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Film würdigt genialen Zweiradpionier
05.01.2017 - 00:00 Uhr
Von Wolfgang Froese

Gernsbach - Undank ist der Welten Lohn, ließe sich über Karl von Drais sagen, dem 1817 mit der "Laufmaschine" der entscheidende Schritt zum modernen Individualverkehr gelang. Der badische Erfinder starb 1851 mittellos und als "Spinner" verächtlich gemacht - ein Verdikt, das lange nachwirkte. Mit einem Film würdigt jetzt der Hilpertsauer Michael Weiler den genialen Zweiradpionier.

Der umtriebige Freiherr, der während der badischen Revolution 1849 als bekennender Demokrat seinen Adelstitel ablegte, erfand unter anderem auch die erste Tastenschreibmaschine, einen Klavierrekorder und einen Holzsparherd. Mit dem Ur-Fahrrad, der "Draisine", gelang ihm, so der Technikhistoriker und Drais-Experte Hans-Erhard Lessing, eine "Revolution auf Rädern" und eine "Basisinnovation", die letztlich in das Automobil mündete.

Weiler, ausgebildeter Zeichner und studierter Kommunikationsdesigner, der wie Drais lange in Mannheim lebte, zeigt sich im Gespräch mit dem BT fasziniert vom, wie er sagt, "wichtigsten Erfinder der Goethe-Zeit". "Was war das für ein Mensch, war er wirklich ein Looser?", sind Fragen, die er für sich selbst längst im positiven Sinne beantwortet hat, die er aber auch gerne in eine breite Öffentlichkeit tragen möchte. Nachdem weder sein weitgehend ausgearbeiteter Entwurf eines Drais-Comics unter dem Titel "Der die Welt ins Rollen brachte" noch ein 2015 produziertes kurzes Video auf nachhaltige Resonanz stießen, fand er im Frühjahr 2016 mit dem Karlsruher Fahrradhändler Martin Hauge und dem Modellbauer Gerhard Bauer aus Bad Friedrichshall engagierte Mitstreiter für ein Filmprojekt. Die Dreharbeiten sind inzwischen abgeschlossen, und auch der Rohschnitt ist im Wesentlichen erfolgt.

Genau genommen sind es drei Filme in einem. Die ersten beiden Kapitel des rund dreiviertelstündigen Streifens sind Dokumentationen zu den Themen "Von der Laufmaschine zum Automobil" und "Karls Vorbilder", das dritte ist eine "Vision über einen Drais-Spielfilm". Gerade auf den letzten Teil legt Weiler besonderen Wert, denn es fuchst ihn, dass 2017 das Jubiläum "200 Jahre Laufmaschine" ansteht, aber es dazu keinen Spielfilm gibt.

Edgar Sieb als Direktor eines Drais-Museums

Große Teile der Spielszenen sind in und rund um Gernsbach entstanden, und das macht auch historisch Sinn, denn es gibt enge Bezüge zwischen der Familie von Drais und dem Murgtal. Karl von Drais selbst stellte hier am 28. Juli 1817 bei seiner erst zweiten Ausfahrt die Alltagstauglichkeit seines Gefährts unter Beweis, als er die Bergstrecke zwischen Gernsbach und Baden-Baden in einer statt der üblichen zwei Stunden bewältigte. Karls Onkel Friedrich Heinrich Georg von Drais leitete zudem von 1784 bis 1798 das Oberforstamt in Gernsbach und machte sich damals um die Wiederbewaldung der großenteils kahlgeschlagenen Flächen verdient.

Auf der Suche nach Informationen zum Oberforstmeister von Drais stieß Weiler auf den ehemaligen Ortsvorsteher von Reichental, Edgar Sieb. "Er war ein Glücksgriff", betont Weiler, "und schuld daran, dass der Film länger als geplant wurde." Im Film ist Sieb jetzt vor der Kulisse des Reichentaler Waldmuseums als Direktor eines fiktiven Drais-Museums zu erleben.

Auch der Katz'sche Garten, die Hofstätte und das Reichenbachtal sind unschwer zu erkennen. Dort singt der Albtalchor ein romantisches Murgtal-Lied, das der Vater Karls, der Oberhofrichter Karl Wilhelm von Drais, einst als Gedicht verfasste und das nun auf Betreiben Weilers von Konrad Samuelis, dem Dirigenten des Scheuerner und des Staufenberger Gesangvereins, vertont worden ist.

Im April 2017, sagt Michael Weiler, soll der Film fertiggestellt sein. Geplant ist dann eine "Drais-Box", die aus dem eigentlichen Film, zehn von Weiler gestalteten fiktiven Filmplakaten im Postkartenformat, einer zusätzlichen Doku über Gerhard Bauer und dem Murgtallied von Drais und Samuelis besteht. Mit den Einnahmen aus dem Verkauf möchte Weiler seinem eigentlichen Ziel näherkommen: einem Spielfilm über Karl Drais. Er hofft, damit zumindest einen Drehbuchautor finanzieren zu können.

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