http://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
http://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
Unkalkulierbare Risiken am Tor zur Stadt
Hereinspaziert: Obwohl im Untergrund des Pfleiderer-Areals hochgiftige Stoffe lagern, ist der Zugang meist ungesichert - so wie gestern früh. Foto: Juch
15.02.2017 - 00:00 Uhr
Von Stephan Juch

Gernsbach - "Wenn wir nichts machen, werden die Versäumnisse der Vergangenheit legalisiert." Das betonte Stefan Freundel am späten Montagabend vor rund 40 Gästen, die zur ersten öffentlichen Veranstaltung der Bürgerinitiative Giftfreies Gernsbach gekommen waren. Sie wollen sich dafür einsetzen, dass die Stadt von ihrem aktuellen Vorhaben abrückt, den vergifteten Boden des Pfleiderer-Areals zu versiegeln, mit zwei Lebensmittelmärkten und einem großen Parkplatz zu bebauen. Stattdessen wollen sie darauf hinwirken, dass die Fläche am Tor zur Stadt vollends saniert und einer für künftige Generationen sinnvollen Nutzung zugeführt wird.

"Es handelt sich hier meiner Meinung nach um eine der größten Giftablagerungen in Baden-Württemberg", schilderte Dieter Köhler das Ausmaß der Kontamination: Alleine die geschätzten mehr als 1000 Kilogramm Quecksilber stellten ein "unkalkulierbares Risiko" für künftige Generationen dar, sollte man auf die Fläche "einfach den Deckel draufmachen". Der Chemiker ruft zusammen mit Wolfgang Giese, Frieder Kräuter, Wolfgang Müller und Stefan Freundel die Bürger Gernsbachs dazu auf, sich gegen diese Vorgehensweise zu stemmen und für ein giftfreies Gernsbach zu kämpfen.

Letzterer begrüßte am Montag die zahlreichen Gäste und stellte den Status quo des Geländes und des kommunalpolitischen Handelns sowie die Ziele der Bürgerinitiative und das weitere Vorgehen vor. Nach einer intensiven Diskussion, an der sich neben Gernsbachern auch besorgte Bürger aus Hörden, Kuppenheim-Oberndorf und Weisenbach beteiligten, einigte man sich schließlich darauf, ein Schreiben an alle Gernsbacher Gemeinderäte auf den Weg zu bringen, in dem man auf die Sorgen der Bevölkerung aufmerksam macht und darum bittet, den eingeschlagenen Weg zu verlassen. "Wir wollen nicht gegen die Stadt arbeiten, sondern sie davon überzeugen, dass sie auf dem Holzweg ist", fasste die Bürgerinitiative zusammen.

Sanierungsvertrag verletzt Planungshoheit

Sie sieht sich gut aufgestellt, verfüge über entsprechendes Know-how und sei durch die Resonanz der Bürgerschaft in ihrem Handeln bestärkt, wie Freundel nach dem Gründungstreffen im BT-Gespräch erklärte. Aber man benötige die Unterstützung weiterer engagierter Personen: "Ohne Druck geht nichts."

Diesen Druck könne man aus bereits erfolgten Untersuchungen und aus vorliegenden Gutachten erzeugen. So müsste nach Ansicht der Bürgerinitiative die Stadt Gernsbach den bestehenden Sanierungsvertrag zwischen der Firma Pfleiderer und dem Landratsamt Rastatt hinterfragen. Dieses aus dem Jahr 2005 stammende Papier sei ohne die Zustimmung der Stadt Gernsbach und des Gemeinderats abgeschlossen worden und lasse keine andere Nutzung als die Bebauung mit Lebensmittelmärkten oder Fachmärkten zu. Dies sei eine Verletzung der städtischen Planungshoheit; der Vertrag damit unwirksam. Das habe sogar ein Rechtsgutachten bestätigt, das die Stadt im Jahr 2008 in Auftrag gegeben hatte.

Weiter kritisiert die Bürgerinitiative Giftfreies Gernsbach, dass die offenen Punkte aus dem jüngsten Gutachten des Öko-Instituts Darmstadt noch nicht aufgegriffen wurden. Darin hat ein unabhängiger Experte dazu aufgefordert, das tiefere Grundwasser auf relevante Kontaminationen (insbesondere Quecksilber) hin zu überprüfen und den Wirkungspfad Boden-Mensch sowie den unmittelbaren Wirkungspfad Boden-Grundwasser neu zu bewerten. Nach dem derzeitigen, durchaus verwahrlosten und eher schlecht gesicherten Zustand des Geländes sei zudem eine Überprüfung angezeigt, ob der Verzicht auf Bodensanierungsmaßnahmen mit Blick auf den Wirkungspfad Boden-Mensch noch der Begründung aus dem Sanierungsplan entspricht. "Es bedarf einer erneuten behördlichen Bewertung, mithin also eines neuen Sanierungsplans und einer neuen Sanierungsvereinbarung", forderte der Gutachter.

Geschehen ist dies bislang nicht. Wie das BT gestern auf Nachfrage beim Landratsamt Rastatt erfahren hat, ist der Behörde erst auf eigene Bitte am 16. Januar das Gutachten des Öko-Instituts von der Stadt Gernsbach zur Verfügung gestellt worden - eine Aufforderung zur Stellungnahme gebe es von Gernsbach allerdings nicht. Im Laufe dieses Februars soll nun ein Gespräch zwischen der Stadt und dem Landratsamt stattfinden.

Zuguter Letzt ist die Bürgerinitiative der Meinung, dass die Stadt die zwei neuen Lebensmittelmärkte nicht brauche (Stichwort Verdrängungswettbewerb). Zudem würde dies die Bestrebungen konterkarieren, die Gottlieb-Klumpp- und die Bleichstraße verkehrstechnisch zu entlasten; nicht zuletzt würden laut Bürgerinitiative die bestehenden Einzelhändler in der Alt- und Innenstadt unter der neuen Konkurrenz leiden beziehungsweise gar zugrunde gehen.

www.altlasten-gernsbach.de

BeiträgeBeitrag schreiben 
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Die Zahl der Erkrankungen durch miese Luft wird nach Ansicht eines Experten in den Städten steigen. Ein Grund für Sie, aufs Land zu ziehen?

Ja.
Nein.
Ich wohne bereits auf dem Land.

Wetter in Mittelbaden


Facebook


BT Kinospot


Online-Beilagen
Aldi Sued Rastatt gültig ab 19.02.2017

Aldi Süd


Rastatt

gültig ab:
19.02.2017

Octomedia Rastatt gültig ab 22.02.2017

Octomedia


Rastatt

gültig ab:
22.02.2017

© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen