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Auf eine Bestsellerliste ist kein Verlass
Auf eine Bestsellerliste ist kein Verlass
11.02.2017 - 00:00 Uhr
Gaggenau (mhr) - Bei Bücherfreunden genießt die Sendung Kultcharakter. Bietet doch das ARD-Literaturmagazin "druckfrisch" mit Literaturkritiker Denis Scheck seit 13 Jahren wichtige Orientierungshilfen im undurchdringlichen Bücherdschungel. Und die braucht es dringend bei 90000 Neuerscheinungen pro Jahr. In diesem Reportage-Format werden Bücher empfohlen oder verrissen und namhafte Autoren interviewt. Höhepunkt jeder Sendung ist Denis Schecks unverblümte Kritik der Spiegel-Bestseller. Bei Nichtgefallen schleudert Scheck die entsprechenden Bücher unfreundlich in die bereitgestellte Tonne. Die fehlte zwar am Donnerstag auf der klag-Bühne, was der Live-Wirkung von Deutschlands bekanntestem Literaturkritiker jedoch keinen Abbruch tat.

Die Tonne ersetzten am Donnerstag seine Warnungen vor Büchern, die der bibliophile Mensch sich besser nicht zu Gemüte führen sollte. Negativbeispiele wie Oliver Kahns jüngste Autobiografie, die Sätze enthält wie "die Trennung meiner Frau hatte nichts mit ihrer Person zu tun". Daniela Katzenbergers Werk "Eine Tussi sagt Ja!" bescheinigt Scheck eine "aggressive Antibildungshaltung", eine bloße Ansammlung von verstaubten Herrenwitzen dem "wandelnden Hawaiihemd" Jürgen von der Lippe. Bei Sebastian Fitzeks neuem Psychothriller "Das Paket" reichte der Seufzer "Er hat's schon wieder getan!"

Nebenbei räumte der 52-jährige Literaturkritiker, Übersetzer und Journalist in Hörfunk und Fernsehen mit falschen Vorstellungen auf: "Auf eine Bestseller-Liste können Sie sich nicht verlassen." Hier handle es sich um die meistgekauften deutschen Bücher. Also um Quantität und nicht um Qualität, positive Beispiele wie der neue Asterix-Band "Der Papyrus des Cäsar" seien eher die Ausnahme. Eine gewisse Orientierung schaffe bedingt auch das dichte Netz von Literaturpreisen. Mit der Vergabe des diesjährigen Literaturnobelpreises an Bob Dylan zeigte sich Denis Scheck allerdings nicht einverstanden aufgrund der "falschen Kategorie".

Empfehlungen und Verrisse

Bodo Kirchhoffs mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneter Novelle "Widerfahrnis" attestierte Scheck "Cordanzug"-Attitüden. Den Büchner-Preis für den Lyriker Marcel Beyer hingegen hält er für überaus angemessen. Seiner Berufung "Literaturkritiker aus Leidenschaft" wurde Denis Scheck auch live mehr als gerecht. Der Mann spricht Klartext, seine Empfehlungen und seine Verrisse sind originell, ironisch unterminiert und zeugen von großer Sachkenntnis. Unterhaltsam sind sie obendrein. Dass "Literaturkritik die schönste Tätigkeit der Welt" sei und "mein Leben ohne sie verfehlt wäre", bekannte er in einem Interview. Das glaubt man einem wie ihm, der den Literaturbetrieb in- und auswendig kennt und zwischen 150 und 180 Bücher liest übers Jahr, aufs Wort.

Seine Begeisterung für Autoren und Bücher bringt der mehrfach ausgezeichnete gebürtige Stuttgarter und Wahl-Kölner für jeden nachvollziehbar zum Ausdruck. Auch entkräftet er anhand Peter Rühmkorfs Umgang mit dem Reim das Argument, Literatur erfordere viel Zeit. Ein Gedicht entspreche der literarischen Form für die Gestressten mit der engen Zeitschiene. Das Thema Zeit wiederum verknüpft er mit Christoph Ransmayrs historischem Roman "Cox" und dem "sprachmächtigen" Schweizer Schriftsteller Jonas Lüscher.

In Sachen internationale Literatur warb Denis Scheck für das "sehr stille" Emanzipationsbuch "Nora Webster" des Iren Colm Toibin und für die Bücher der Italienerin Elena Ferrante, der "größten literarischen Sensation seit Umberto Eco". Nicht zu vergessen T.C. Boyles "Terranauten", "der Gegenlektüre zu Trump". Denis Schecks weitreichenden Bücherkosmos im Einzelnen aufzuführen, würde den Rahmen sprengen. Ausführliche Gelegenheiten, die Welt durch die Literatur neu sehen zu lernen, bieten das seit September 2014 von Denis Scheck moderierte SWR- Literaturmagazin "lesenswert" und seine zwei weiteren Fernsehsendungen "Kunscht" und "Druckfrisch".

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