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Die Magie von Licht und Schatten
Lassen tief in die poetisch-philosophische 'Schatztruhe' blicken: Christiane Ahlhelm und Andreas Schantz. Foto: Haller-Reif
05.04.2017 - 00:00 Uhr
Von Margrit Haller-Reif

Gernsbach - Fräulein Ophelia muss sich von einem jungen Publikumsgast auf die Bühne helfen lassen. Sie sei spät dran, sagt das alte Fräulein im mausgrauen Kostüm samt Hütchen, und außerdem aufgeregt. Eher unaufgeregt setzte dagegen die Inszenierung "Ophelias Schattentheater" des Theaters Kunstdünger aus Valley die herzerwärmende Geschichte nach Michael Ende in Szene. Doch unversehens hatten Christiane Ahlhelm und Andreas Schantz ihr Publikum mit dem faszinierenden Spiel aus Licht und Schatten in ein Reich zwischen Wirklichkeit und Fantasie entführt...

Christiane Ahlhelm stattet die Rolle von Fräulein Ophelia mit viel Feingefühl aus. Das unaufhörliche Wispern in ihrer Tasche versucht die leicht schusselige, aber pedantische und fürsorgliche alte Dame zu ignorieren. Zuerst muss sie ihr Schattentheater aufbauen. Was man dafür braucht, erklärt sie genau: ein schattenspendendes Objekt, Licht in Form eines Scheinwerfers und einen Schattenschirm.

Nebenher lässt Fräulein Ophelia ihr Leben Revue passieren: Den Namen gaben ihr die Eltern in der Hoffnung, dass aus ihr eine große Schauspielerin wird. An ihrer leisen Stimme sei dieser Traum gescheitert, deshalb sei sie Souffleuse geworden in einem kleinen Theater in einer kleinen Stadt.

"Habt ihr Angst vor Schatten?", fragt sie das Publikum unvermittelt. In ihrer Tasche haben nämlich vier herrenlose Schatten Unterschlupf gefunden und nun stößt als fünfter noch ein stotternder namens "Dunkelangst" dazu. Denn Schatten besitzen den Vorteil, dass sie sich ganz klein machen können. Und Fräulein Ophelia stören sie nicht, im Gegenteil. Sie, die Zeit ihres Lebens Souffleuse war und alle großen Theaterstücke der Welt auswendig kennt, war sehr einsam, als das Theater geschlossen und ihr gekündigt wurde.

Weil sich die Schatten immer wieder streiten, studiert Fräulein Ophelia mit ihnen die Theaterstücke berühmter Autoren ein. Doch wegen der vielen lauten Stimmen muss sie ihre Wohnung verlassen und reist nun mit den Schatten ans Meer. Nun wollen diese ihr helfen aus Dankbarkeit. Gemeinsam werden Schattenstücke inszeniert, wenn es auch wegen der Rollen heftiges Gezanke gibt. Schon bald geht Fräulein Ophelias Schattentheater auf Tournee. Doch eines Tages begegnet sie einem geheimnisvollen Schatten, dem größten und dunkelsten von allen... Er ist gekommen, um Ophelia abzuholen. In Menuettschritten tanzen sie hinein in einen leuchtenden Horizont, zwischen sich wohl geborgen die schwarze Tasche mit den einst heimatlosen Schatten.

Christiane Ahlhelm und Andreas Schantz verleihen der poetisch-philosophischen Inszenierung nach der Buchvorlage von Michael Ende sanfte märchenhafte Kraft. Unter der Regie von Annette Geller fließen Schattentheater und Schauspiel ineinander. Verwoben zu einem homogenen Ganzen, das seine Wirkung nicht zuletzt aus schimmernden Farben, leisen Tönen und verspieltem Humor bezieht.

In dieser zauberhaften Inszenierung (Ausstattung: Sibylle Kobus, Gerit Hirsch) entfaltet das Wechselspiel von Licht und Schatten einen geradezu magischen Sog. Schattensequenzen aus Shakespeares "Sommernachtstraum" und der tragikomischen Geschichte von Pyramus und Thisbe werden mit wenigen Mitteln ausdrucksstark aufbereitet, ernst und komisch zugleich.

Christiane Ahlhelm spielt das Fräulein Ophelia mit einem feinen Gespür für Nuancen. Die Rollen der herrenlosen Schatten verkörpert Andreas Schantz vielgestaltig hinter der einer offenen Riesentasche nachempfundenen Leinwand. Seine Talente erstrahlen im Schattenwurf des Lichtes auf ganz besondere Weise. Am Ende betritt er in seiner sechsten Rolle die Bühne. Und doch stimmt das Ende keineswegs traurig, sondern wundersam heiter. Die Premiere des Theaters Kunstdünger bei der Gernsbacher Puppentheaterwoche war gleichzeitig die letzte öffentliche Aufführung von "Ophelias Schattentheater". In Gernsbach wird das Theater Kunstdünger auch künftig hochwillkommen sein.

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