http://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
http://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
"Barrierefrei" für Murgbewohner
13.04.2017 - 00:00 Uhr
Von Markus Mack

Forbach - Frühlingsidylle pur: Vögel zwitschern, die Sonne scheint, die Murg rauscht. Ein kurzes Zappeln, ein paar Spritzer, und schon sind sie in den kühlen Fluten verschwunden - die neuen Flussbewohner. "Den Fischen gefällt es hier wahrscheinlich besser als im Rhein", mutmaßt Dr. Frank Hartmann. Der Leiter der Fischereibehörde beim Regierungspräsidium Karlsruhe hat gerade rund 20 Barben, Döbel und Nasen ausgesetzt.

Anlass der symbolischen Aktion: Dieses Jahr sei es gelungen, an allen bedeutenden Wasserkraftanlagen der Murg zwischen Rastatt und Baiersbronn angemessene Lösungen zur ökologischen Modernisierung zu vereinbaren, berichtet das Regierungspräsidium.

Zahlreiche Standorte beließen bereits heute ausreichend Wasser in der Murg, viele Fischpässe sind in Betrieb. An anderen Standorten wird gebaut, derzeit laufen die Planungen, und die Umsetzungen sollen bis spätestens 2020 abgeschlossen sein, heißt es aus der Karlsruher Behörde.

Die neuen schuppigen "Murgtäler" waren zuvor in der Reuse bei der Staustufe Iffezheim aus dem Rhein geholt worden. Das "Fischteam" des RP mit Juristin Petra Neff und Agraringenieur Stephan Hüsgen hatte zwar auf mehr Tiere gehofft, aber "die Reuse war zugesetzt", erläutert Hartmann. Für ihn ist dies aber kein Nachteil, so hätten die Tiere beim Transport im Spezialbehälter weniger Stress. Unterwegs wurden die Fische bereits an ihre neue "Heimat" angepasst, mit Murgwasser, das in Oberndorf gegen das Rheinwasser ausgetauscht wurde.

Von den einst 20 in der Murg beheimateten Fischarten blieben im Verlauf der Zeit nur noch fünf übrig: Schmerle, Elritze, Döbel, Äsche und Bachforelle - und das waren lediglich Einzeltiere, erläutert Hartmann. Das Wasser der Murg wurde gewerblich genutzt, die schwankenden und niedrigen Pegelstände verursachten den Artenrückgang.

Ganz begeistert zeigt er sich vom "Einsatzplatz" bei der Forbacher Heppenau-Hütte, "ein echtes Paradies". Den Fischen scheint es auch zu gefallen. Kaum im Wasser, sind sie verschwunden. Die Tiere suchen sich zunächst Plätze zum Ausruhen, dann machen sie sich weiter flussaufwärts auf den Weg, denn "das Leben eines Flussfischs ist ein Kampf gegen die Strömung". Der Grund: In den Oberläufen finden sie die besten Lebensbedingungen und Laichplätze. Es soll nicht bei den 20 ausgesetzten Fischen bleiben; weitere Ansiedlungen seien geplant. Verschiedene Untergründe wie Fels, Kies oder Sand, unterschiedliche Strömungsverhältnisse, Laichplätze und jetzt auch genügend Wasser seien vorhanden, freut sich Frank Hartmann.

"Erst Änderungen des Wasserhaushaltsgesetzes 2010 und die damit verbundene Stärkung des Gewässerschutzes eröffneten Möglichkeiten, den Lebensraum Murg zu verbessern", erläutert Petra Neff vom Rechtsreferat der Umweltabteilung im RP. Es waren "schwierige Jahre", um die Anforderungen für den Mindestabfluss und die Durchgängigkeit für Fische juristisch durchzusetzen, blickt sie zurück.

Juristischer Kampf um Mindestabflüsse

An über 20 Wasserkraft- und Industrieanlagen mussten teilweise in langen Abstimmungen und Rechtsverfahren die Fischtreppen und Fischschutzanlagen, günstige Einleitwerte sowie Mindestabflüsse angeordnet und auch erstritten werden. Ganz ist die Entwicklung noch nicht abgeschlossen, so sind beispielsweise am Wehr in Kirschbaumwasen und beim Niederdruckwerk der EnBW in Forbach sogenannte Fisch-Lifte geplant, die den Tieren den Auf- und Abstieg im Gewässer ermöglichen sollen (das BT berichtete). Ein "lebendiger Fluss" ist das Ziel, bei dem sowohl die Belange der Energieerzeuger als auch des Naturschutzes berücksichtigt werden. "Es geht immer um die Energie", und da gelte es, das richtige Maß zu finden, so Hartmann.

Weiterhin kann der Großteil des Wassers der Murg von Industrie und Energieerzeugern genutzt werden. Durch verbesserte Schutzmaßnahmen erfolgt dies künftig so, dass auch Flora und Fauna eine Chance bekommen. Der Lachs laicht bereits seit 2005 im Unterlauf der Murg. In absehbarer Zeit könne er auch Laichplätze weiter flussaufwärts erreichen.

1200 Liter Wasser pro Sekunde ist der momentane "Ablass" aus dem Wehr Kirschbaumwasen, bis 1600 Liter soll er noch gesteigert werden. Das reicht, um aus der Murg wieder eine Heimat für Fische zu machen. Weiter flussabwärts ist das noch nicht überall der Fall. So muss das Wehr beim Forbacher Eulenfelsen, wo das Wasser für das Wolfsheck-Kraftwerk abgezweigt wird, noch ertüchtigt werden. Absprachen mit dem Wolfsheck-Eigner, der Karl-Gruppe aus Bayern, seien erfolgt, erläutert Petra Neff. Die Anpassungen der Wehranlagen seien Sache der Eigentümer.

Dass Fischbesatz vorhanden ist, das unterstreicht ein Fliegenfischer, der beim Besuch am Kirschbaumwasener Wehr dort seinem Hobby nachgeht.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Murgtal
Tour de Murg: Bald zwei Lücken weniger

20.04.2017 - 00:00 Uhr
Bald zwei Lücken weniger
Murgtal (uj/stj) - Es sind fast unendliche Geschichten beim Radweg "Tour de Murg": Sowohl die neue Brücke in Weisenbach als auch das fehlende Teilstück in Gaggenau lassen auf sich warten. Jetzt gibt es neue Entwicklungen, die einen Lückenschluss realistisch erscheinen lassen (Foto: uj). »-Mehr
Forbach
--mediatextglobal-- Malerisch gelegen - trotzdem verlor Forbach ein Drittel seiner Einwohner. Nun soll die Kehrtwende folgen.  Foto: Metz

15.04.2017 - 00:00 Uhr
Ein "Ruck" geht durch Forbach
Forbach (ham) - Die bei einer dreitägigen Klausurtagung einstimmig vom Gemeinderat abgesegneten "Leitlinien" sollen in Forbach (Foto: Metz) "einen Ruck" auslösen. Mit einem breiten Maßnahmenbündel soll die Einwohnerzahl wieder bis 2030 auf 6 000 anwachsen. »-Mehr
Rastatt
Spenden für Patenschulen

05.04.2017 - 11:45 Uhr
Spenden für Patenschulen
Rastatt (red) - Die August-Renner-Realschule hat in Nepal verschiedene Patenschulen. Diesen wird regelmäßig Geld gespendet, das durch Aktionen wie Verkäufe auf dem Weihnachtsmarkt, dem Sponsorenlauf und Verkäufe von gebrauchter Schulkleidung eingenommen wird (Symbolfoto: dpa). »-Mehr
Baden-Baden
´Kreuzzug gegen den Diesel´

03.04.2017 - 00:00 Uhr
Theurer: Berlin statt Straßburg
Baden-Baden (tt) - Seit 2009 gehört FDP-Landeschef Michael Theurer dem Europaparlament an - doch nun will er in den Bundestag. Im BT-Interview erklärt er, warum man die FDP wählen sollte und was die Partei nach einem Wiedereinzug in den Bundestag vorhat (Foto: nie). »-Mehr
Rheinmünster
--mediatextglobal-- Zwei Baden-Hills-Curler in Edmonton: Manuel Walter (links) und Skip Alexander Baumann.  Foto: fuv/Archiv

01.04.2017 - 00:00 Uhr
Skip Baumann peilt Top acht an
Rheinmünster (ket) - "Wir werden auf keine Mannschaft treffen, die wir nicht schlagen könnten", sagt Alexander Baumann (Baden-Hills-Golf-und-Curling-Club), Skip der deutschen Curling-Nationalmannschaft. Sein Team spielt heute zum Start der WM gegen die Niederlande (Foto: fuv/av). »-Mehr
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Wer bestattet am billigsten? Im Internet lassen sich Preise selbst für Bestattungen inzwischen vergleichen. Finden Sie das taktlos?

Ja.
Nein.

Wetter in Mittelbaden


Facebook


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen