Rätselhafte Mauern am Kegelbach
Auf Reichentaler Gemarkung unweit Kaltenbronn finden sich am Kegelbach die Reste einer Schwallung. Sie diente der Brennholzflößerei auf Kegelbach und Enz. Foto: Zapf
05.01.2017 - 00:00 Uhr
Von Friedbert Zapf

Gernsbach - Der Kegelbach fließt vom Kaltenbronn kommend parallel zur L 76b Richtung Sprollenhaus und mündet dort in die Große Enz. Etwa einen Kilometer unterhalb des Kaltenbronner Forsthauses und zirka 700 Meter oberhalb der ehemaligen Grenze zwischen Baden und Württemberg steht auf Reichentaler Gemarkung direkt am Bach ein rätselhaftes Gemäuer.

Es handelt sich um ein aus Buntsandsteinquadern exakt gesetztes Trockenmauerwerk. Die Mauer längs des Bachs ist acht Meter lang und zwei Meter hoch. Die gegen die Talflanke verlaufende und in den Boden streichende untere Mauer hat eine Länge von fünf Metern. Wenige Schritte bachaufwärts findet man direkt am Wasser weitere niedere Mauerreste. Auffallend ist, dass die Bachsohle mit großen Sandsteinplatten befestigt ist. Stand hier vielleicht eine Mühle?

Auf eine andere Spur führt eine Skizze der "Flößereieinrichtungen im Enztal" von Max Scheifele (1995). Dort ist im oberen Drittel des Kegelbachs eine "Schwallung" eingezeichnet. Eine Schwallung diente dazu, Wasser für die Brennholzflößerei zu stauen und bei Bedarf als mächtigen Wasserschwall abzugeben. Wie funktionierte diese Brennholzflößerei, auch Brennholztrift genannt? Hunderte, ja tausende 1,20 Meter lange Brennholzscheite wurden in einiger Entfernung unterhalb der Schwallung in das Bachbett geworfen und zu einem riesigen Holzhaufen aufgetürmt. Jetzt öffnete man die Stellfalle, ein gewaltiger Wasserstrom raste auf den Holzhaufen zu und riss ihn unter donnerndem Getöse auseinander. Dann führte die Hochwasserwelle die Holzscheiter als langen Holzstrom mit sich fort, der ganze Bach schien hölzern zu sein.

Was spricht bei dem Gemäuer dafür, dass es sich tatsächlich um die Überreste des Auslaufwerks einer solchen Schwallung handeln könnte? Eindeutiger Hinweis ist eine senkrechte Fuge in der bachseitigen Sandsteinmauer, 30 Zentimeter breit und zwölf Zentimeter tief - die Führung für die "Aufzugstafel" der Stellfalle. Laut einer Beschreibung von 1847 sind die hölzernen Aufzugstafeln vergleichbarer Schwallungen etwa 1,70 Meter breit, zwei Meter hoch und etwa zehn Zentimeter stark. Die Aufzugstafel wurde mit einer Hebelvorrichtung (Hebel fünf Meter lang) in der Nut eines Eichenbalkens nach oben oder unten bewegt. Der Eichenbalken wiederum war exakt in die oben erwähnte Fuge der Mauer eingepasst. Auch die Befestigung der Bachsohle ist typisch. Sie verhinderte, dass die gewaltigen Wasserkräfte in dem recht engen Auslaufkanal das Bachbett nicht tiefer erodierten. Bachaufwärts direkt hinter dem Gemäuer weitet sich das enge Kegelbachtal auf eine Breite von zirka 30 Meter und eine Länge von 70 Meter - Platz genug für den Stausee.

Eine Frage bleibt: Warum findet man auf der rechten Bachseite keine Spuren der Schwallung? Hier müsste doch spiegelbildlich das gleiche Mauerwerk mit der Führung der Stellfalle stehen. Es ist unwahrscheinlich, dass der Kegelbach den rechten Teil der Schwallung so restlos beseitigt hat. Es ist eher davon auszugehen, dass die sauber behauenen Sandsteine abgeräumt und einer Wiederverwendung zugeführt wurden.

Fehlt noch die zeitliche Einordnung der Kegelbach-Schwallung. Aufgrund des großen Brennholzmangels in den waldarmen Gebieten an der unteren Enz und am Neckar regelten Baden und Württemberg 1747 im "Wildbader Rezess" die Brennholztrift auf Eyach, Enz, Nagold, Würm und Neckar. Sponeck berichtet 1807, dass die "wirtembergische Calwer-Companie" den Hohlohsee angezapft hatte, um das "in der Gegend erkaufte Holz" auf dem Kegelbach zu triften. Sponeck erwähnt unsere Schwallung allerdings noch nicht. Ab 1839 erfolgte eine Intensivierung der Brennholzflößerei, jährlich wurden knapp 40000 Kubikmeter auf der Enz getriftet. In dieser Zeit, also um 1840, dürfte auch die Kegelbach-Schwallung gebaut worden sein.

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