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Hamster haben es auch nicht leicht
Mit 'Händels Hamster' präsentiert das 'Theater der Nacht' aus Northeim einen gelungenen Auftakt der Gernsbacher Puppentheaterwoche. Foto: Haller-Reif
03.04.2017 - 00:00 Uhr
Margrit Haller-Reif

Gernsbach - Da staunten selbst Händel-Kenner nicht schlecht: Der Barockkomponist Georg Friedrich Händel hatte einen Hamster. Natürlich keinen gewöhnlichen Hamster, sondern einen sprechenden, der zudem maßgeblich bei den Händel'schen Kompositionen mitwirkte - zumindest in der Inszenierung "Händels Hamster" des "Theaters der Nacht", dem furiosen Auftakt der diesjährigen Gernsbacher Puppentheaterwoche am Samstagabend in der Stadthalle.

Diesen Stoff als Figurentheater mit Schattenspielelementen aufzubereiten, ist schon ungewöhnlich genug und sicher nicht zuletzt ein Verdienst von Regisseur Neville Tranter. Die grandiose Umsetzung ist Ruth und Heiko Brockhausen zu verdanken und der Tatsache, dass in dieser Inszenierung alles stimmte: Spieler, Puppen, Timing, Humorgehalt und viel Liebe zum Detail machten die Auftragsproduktion für die Händel-Festspiele 2016 in Göttingen zu einem prallen Rundum-Genuss.

Nicht zu vergessen der Titel, eine witzige Alliteration, in weinseliger Runde bei einer Sitzung mit dem Geschäftsführer der Händel-Festspiele entstanden. In einem schlichten Bühnenbild mit Obstkorb, Cembalo und Königskonterfei wird die Zeit des Barock durch geschickte Lichttechnik opulent in Szene gesetzt. Im Mittelpunkt steht die Schaffenszeit und -krise Händels im London des 18. Jahrhunderts. Allein der Prolog, in dem Ruth und Heiko Brockhausen pantomimisch als Dienerpaar im Hause Händel auftreten, ist so außergewöhnlich wie einfallsreich: Der Komponist als sprechende Teekanne, der Hamster als Milchkännchen nebst dem italienischen Tierhändler als Zuckerdose führen ins Geschehen ein. Händel ersteigert den sprechenden Hamster, tauft ihn auf den Namen Giovanni und nimmt ihn mit nach London. Mit der Rolle des braven Haustiers will sich dieser Hamster jedoch nicht abfinden, besitzt Giovanni doch noch ganz andere Talente: "Spiel mal cis und jetzt ein b", mischt sich der flauschige Nager und notorische Besserwisser ungefragt ein, als sich Händel am Cembalo an einer neuen Komposition versucht. "Ich schreib dir das mal auf!" Wenn er sich vernachlässigt fühlt oder eingesperrt, verkriecht sich Giovanni entweder im Cembalo oder unter einer Warmhaltehaube. Winken Schokolatini, verlässt er sein jeweiliges Versteck jedoch prompt.

Opulentes Geschehen im Barock

Nach und nach treten Händels Weggefährten in Erscheinung: Nachbarin Mary, gefolgt von ihrer Monsterkatze, überbringt "good news" wie die Neueröffnung einer weiteren Oper. Oder aber "bad news" mit dem Tod von King George, einem spendablen Förderer Händels. Johann Jacob Heidegger, Schweizer Verwaltungsdirektor am King 's Theatre, macht mächtig Druck wegen einer neuen Oper. Denn die "Bettleroper" von Johann Christoph Pepusch entpuppt sich als mächtige Konkurrenz. Wenn Händel mit dem Starkastraten Senesino um die Gage für sein neues Werk feilscht, bleibt kein Auge trocken. Dramatisch geht es zu, als Heidegger Händel kündigt, weil dessen neue Komposition ausgebuht worden ist. Beim Angriff der Monsterkatze auf Giovanni sträuben sich die Nackenhärchen vor Entsetzen. Giovanni flieht, kehrt jedoch bald wieder zurück. Um am Ende zu den Klängen der "Krönungsmesse" seinen eigenen Triumph zu erleben.

In aufschlussreichen Bildern nimmt die Geschichte ihren Verlauf. Untermalt mit musikalischen Sequenzen, die die jeweilige Atmosphäre stark verdichten. Jeder der fünf Rollen hauchen die Brockhausens dank nuancierter Spieltechnik und Stimmgebung, einfühlsamer Mimik und dem passenden Dialekt individuelles Leben ein. Der Figuren-"Maestro" sächselt königlich in Anlehnung an den in Halle an der Saale geborenen Komponisten. Die überkandidelte, schwer aufgerüschte Nachbarin Mary artikuliert sich bevorzugt in spitzen Schreien.

Herrlich skurrile Wesen

Trotz offener Spielweise verschmelzen die Menschenprotagonisten in Bewegung und Ausdruck nahezu vollständig mit den lebensgroßen Klappmaulfiguren Marke Eigenbau. Dem beleibten Händel sieht man den Genießer förmlich an, dem Starkastraten Senesino den eitlen Gockel. Ohne in Klamauk abzudriften, versprühen die Klappmaulfiguren satirischen Gehalt.

Herrlich skurrile Wesen, aus simplem Matratzenstoff, mit Kontaktkleber gehärtet, inklusive Feinschliff mittels Stoff und Stoffmalfarbe.

Wunderbar diese Inszenierung aus einem Guss: "Voll cool" sagte der Junge aus der ersten Reihe mit leuchtenden Augen zu seiner Schwester, "genial" eine erfahrene Puppentheaterfreundin. Der donnernde Applaus und die Begeisterung ringsum gaben ihnen Recht.

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