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Grandioser "Schimmelreiter"
Silke Technau und Stephan Schlafke werden mit ihrem gespenstischen Pferdeskelett gefeiert.  Foto: Gareus-Kugel
10.04.2017 - 00:00 Uhr
Von Veronika Gareus-Kugel

Gernsbach - Der Applaus in der Gernsbacher Stadthalle am Spielschluss wollte einfach nicht verklingen. Immer wieder mussten die Puppenspieler Silke Technau und Stephan Schlafke vom Kobalt Figurentheater Lübeck vor das Publikum treten und sich feiern lassen. Mit dem Puppenspiel "Der Schimmelreiter", als Abschluss der 29. Puppentheaterwoche, trafen die Veranstalter einen Nerv.

Zu sehen bekamen die Puppenspielfans eine breit angelegte Inszenierung, umgesetzt mit Hilfe grandiosen Spiels. Erzählt wird die Novelle von Theodor Storm vom gespenstischen Pferdeskelett von Jevershallig immer dicht an der Vorlage dran. Zur Sage: 1883 erscheint in Hamburg der Nachdruck einer Deichsage von der Weichsel ("Der gespenstische Reiter"), die später der in Husum geborene Dichter Theodor Storm als Grundlage für seinen "Schimmelreiter" nutzen sollte.

Es ist eine schauerliche Gespenstergeschichte, die der Dichter mit der modernen Form der Novelle zu verknüpfen verstand. Es sollte sein letztes Werk sein. Kurz nach einer ersten Veröffentlichung starb Storm.

Im Mittelpunkt des Werks stehen Aberglaube, Naturgewalten, deren Unberechenbarkeiten und der junge, blitzgescheite Deichgraf Hauke Haien. Der am Ende der Erzählung mitsamt seiner Frau und Tochter in den Fluten des Meers ein tragisches Ende nimmt. Doch bis dahin dauerte es am Samstagabend zum Glück noch eine Weile. Dazwischen bekamen die Besucher in der ausverkauften Vorstellung von Technau und Schlafke ein meisterliches Spiel an den Marionettenfäden geboten. Mit Genauigkeit führen die Spieler ihre Hauptprotagonisten durch die Geschichte, gehen mit diesen eine Symbiose ein. Die Spieler verleihen mit viel Können und filigranem Spiel den Figuren jene Geschmeidigkeit, die notwendig ist, um der Fantasie Raum zu verschaffen.

Der Spannungsbogen wird bis zum abschließenden Showdown hochgehalten. Langeweile Fehlanzeige. Die Spielweise ist offen. Das Schauspiel jedoch zugunsten des Puppenspiels zurückgenommen. Die Spieler ahnt man mehr, als dass man sie sehen kann.

Hain kämpft über die gesamte Spieldauer hinweg einen schier aussichtslosen Kampf. Bequemlichkeit und Aberglaube vernebeln die Gehirne der Dorfbewohner. Trost findet er bei seiner schwachsinnigen Tochter und seiner Frau. Sein Ritt auf seinem weißen Schimmel über die Deiche ist feurig. Weitere zentrale Figuren, ohne die die Geschichte nicht funktionieren würde, sind die alte Frau Trin Jans, Ole Peters sein Gegenspieler, dessen Frau Vollina Harders, ein echtes Klatschmaul, sowie weitere Dorfbewohner.

Novelle die Düsternis genommen

Zu köstlich gerät der Balztanz der beiden. Jeder Dorfbewohner hat seine eigenen Charakteristiken. Haien wird als tragischer Held in Szene gesetzt. Das Pferdeskelett wird zum Publikumsliebling. Nicht zuletzt durch eine amüsante Erzählweise, die der Novelle etwas die Düsternis und Schwere nimmt.

Viel Aufmerksamkeit widmen die Spieler auch der Natur und ihrer Darstellung. Aus den Lautsprechern sind heulender Wind und das tosende Meer zu hören. Überraschend erklingen dazwischen kraftvolle Rockballaden, getarnte Anleihen aus Storms Gedichten.

Gearbeitet wird mit starken Bildern, die der spukhaften Geschichte zusätzliche Kraft verleihen. Auf weißen Fransenvorhängen und Leinwänden wogt das tosende Meer, eingeblendet das Geisterpferd, wie es langsam sich auflöst und verschwindet. Frühling, Sommer und Winter wechseln sich darauf ab. Zum Schluss holt sich die über das Dorf in Nordfriesland hereinbrechende Sturmflut Hauke Haien und seine Familie.

Es ist eine künstlerisch und spielerisch anspruchsvolle Inszenierung, die das Publikum am Samstagabend über mehr als eineinhalb Stunden zu sehen bekommt und bei der Dietmar Staskowiak Regie führte. Für die Ausstattung holte sich die Puppenbühne Kilian Kreuzinger, Ria Bredemeyer und Denise Sheila Puri ins Boot. Auch Spieler Schlafke war daran beteiligt. Die Figuren des grandiosen Schlusspunkts der Puppentheaterwoche schufen Antje und Jürgen Hohmuth.

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