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Gültiges Vermächtnis von Bonhoeffer
Gültiges Vermächtnis von Bonhoeffer
11.04.2017 - 00:00 Uhr
Forbach (kv) - Gerne hätte man dem Liedoratorium "Dietrich Bonhoeffer", das in der fast voll besetzten Mauritiuskirche in Reichental am Sonntagnachmittag für viele Gänsehautmomente sorgte, noch mehr jüngeres Publikum gewünscht. Denn auch am 72. Jahrestag der Ermordung des evangelischen Theologen durch die Nazis ist seine Botschaft aktueller denn je: Wirkungsvoll wurde sein Vermächtnis in Texten (Autor Dieter Stork) und Chorstücken des Liedoratoriums von Matthias Nagel (Dozent für kirchliche Popularmusik) dargeboten. Der Chor der Uccelli Canori aus Reichental erwies sich als feinfühlig.

Fast wie der Gang auf das Schafott muteten die Klänge der kleinen Trommel an, als die Sänger und Musiker ihre Plätze an der Stirnseite der Kirche einnahmen. Diese Klänge schwebten im Hinterkopf während des gesamten Oratoriums. Der Theologe war einen Monat vor der Kapitulation der Nazis mit einer Klaviersaite im KZ Flossenbürg erdrosselt worden.

Auch wenn das Oratorium immer wieder lebendige Pop-Klänge und hoffnungsvolle Texte durch das Kirchenschiff schickte, das drohende Schicksal war stets präsent. Innerhalb von zwei Stunden entstand bei den Zuhörern das Bild eines Mannes, der trotz vieler Ängste auf seinem schwierigen Weg immer fester in seinem Glauben ruhte. Mit seiner Zuversicht und klaren Sprache bietet er auch heute noch mancher Stammtischparole Paroli.

Störender Beifall verboten

Zwischen den Liedern führte Sprecher Anton Knapp mit ruhiger, sachlicher Stimme die von der musikalische Präsenz des Chores begeisterten Zuhörer immer wieder auf das Leben und die Glaubensbotschaft dieses Mannes zurück. Ohne störenden Zwischenbeifall, das hatten sich die Akteure ausbedungen, spannte sich so ein weiter Bogen durch das ganze Leben und Wirken von Bonhoeffer - zwei Stunden, die wie im Flug vergingen. Aber nicht nur Texte zu Glaubensfragen wie "Es gibt keinen Weg zum Frieden auf Wegen der Sicherheit" oder "Ich glaube an die Universalität der Brüderlichkeit" berührten die Herzen.

Auch der Mensch Bonhoeffer, der sich in die erst 18-jährige Maria von Wedemeyer verliebte und sich mit ihr verlobte, wurde sichtbar in den innigen Sololiedern "Marias Lied" (Stefanie Ronecker und Claudia Kozlevcar) und "Dietrichs Lied" (Thomas Merkel), bei denen die Solisten aus dem Chor dem Liebespaar eine ergreifende Stimme gaben.

"Herrliches Werk führt durch die Karwoche"

Chorleiterin Gea Seyfahrt hat aus ihrem 28-köpfigen Chor einen homogenen Klangkörper geformt, den sie mit einem klaren unprätentiösen Dirigat durch alle Finessen des Oratoriums führte. Die Musiker Klaus Martin Kühn (E-Piano), Roswitha Friedel (Querflöte), Michael Wörner (Tenor- und Sopransaxofon) und Jonas Käshammer (Percussion) hielten sich im Hintergrund. Es ergaben sich schöne musikalische Dialoge zwischen Chor und Musikern. Hans Werner Wedemeyer bedankte sich im Namen des gesamten Publikums für "dieses herrliche Werk, das Sie uns geschenkt haben, das jeden von uns ein Stück auf dem Weg durch die Karwoche und das Leben führt".

Aber das schönste Kompliment dürfte für alle Mitwirkenden wohl sein, dass das Publikum dem Oratorium über die zwei Stunden Dauer hinweg gebannt folgte und vor dem Schlussapplaus, den die Zuhörer im Stehen spendeten, ein langer Moment der absoluten Stille herrschte, der Ergriffenheit und Respekt ausdrückte.

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