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"Kappler schneller als der D-Zug"
04.02.2017 - 00:00 Uhr
Von Martin Walter

Gernsbach/Loffenau - Die Histo-Monte fegt am Mittwoch durch Loffenau und Gernsbach. Die Oldtimer-Rallye würdigt die "Mutter aller Rallyes", die Rallye Monte Carlo. Gegen 14 Uhr fahren Klassiker wie ein VW Käfer von 1954 oder Porsche-Modelle aus den 60ern von Frankfurt über Bad Herrenalb ins Tal der Murg. Über die Geroldsauer Mühle geht es weiter dem Ziel, Monaco, entgegen. Am Zielpunkt wurde die Gernsbacher Legende Karl Kappler in den 20er und 30er Jahren mit Ehren überhäuft und erhielt im Fürstentum als erster Deutscher die Goldene Ehrennadel.

Die Rallye Monte Carlo zählt seit dem Jahr ihrer Gründung 1911 zu den spektakulären automobilen Großereignissen in Europa. Ihr Mythos ist untrennbar mit den Jahren nach 1973 verbunden, als die Rallye Monte Carlo das bedeutendste Event der Rallye-Weltmeisterschaft wurde. Zu den erfolgreichsten deutschen Startern zählt nach wie vor Walter Röhrl, der die Rallye gleich viermal gewinnen konnte und das mit gleich vier unterschiedlichen Fahrzeugen der Extraklasse. Zuletzt gewann Röhrl mit Christian Geistdörfer die "Mutter aller Rallyes" 1984 auf dem legendären Audi Quattro und trug damit erheblich zum Erfolg dieser Marke bei. Röhrl fährt am Mittwoch wieder mit einem Fahrzeug aus Ingolstadt im Murgtal vor: mit einem Quattro A2.

Walter Röhrl war aber nicht der erste deutsche Sieger in Monaco, diese Ehre gebührt dem gebürtigen Stuttgarter Walter Schock, der mit seinem Beifahrer Rolf Moll auf einem Mercedes-Benz 220SE die Rallye 1960 gewinnen konnte.

Zu den ganz wenigen deutschen Startern der frühen Jahre der Rallye Monte Carlo zählt der gebürtige Gernsbacher Karl "Charlie" Kappler, der in den 1920er Jahren im In- und Ausland auf seinen schnellen Renn- und Sportwagen über 300 Siege erzielte und der damit zum erfolgreichsten deutschen Herrenfahrer der 1920er Jahre wurde. Als Herrenfahrer bezeichnete man bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Autobesitzer, die ihre Wagen selbst warteten und steuerten.

Als Kappler 1927 den automobilen Hochgeschwindigkeitssport "an den Nagel" hängte, wandte er sich dem Rallyesport zu. Die Rallye Monte Carlo geriet natürlich zu einer ganz besonderen Herausforderung für den Gernsbacher Ausnahmepiloten. Insgesamt fünfmal hat Kappler nach eigenen Angaben an der Rallye Monte Carlo teilgenommen. Die erste Teilnahme erfolgte 1927, leider ist für dieses Jahr kein Ergebnis überliefert.

Ein Jahr später sah das allerdings schon ganz anders aus. Ein gutes Abschneiden gelang ihm 1928 mit einem eleganten Simson Supra "RI" 12/60 PS gegen 87 Konkurrenten auf der Rallye Monte Carlo, bei der er sich als einziger deutscher Teilnehmer auf dem 24. Platz behauptete. Ein Jahr später schreibt die "Allgemeine Automobilzeitung" in ihrer Ausgabe vom 2. Februar 1929: "Kappler, der sich wieder einmal als Fahrer von Extraklasse erwies, vollbrachte auch physisch eine unerhörte Leistung."

Aber nicht nur die Fachpresse war voll des Lobes, auch der "Murgtäler Bote" berichtete in der Ausgabe vom 30. Januar 1928 über den Erfolg Kapplers: "Der bekannte deutsche Rennfahrer Karl Kappler aus Gernsbach hat sich auf Simson Supra mit 252,927 Punkten als 24. Sieger bei der Rallye Monte Carlo placiert." Kappler fuhr mit seinem Beifahrer Gutknecht mit dem beeindruckenden Simson Supra RI (von dem sich heute nur ganz wenige Exemplare erhalten haben) zunächst auf eigener Achse nach Berlin, um von dort dann offiziell zu starten. Unterwegs waren die Männer auf sich alleine gestellt. Reparaturen oder die Folgen von Unfällen mussten mit eigenem Können und anhand des mitgeführten Materials behoben werden. Berichte in schriftlicher Form haben sich nicht erhalten. Dagegen sind die erhaltenen Fotografien von großer Aussagekraft. Ob auf staubigen Pisten und Feldwegen, auf eisigen Wegen im Gebirge oder irgendwo im ländlichen Niemandsland - immer war die besondere Fähigkeit des Fahrers und seines Copiloten gefragt.

Weitaus spektakulärer verlief das Jahr 1929, als Kappler einen Rekord aufstellte und den Sonderpreis für die beste Leistung erhielt. In diesem Jahr startete er auf einem 10/50 PS 6-Zylinder Wanderer am Kai von Saloniki aus die Sternfahrt nach Monte Carlo. Alleine die Anreise dorthin geriet zu einem besonderen Abenteuer. Geplant war ursprünglich die Abfahrt in Athen. Dies war aber ein kaum zu realisierendes Unterfangen: Zahlreiche Brücken waren eingestürzt und von Straßen sei sowieso nicht zu reden, meldete sein Beifahrer Hanns Adam Faerber, der übrigens für die Tageszeitungen einen Bericht über Kapplers "Balkanfahrt" verfasste.

Preis vom Fürsten für "die größte Leistung"

Der deutsche Konsul in Athen soll die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen haben, als er vom Vorhaben Kapplers erfahren hat. Das Team von insgesamt vier Personen, darunter zwei Werksmechaniker von Wanderer, kam nach über 90 Stunden und einer anstrengenden Fahrt mit 3400 Kilometern Länge durch acht Länder in Monte Carlo an. Dort wurden sie gefeiert, "als die ersten, denen die Fahrt gelungen". Die Rekordleistung wurde mit einem Sonderpreis "für die größte Leistung" belohnt, den er aus der Hand des Fürsten erhielt.

"Kappler schneller als der D-Zug" meldete die deutsche Presse im Januar 1933, als Kappler mit einem bisher noch nicht in der Öffentlichkeit vorgestellten Audi Front 8/40 PS von Berlin nach Monte Carlo gefahren war. Die 1700 Kilometer absolvierte Kappler in einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 60 Stundenkilometern und stellte damit einen neuen Rekord auf. Die Fahrt wurde allerdings "in aller Stille" unternommen, aber offiziell vom Automobilclub von Deutschland (AvD) überwacht. Diesen Erfolg schreckte aber die Konkurrenz in Stuttgart auf und ließ die Mercedes-Benz-Männer nicht ruhen, die dann nur ein Vierteljahr später den badischen Ausnahmerennfahrer mit dem damals brandneuen Mercedes-Benz 200 auf die Strecke schickten.

Karl Kappler unternahm im April 1933 eine zweite Rekordfahrt zur Unterbietung seiner gerade erzielten Bestleistung. Er startete mit dem vom Werk zur Verfügung gestellten Mercedes-Benz 200, erreichte bei besseren Wetterbedingungen eine Zeit von 24:50 Stunden und unterbot seine alte Bestzeit um mehr als drei Stunden. Seine Ankunft in Monte Carlo nutzte er übrigens, um den befreundeten Rudolf Caracciola zu besuchen, mit dem Kappler sich jahrelang erfolgreich auf so vielen Rennstrecken gemessen hatte.

Für seine außergewöhnliche Leistung wurde Kappler wiederholt mit einem außergewöhnlichen Preis geehrt. Der Automobil-Club von Monaco verlieh ihm die Goldene Ehrennadel als erstem deutschen Motorsportler überhaupt.

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