http://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
http://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
Opfer des "Macheten-Manns" mutiert durch zu viel Bier zum Täter
Opfer des 'Macheten-Manns' mutiert durch zu viel Bier zum Täter
01.02.2017 - 00:00 Uhr
Von Hartmut Metz

Gernsbach - Die Narbe auf der Kopfhaut schimmert beim Angeklagten unter dem dunklen Haar durch. Sein Vater hatte ihn zu Beginn des Jahrtausends mit der Machete so zugerichtet. Nun sitzt der Sohn des "Macheten-Manns" vor Amtsrichter Ekkhart Koch und zeigt sich zumindest einsichtig, was seinen Bierkonsum anlangt. "Ich bin gefühlsleer. Mein Hirn ist durchs Saufen abgestumpft. Ich habe Angst, jemand umzubringen", gesteht das einstige Opfer, das 2016 zweimal zum Täter wurde.

Der erste Fall am 16. März endete glimpflich. Mit wieder einmal "acht, neun 0,5-Liter-Bier" intus störte sich der Angeklagte in der Straßenbahn an zwei Flüchtlingen, die auf einem Handy Musik hörten. Der inzwischen wohnsitzlose Weisenbacher bat das ebenfalls in Bad Rotenfels zugestiegene Duo mit Verweis auf die "Ruhe"-Schilder darum - wie das Video von 20.49 Uhr aus der S41 belegt -, die Musik abzudrehen. Als auch die dritte Aufforderung ungehört verhallte, folgte ein erster Fausthieb, der allerdings ins Leere stieß.

Die Flüchtlinge verließen daraufhin in Gernsbach die Straßenbahn. Die Darstellungen widersprechen sich hernach, weil es auf den Bahnsteigen im Murgtal keine Videoüberwachung gibt. Der arbeitslose 33-Jährige will nur "auf dem Boden herumgekullert" sein, während ein Begleiter die Straßenbahntür aufhielt und der andere die Flüchtlinge traktierte. "Danach zog mich einer hoch, und wir fuhren weiter", erinnert sich der Angeklagte nur dunkel an die Vorgänge. Den einen Begleiter wusste er nicht mit Namen zu nennen, "weil ich ihn erst an dem Abend kennenlernte". Von dem anderen, seinem Weisenbacher Kumpel, habe er sich mittlerweile losgesagt, "weil er mir nicht guttut".

Die beiden Flüchtlinge erstatteten nach den Faustschlägen auf dem Bahnsteig Anzeige. Laut Polizeihauptmeister Raphael Warth, der den Vorfall am 16. März aufgenommen hatte, erlitten sie "keine gravierenden Verletzungen". Der als Zeuge vorgeladene Flüchtling erschien nicht zur Verhandlung.

2,34 Promille: Attacke mit Kopfstoß

Bedenklicher stimmte Richter Koch eine Attacke des langjährigen Leiharbeiters, der zuletzt einen Job auf dem Bau auf 450-Euro-Basis fand, am 29. Juni 2016 in Weisenbach. Einmal mehr war Alkohol im Spiel: "Zehn bis 15 Bier", 2,34 Promille ermittelte die Polizei nach der Tat. Angesichts der "Vorglühphase" von mindestens eineinhalb Stunden und dem folgenden Abbau des Alkohols im Blut taxierte Staatsanwalt Andreas Adam den zwischenzeitlichen Pegel gar auf "rund 2,8 Promille".

Die Ausflüchte des 33-Jährigen, er habe auch diesmal einen Filmriss gehabt und nichts mitbekommen, widerlegte Koch. Einer Bekannten, die während des zweiten Falls mit dem Auto kurz stoppte und dann weiterfuhr, weil der Angeklagte so "aggressiv" auftrat, beichtete er wenige Minuten später unter Tränen: "Ich habe schon wieder Scheiße gemacht, einer Frau einen Kopfstoß verpasst, einen Außenspiegel abgerissen und einen Kratzer ins Auto gemacht." Danach folgte die Beleidigung von vier Polizisten, als die ihn in der Wohnung der 19-Jährigen aufgriffen und Handschellen anlegten. Sie wurden mehrfach unflätig beschimpft. Beim Abtransport in die Psychiatrie in Emmendingen fiel zudem der Begriff "Schlampe".

Psychischen und körperlichen Schaden richtete der Angeklagte am Tattag vor allem in Weisenbach an. Nachdem ihn ein Nachbar mehrfach aufgefordert hatte, einen "Besen zu holen, um die in tausend Stücke zersplitterte Bierflasche von der Straße zu kehren", ging er den Familienvater an. Dessen Frau wollte schlichten - und büßte dies mit einem unvermittelten Kopfstoß. Bis heute leidet sie an der Verletzung ihrer Nase, berichtete ihr Anwalt nach der Sitzung des Gerichts. Es kam aber noch schlimmer für die Mutter von sechs- und achtjährigen Mädchen. Im Suff brüllte der Täter auf der Flucht in wüsten Worten, dass er sich an den Kindern vergehen werde. Entsprechend geht die Furcht in der Nachbarschaft um, auch wenn sein Wohnsitz, das Elternhaus, wegen einsetzender Erbstreitigkeiten (die kranke Mutter lebt noch) derzeit leer steht.

Die verbale Drohung mochte Koch nicht durchgehen lassen. Auf ein Urteil verzichtete der Richter jedoch vorerst auf Anregung des Staatsanwalts, der für eine psychiatrische Untersuchung plädierte. Der bisher nur einmal wegen Handels mit Amphetaminen und Cannabis vorbestrafte 33-Jährige soll in Emmendingen "begutachtet" werden. "Machen Sie bitte dort mit", appellierte Koch eindringlich, "halten die Füße still und lassen die Nachbarschaft in Frieden!"

Der Sohn des "Macheten-Manns", der keinen Kontakt mehr zu dem brutalen Vater pflegt, hofft beim vierten Gastspiel in Emmendingen endlich auf Hilfe. Zudem berichtete er: "Seit zwei Wochen trinke ich nichts. Zurzeit bin ich eisern."

BeiträgeBeitrag schreiben 
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Die Zahl der Erkrankungen durch miese Luft wird nach Ansicht eines Experten in den Städten steigen. Ein Grund für Sie, aufs Land zu ziehen?

Ja.
Nein.
Ich wohne bereits auf dem Land.

Wetter in Mittelbaden


Facebook


BT Kinospot


Online-Beilagen
Aldi Sued Rastatt gültig ab 19.02.2017

Aldi Süd


Rastatt

gültig ab:
19.02.2017

Octomedia Rastatt gültig ab 22.02.2017

Octomedia


Rastatt

gültig ab:
22.02.2017

© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen