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Schlechte Drogengeschäfte und falsche Rache eine "dumme Idee"
Schlechte Drogengeschäfte und falsche Rache eine 'dumme Idee'
16.02.2017 - 00:00 Uhr
Gernsbach/Forbach (ham) - "Ein Warnschuss ist angezeigt, damit der Angeklagte zur Besinnung kommt." Richter wie Staatsanwaltschaft waren sich am Dienstagnachmittag einig, dass ein 19-jähriger Drogendealer nicht noch einmal völlig ungeschoren davonkommt - weil ihm Richter Ekkhart Koch erst eine Woche vor der Tat am 4. August 2016 beim Amtsgericht Gernsbach ins Gewissen geredet hatte.

Hinzu kam zur Dummheit, prahlerisch und offen vor Kindern mitten in Forbach mit Marihuana zu handeln und zu portionieren, auch noch Gewalt: Weil der Reichentäler glaubte, dass ihn ein 15-Jähriger bei der Polizei verpfiffen hatte, schlug er diesen beim Wiedersehen tags darauf zweimal ins Gesicht. Der Junge, der nur zufällig aus dem Lebensmittelladen kam, in dem der von der Polizei observierte 19-Jährige verhaftet wurde, erlitt eine Gehirnerschütterung. Mehr als ein halbes Jahr nach der Tat hat der Forbacher noch bei Bewegungen ein leichtes Kieferknacken. Immerhin bestätigte sich der Vorwurf nicht, dass der Junge am Boden lag und der Täter auf ihn eintrat.

Widersprüchlich fielen die Aussagen bezüglich der Schläge im Murggarten aus: Nachdem der Drogendealer den 15-Jährigen auf der Treppe hinab zu den Toiletten zerrte, wollte er ihn dort nur mit "ein, zwei leichten Faustschlägen" traktiert haben. Das Opfer sprach auf Nachfrage Kochs mehrfach von Schlägen "mit der flachen Hand", obwohl bei der Polizeiaussage die Verletzungen noch von einer "Faust" herrühren sollten - ob Furcht vor künftigen Treffen für die harmlosere Version sorgte, blieb im Dunkeln. Ein Freund des Malträtierten konnte nichts Neues beitragen; ein dritter Zeuge blieb lieber ganz fern - seine Mutter begründete dies gegenüber dem Amtsrichter mit "Angst vor dem ortsbekannten Schläger". Für einen Krankenhausbesuch in Balg reichte die Attacke jedenfalls. "Was sollte die vermeintliche Rache?", erkundigte sich Koch. "Eigentlich bringt es nix. Dumme Idee", räumte der 19-Jährige schmallippig ein.

Besonders schweigsam gab sich der Reichentäler beim Nachbohren, woher er seine Drogen bezogen habe. Die Ausführungen, "sich nicht mehr zu erinnern", schienen dem Richter unglaubwürdig. Angesichts des von der Polizei per Video dokumentierten Drehens von "drei Joints vor den Augen zweier kleiner Kinder" (Koch) seien die Taten in Forbach nur die "Spitze des Eisbergs", assistierte Staatsanwalt Andreas Adam. Dennoch stellte sich der 19-Jährige weiter taub und deckte seinen Lieferanten der sichergestellten 10,5 Gramm Marihuana.

Dass der Hauptschüler mit einem Abschluss-Notenschnitt von 3,1 in Mathematik wohl besonders wenig aufgepasst haben dürfte, lässt sich aus seinen Preisen schließen: Das Gramm Marihuana habe er zu "acht Euro" eingekauft.

Dealer kein cleverer Geschäftsmann

Angesichts des Risikos, in einem Dorf wie Forbach "nicht unbemerkt zu bleiben" (Koch), ist die Gewinnspanne bei einem Verkaufspreis von zehn Euro je Gramm wenig einträglich - zumal der Dealer auch noch "nach Augenmaß" portionierte. Da er einmal wohl dadurch 1,3 Gramm für zehn Euro verkaufte, legte er bei dem Megadeal sogar leicht drauf. Die Kriminalbeamten stellten beim Verhafteten laut Koch "fünf Alubeutel mit 1,3 bis 1,6 Gramm" Inhalt sicher. Zuvor hatte er neben dem Ein-Gramm-Deal noch einen mit zwei Gramm (hier war es wohl rund ein Fünftel weniger) für 20 Euro abgeschlossen, rekapitulierte Staatsanwalt Adam.

Weil der Täter mehrfach polizeiauffällig wurde, aber ungeschoren oder mit leichten Strafen wie 40 Arbeitsstunden davongekommen war, plädierten der Staatsanwalt wie der Richter diesmal für einen ernstzunehmenden "Warnschuss". Positiv wertete Adam die "Reue", die der Arbeitslose mit dem bereits begonnenen Kurs bei der Fachstelle Sucht zeigte. Zudem versprach er die weitere Zusammenarbeit mit der Jugendgerichtshilfe. Seine dortige Helferin berichtete von gewisser Einsicht und dem Bemühen, eine Ausbildungsstelle zu finden.

Die Forderung des Staatsanwalts nach 40 Tagen im Dauerarrest in der Jugendarrestanstalt in Rastatt reduzierte Koch auf 20 Tage samt anschließender halbjähriger Betreuung durch die Jugendgerichtshilfe. Schließlich sei der Angeklagte "noch nicht so gereift, dass Erwachsenenstrafrecht" anzuwenden sei. Dass der bald 20-Jährige besser Polizeikontakt meidet, liegt nicht allein an der Drohung seiner Mutter, beim nächsten Vorfall das schwarze Schaf der Patchworkfamilie daheim rauszuwerfen.

Der Richter stellte in seinem Schlussappell ebenso klar: "Die Party ist vorüber. Bei neuen Straftaten droht Ihnen mindestens ein halbes Jahr Gefängnis in Adelsheim. Das ist kein Späßchen dort. Machen Sie also etwas mit und machen Sie etwas aus Ihrem Leben."

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