, wenn sie Outdoor-Abenteuer von Soft-Rafting über Gleitschirm-Flüge bis Flussbettwanderungen bei ihm buchen.

Das Aus für die Heinrich-Kastner-Jugendherberge zeichnete sich bereits im November 2014 ab, als der DJH-Landesverband aus wirtschaftlichen Gründen entschied, nur noch einen Sommerbetrieb anzubieten. Das galt für 2015 und auch für 2016 von April bis Ende November. "Wir verzeichneten dieses Jahr ein gutes Ergebnis mit 6200 Übernachtungen. Insgesamt hatten wir an die 7000 Gäste, bei denen auch die mitzählen, die nur bei uns essen oder ihr Frühstück einnehmen", berichtet Marianne Arslan. Deshalb hatte sie "bis zuletzt gehofft, dass es doch noch weitergeht. Ich habe sogar ein Schild aufgehängt, auf dem steht, dass wir auf ein kleines Wunder hoffen. Ich wollte gerne so lange hier arbeiten, bis ich in Rente gehe", erzählt die 59-Jährige. Im Sommer sei die Jugendherberge ein "Selbstläufer" gewesen. "Ich erhalte heute noch Anfragen für 2017. Die Schulen von Baden-Baden bis Stuttgart, die gerne zu uns kamen, sind dann enttäuscht, wenn sie vom Aus erfahren. Die fühlen sich vor den Kopf gestoßen. Das ist nicht sehr kundenfreundlich", meint sie.

Die erforderlichen Investitionen von rund zwei Millionen Euro, die das DJH für eine Modernisierung der Anlage mit 74 Betten veranschlagte, waren dem Landesverband zu hoch (das BT berichtete). Die genannte Summe hält die Herbergsmutter, die wegen der Wohnpflicht dort lebt und alles in Schuss zu halten versucht, für übertrieben. "Keine Frage, man muss schon einiges modernisieren. Aber die Höhe ist nur vorgeschoben: Wollen die hier ein modernes Hotel hinstellen? Wir sind betriebsbereit. Auch wenn das Haus alt ist, erfüllt es die Brandschutzvorgaben super", berichtet sie und ergänzt aus einem Gespräch mit Geschäftsführer Rosner, "er sagte zu mir, ich würde es menschlich sehen, er müsse es wirtschaftlich betrachten."

Als Hauptgrund für das jetzige Ende sieht Arslan die "Überlappung" mit der nahen Franz-Köbele-Jugendherberge des DJH in Herrenwies. Die 50 Jahre alte Umwelt-Jugendherberge verfügt über 175 Betten und offeriert den Gästen ein Umwelt-Labor samt pädagogischen Programmen zu Natur, Ernährung und Technik. Leiter Sven-Christian Stohr sieht daher sein Haus besser gerüstet als die "in die Jahre gekommene" Heinrich-Kastner-Jugendherberge, die "zwar schön im Wald liegt, aber halt doch außerhalb. Die Tendenz geht wegen unserer Angebote bei den Gästen eben zur Franz-Köbele-Jugendherberge. Das verstärkt sich auch deshalb, weil das Thema Nationalpark immer wichtiger wird", prophezeit Stohr.

Job-Garantie in Herrenwies

Wichtig ist dem Leiter die soziale Komponente, sprich: "Alle weiter beim DJH angestellt bleiben." Koch Christoph Gartner habe bereits nach Herrenwies gewechselt, seiner Schwiegermutter Arslan wurde ab April ein Job offeriert. Die Herbergsmutter schwankt indes, ob sie an ihrem "unbefristeten Vertrag" kleben soll. "Ich habe kein Auto - ohne ist es noch viel schwieriger nach Herrenwies."

Daher liebäugelt die 59-Jährige damit, sich mit dem neuen Pächter oder Käufer zu arrangieren. "Für die Adventure-Gruppen wäre es hier draußen doch ideal. Mit ein paar neuen Ideen könnte man sicher hier im Wald viel machen", würde Arslan gerne "alles wieder in Form bringen".

Einstweilen packt sie jedoch vor Silvester zunehmend die Wehmut. "Schon die abschließende Ansprache an meine letzte Gruppe vom Caritas-Verband Ende November fiel mir schwer", muss sie schlucken, während sie in den Lobeshymnen im Gästebuch blättert. Obwohl Arslan nach durchgearbeitetem Sommer bereits den ganzen Dezember Urlaub hatte, wird ihr langsam bewusst, was sich verändert - Gedanken über die neue Saison muss sie sich keine mehr machen, Vorbereitungen sind ebenso keine mehr zu treffen. "Auch wenn ich täglich immer mehr als acht Stunden arbeitete, krempelte ich gerne die Ärmel hoch. Das war mein Ding in traumhafter Natur. Ich glaubte, hier alt zu werden." Aber vielleicht beginnt ja schon bald mit "Adventure World" ein neues Abenteuer für Marianne Arslan.

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