33 Glanzlichter
Die drei Senioritas entführen in die behagliche Kuschelnische zwischen Weihnachten und dem Jahreswechsel. Foto: Haller-Reif
31.12.2016 - 00:00 Uhr
Von Margrit Haller-Reif

Forbach - Plätzchenschwanger, festtagsbratensatt und in der Regel etwas feiertagsmüde, da wirken Ruhe, Zurücklehnen und Zuhören kleine Wunder. Die Senioritas Lenchen Kneisch (Klavier), Margot Trawka (Rezitation) und Katharina Vogt (Gesang) kennen das aus eigener Erfahrung vermutlich nur zu gut. Trotzdem haben sie dem menschlichen Bedürfnis nach Entspannung gerade in Zeiten der Hektik Rechnung getragen. Und im Rahmen von "Forbach lebt Kultur" legte das Trio mit musikalischen und literarischen Perlen besinnlichen Zauber über das voll besetzte Café Henriette.

Damit haben die Senioritas gleichzeitig bewiesen, dass sie auch anders können als in ihrer ebenso fröhlichen wie temperamentvollen Sommerrevue. Das neue Programm mit dem beziehungsreichen Titel "Zwischen den Jahren" haben sie laut Katharina Vogt in nur knapp sechs Wochen "aus dem Boden gestampft". Chapeau, meine Damen! Mögen auch etliche Melodien und Evergreens dem reichen Fundus von Lenchen Kneisch entstammen, bei einem Repertoire aus 33 Glanzlichtern bleibt für jede Seniorita Arbeit genug.

Ganz sachte wurde das überwiegend ältere Publikum in die behagliche Kuschelnische zwischen Weihnachten und dem Jahreswechsel entführt. Völlig ungestört vom zwangsläufig emsigen Servicepersonal, auch das muss an dieser Stelle einmal erwähnt werden. Mit dem Traditional "Greensleeves" läutete Lenchen Kneisch den imaginären Ausflug in die Welt unsterblicher Melodien und stimmungsvoller Weihnachts-Winter-Klassiker ein. Für den heiter-nachdenklichen Blick auf "das Fest aller Feste" und das neue Jahr ist Margot Trawka zuständig. Da erhält die satirische Lesart von Heinz Erhardts "Die Weihnachtsgans" noch die passende sächsische Würze. Einen schönen Kontrast dazu bildet Katharina Vogts glockenheller Sopran, der einen alten Schlager wie "Weihnacht-Weihnacht" neu aufblühen lässt.

Jede der Senioritas hat ihr ureigenes gestalterisches Gewicht. Im Trio-Verbund ergänzt sich das wunderbar, auch spürt man den gegenseitigen Respekt vor dem jeweiligen gestalterischen Vermögen der Mitstreiterinnen. Lenchen Kneisch ist die rein optisch eher verborgene musikalische Quelle an den schwarz-weißen Tasten. Sensibel untermauert sie die bis in Altlagen reichende, biegsame Stimme von Katharina Vogt. Die mal nachdenklichen, mal lustigen, mal anrührenden Texte von Joachim Ringelnatz, Joseph Eichendorff über Theodor Storm bis hin zu Erich Kästner und Kurt Tucholsky rezitiert Margot Trawka haarfein.

Im Wechsel von Musik und Texten entwickelt sich eine wohltuende, behagliche Atmosphäre. Ein Stimmungskaleidoskop, das den jeweiligen Gefühlen und Gedanken die ihnen gebührende Entfaltung einräumt. Da ist genügend Platz für augenzwinkernden Humor und stille Nachdenklichkeit: Für Weihnachtsträume aus vergangenen Zeiten, in denen sich Freude noch an kleinen, bescheidenen Dingen entzündete. Für Kindheitserinnerungen an einen Christstollen im Schnee, für eine Geschichte vom fast verlorenen Sohn, der Senf holen ging.

Auf die fiktive Empfindung eines Esels angesichts der fremden Eindringlinge in seinem Stall in Bethlehem folgt ein klangvoller brasilianischer Appell an die Menschlichkeit. Auf Irving Berlins "White Christmas" mussten wir leider verzichten. Aber vielleicht erfolgt "die Begegnung mit einer Schneeflocke" mit Aussicht auf winterliche Schwarzwaldimpressionen ja im neuen Jahr. Und eines ist unverbrüchlich: Die "Rezept"-Zutaten für ein zufriedenes Leben von Goethes Mutter gelten bis heute. Erst recht das "Neujahrsgebet zum Jahresende" von Pfarrer Herrmann Kappen aus dem Jahr 1883, dessen Aktualitätsgehalt frappierend ist. Besinnlichkeit und Heiterkeit, die drei Senioritas hatten die Waagschalen dafür stimmig und stimmungsvoll ausgelotet.

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