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"Vorsätzlicher und überlegter" Kopfstoß
'Vorsätzlicher und überlegter' Kopfstoß
26.05.2017 - 00:00 Uhr
Gernsbach (fde) - "Sie könnten aus ihrem Leben eigentlich mehr machen", sagte Richter Ekkhart Koch nach seinem Urteilsspruch. Bestimmte Situationen müsse man einfach meiden, wenn Alkohol solch eine Wirkung entfache. Wegen Körperverletzung in zwei Fällen, Sachbeschädigung, Widerstand gegen Vollzugsbeamte sowie einer Reihe von Beleidigungen ist ein 33-jähriger Weisenbacher am Dienstag vom Amtsgericht Gernsbach zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden.

Zur Hauptversammlung war es bereits am 30. Januar dieses Jahres gekommen. Damals hatte der Staatsanwalt eine psychiatrische Untersuchung des 33-Jährigen angeregt. Es ging in dem Prozess um zwei Vorfälle. Am 16. März 2016 soll sich der Angeklagte im alkoholisierten Zustand im Beisein zweier Freunde in einer S-Bahn an der lauten Musik zweier Asylbewerber gestört haben. Nachdem diese seiner Aufforderung nicht nachkamen, die Musik auszumachen, kam es zu einem ersten Faustschlag - allerdings ins Leere, wie die Bilder der Überwachungskamera beweisen. Auf dem Bahnsteig setzte sich der Tumult fort. Was sich dort abspielte, blieb aufgrund fehlender Videoaufnahmen unklar: Die beiden Asylbewerber gaben an, einen Faustschlag ins Gesicht bekommen zu haben - beide konnten nicht vor Gericht befragt werden, weil sie laut Koch mittlerweile das Land verlassen haben. Auch die Erinnerung des Angeklagten und einer der Freunde, der als Zeuge vernommen wurde, waren nicht wirklich erhellend.

Deutlich klarer stellte sich der zweite Sachverhalt dar - auch weil es eine Reihe von Zeugen gab. Am 29. Juni randalierte der Angeklagte in Weisenbach - nach zwei Joints und wiederum im alkoholisierten Zustand (2,34 Promille). Auf zwei Sachbeschädigungen folgte dieses Mal gar "eine schwere Körperverletzung", betonte Koch. Einer Anwohnerin, die im Tumult schlichten wollte, hatte der 33-Jährige einen Kopfstoß ins Gesicht verpasst. Ihre Zivilcourage bezahlte die Frau mit einer gebrochenen Nase, dennoch "würde ich wieder dazwischen gehen", gab sie im Zeugenstand an. Auf eine Entschuldigung warte sie bis heute. Die Angst in der Nachbarschaft sei seitdem groß, schließlich drohte der 33-Jährige direkt nach der Tat, sich an den Kindern der Frau zu vergehen.

"Finger weg von der Nachbarschaft", so der eindringliche Appell von Richter Ekkhart Koch nach dem Urteilsspruch. Den Stoß bezeichnete Koch als "kontrolliert, vorsätzlich und überlegt". Dass er sich danach noch mit Händen und Füßen gegen die vier Polizeibeamten wehrte, passe ins Bild, wenn "der Motor erst mal am Laufen ist".

Dreimal befand sich der 33-Jährige schon in einer psychiatrischen Einrichtung in Emmendingen, erläuterte der medizinische Leiter, Dr. Frank-Stefan Müller. Er hatte sich im Vorfeld mehrere Stunden mit dem Angeklagten unterhalten und sprach von einer früheren Störung, die auf den seit dem Kindesalter schwierigen familiären Verhältnissen basiere. Seit Jahren sind Alkohol, Amphetamine und diverse andere Drogen ein ständiger Begleiter des aktuell arbeitslosen Weisenbachers. Doch trotz des gesteigerten Aggressionspotenzials wolle er keine Konsequenzen aus seinem Alkoholkonsum ziehen, erläuterte Müller.

Der Verteidiger hatte dafür plädiert, "ein Päckchen zu schnüren, was er spürt, aber tragen kann". Ihm war es wichtig, dem Angeklagten und der Allgemeinheit zugleich zu helfen. So forderte er sechs Monate auf Bewährung und die Bereitstellung eines Bewährungshelfers. Der Staatsanwalt hatte acht Monate auf Bewährung gefordert sowie eine Geldstrafe.

Dass es am Ende zehn Monate wurden, resultierte vor allem aus dem Kopfstoß, der zu "lebensgefährlichen Verletzungen hätte führen können", erklärte Koch. Der 33-Jährige muss zudem an einem Antiaggressionstraining teilnehmen und bekommt einen Bewährungshelfer an die Seite gestellt. Auf Rechtsmittel wurde verzichtet, das Urteil ist rechtskräftig.

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