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"Sag mal geht′s noch?" sorgt für Lachtränen
Regina und Sohn Daniel Wagner reißen das Publikum dank ihrer unbändigen wie energiegeladenen Spielfreude mit.  Foto: Haller-Reif
08.04.2017 - 00:00 Uhr
Von Margrit Haller-Reif

Gernsbach - Es waren einmal vier Tiere in einem Altersheim in Brandenburg in der Uckermark. Die wollten in Berlin etwas Besseres finden als den Tod, doch ihr erster Versuch scheiterte kläglich. Am Donnerstagabend wartete die Fortsetzung der Geschichte auf das Stadthallenpublikum: "Sag mal geht's noch?" - Die Berliner Stadtmusikanten II.

Im Altersheim "Zum Sonnenschein" spielt sich auch diesmal in der Inszenierung des Theaters Zitadelle Merkwürdiges ab. Als Zuschauer merkt man gleich, wie der Hase läuft. Pardon, das Kaninchen, spielt doch auch Hartmut Hase, einst Versuchskaninchen in einer Hutmanufaktur für Zylinder von Zauberern, eine Rolle als Spion. Die ehemals Kung-Fu-kundige Kuh im rosa Tutu, der Wolf mit Glasauge und Armbinde, Frau Katze, die alles vergisst, und der labile Spatzi-Matzi sind die Protagonisten.

Das beinharte Sagen im Altenheim haben Schwester Gisela (Regina Wagner) und Pfleger Eugen (Daniel Wagner). Der Tagesablauf ist strikt und die "IF"-Maßnahmen ("Individuelle Freizeitbeschäftigung") "kannste vergessen." Umso engagierter bereichert sich das Pflegeduo mit Hilfe von Pillen, die farbige Träume schenken, an den Bewohnern.

Die tragikomische Gaunergeschichte wird in Teil II (Regie: Pierre Schäfer) zu launigen Klängen (Musik: Stefan Frischbutter) dynamisch weitergesponnen. Das vitale Geschehen im minimalistischen Bühnenbild handelt von allerlei Verstrickungen, alten Freundschaften und Feindschaften. Eine alte Liebschaft erwacht neu, ein Jahrhundert-Diamantenraub spukt durch die Köpfe. Der zaghafte neuerliche Traum von der langersehnten Reise nach Berlin wird von einem Couplet von Otto Reutter beflügelt. In dieser ungewöhnlichen Seniorenresidenz entwickelt sich vieles anders als erwartet. Das haben sie Regina und Daniel Wagner zu verdanken. Ihre unbändige, gleichermaßen mitreißende und energiegeladene Spielfreude zieht unmittelbar in Bann.

Das Publikum lacht sich schief über die Pointen und entdeckt manchmal zufällig denselben Spaß daran in den Gesichtern hinter den Figuren. Die ausdrucksstarken, teils lebensgroßen Klappmaulfiguren werden perfekt geführt und stimmlich so variabel wie treffsicher charakterisiert. Dadurch erhält die Kommunikation im tierischen Typenkarussell einen außerordentlich witzigen, mitunter auch anrührenden emotionalen Anstrich - zumal die Dialoge vor trockener Ironie triefen.

Mit dem mafiös angehauchten Fuchs und zwei trotteligen Kuschel-Schafen als Neuzugängen erfährt das Stück eine weitere typenkomische Bereicherung. Doch nicht nur die "geistig" einfach gestrickten, aber umso liebenswerteren Schafe ernten Lachsalven. Originelle Spielideen, knackiger Humor und funkelnde Sprachspiellust verleihen der Inszenierung zusätzlich hochpotenzierten Charme. Der Berliner-Schnauze-Dialekt bewirkt ein Übriges. Leichtigkeit in allem ist Trumpf im Schauspiel- und Figuren-Miteinander von Regina und Daniel Wagner.

Mutter und Sohn sind Profis durch und durch. Daniel Wagner ist ausgebildeter Puppenspieler. Ein Absolvent der Berliner Hochschule "Ernst Busch", wo schon seine Mutter Regina mehr als 20 Jahre zuvor das vielfältige Puppenspiel-Rüstzeug erlernte. Seit 1996 betreibt sie mit Daniels Vater, dem bildenden Künstler und Ausstatter Ralf Wagner, das Theater Zitadelle mit festem Spielsitz in der Spandauer Zitadelle. Der Sohn des Hauses ist Ensemblemitglied und manchmal auch Regisseur.

Doch zurück zu den Berliner Stadtmusikanten: Eine vergiftete Apfelhälfte, der berühmte blaue Diamant und das nicht minder berühmte Diebestrio "Die beiden Drei" hatten zwischenzeitlich für "Frust, Zusammenbruch und Eskalation" gesorgt. Aber nicht lange. Es kam, wie es auch in einer märchenhaften Figurentheaterinszenierung kommen muss: Ende gut, alles gut. Insgesamt lacht man Tränen bei dieser tierisch komischen Figuren-Sitcom zum Küssen.

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