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Auch Geigen-Babys haben Hunger
Auch Geigen-Babys haben Hunger
29.05.2017 - 00:00 Uhr
Von Margrit Haller-Reif

Gaggenau - Schwarz befrackt und mit Fliege vermittelt das französische Duo auf den ersten Blick eine gewisse Seriosität. Auf den zweiten wird klar, warum sich das ungleiche Paar den Namen "Duel" gegeben hat: Laurent Cirade (Cello) und Paul Staïcu (Piano) liegen im ständigen Wettstreit, nicht zuletzt um die Publikumsgunst. Soviel vorweg: Dem klag-Publikum bereiteten Musikkabarettisten der Extraklasse einen Abend lang pures, lachpralles Vergnügen.

Seit ihrem ersten gemeinsamen Auftritt im Jahr 2001 eilen "die Marx Brothers des Musikkabaretts" von Erfolg zu Erfolg: auf internationalen Tourneen in mehr als 30 Ländern und bei triumphalen Auftritten, wie etwa 2012 in der legendären Pariser Music Hall "Olympia" oder auf dem renommierten Arosa Humor-Festival. Im Rahmen der aktuellen Deutschland-Tour gastierte Duel mit seinem neuesten Werk "Opus 2" auch auf der klag-Bühne.

Zwei klassisch ausgebildete Ausnahmemusiker und Instrumental-Artisten, die in bester Slapstick-Manier Kunst und Komik virtuos verknüpfen. So kampfeslustig sie sich einerseits gebärden, so unzertrennlich präsentieren sich die beiden im nächsten Moment, wenn sie in blinder Vertrautheit musizieren.

Die Rollen sind klar verteilt: Cellist Laurent, groß und kräftig, gibt den tollpatschigen, mürrisch-herrischen Brummbären, dem sich Pianist Paul, klein und schmächtig, überaus schlitzohrig und ideenreich entgegenstellt. Sie "duellieren" sich nahezu wortlos, ihre Sprache ist die Musik in Verbindung mit aussagekräftiger Mimik und Gestik. Sie kämpfen um das Cello, ihre Vormachtstellung auf der Bühne und nicht selten mit den Tücken des Objekts. Wenn sich Brummbär Cirade heillos im klappbaren Liegestuhl verheddert oder versucht, das wegrutschende Cello einzufangen, bleibt kein Auge trocken.

Musikalisches Können, tiefschwarzer Humor

Der Einfallsreichtum von Duel erstreckt sich auch auf ihren Instrumentenfundus und ihre Wirkung auf dessen erstaunlich vielseitige Handhabung. Einmal mehr bestätigt sich: Kunst kommt von Können.

So fliegen Paul Staïcus Finger in nahezu jeder erdenklichen Lage und Körperhaltung über die Tasten, in rasanten Läufen und irrwitzigen Wechseln. Wohingegen Laurent Cirade sein Cello unbekümmert als E-Gitarre einsetzt oder dessen Korpus als Perkussionsgerät nutzt. Sofern er nicht singt, mit einem kehlig-heiseren Timbre, das Tom Waits oder Louis Armstrong alle Ehre macht.

Gleichzeitig sorgt er sich rührend um sein Instrument. Gründet mit ihm im Verlauf des Abends sogar eine eigene Familie, die bald Zuwachs erhalten sollte in Gestalt eines Geigenkinds. Doch selbst Geigen-Babys haben Hunger und einer Windel bedarf es auch. Ein Fläschchen samt Bäuerchen und der Reggae "No Baby No Cry" beruhigen da nur kurzfristig. Ein Wiegenlied mittels einer raffinierten Saitentechnik wirkt dagegen Wunder. Herrlich.

Bei Bizets "Habanera" becirct Duel sein Publikum mit einer fast akrobatischen "Gemeinschaftsstrategie": Während der Pianist kundig den Cellobogen führt, bläst der Cellist das Didgeridoo und greift nebenher beherzt in die Tasten. "Stayin' Alive" von den Bee Gees wird klangvoll mit zwei durch einen Gebläseschlauch verbundenen Melodicas intoniert, der Italowestern "Spiel mir das Lied vom Tod" mit der singenden Säge. Ein klassisches Menuett mündet unversehens in den Deep Purple-Hit "Smoke On The Water", Lou Reeds "Walk On The Wild Side" wird mit einem wohligen Grunzen gezupft und getrommelt.

Tiefschwarzer Humor regiert, wenn das urplötzlich krächzende Cello einer ärztlichen Untersuchung unterzogen wird oder der Pianist am Tropf beim wilden Boogie-Woogie sein Letztes gibt.

Die Kunst von Duel besteht im meisterlichen und zugleich unglaublich verspielten Miteinander von Musik und Kabarett mit einem Schuss Dada. Bach trifft Slapstick, Bob Marley auf besagte Geigen-Geburt und Ennio Morricone auf eine in der imaginären Sonnenglut flirrende singende Säge. Parodien verbünden sich mit Poesie, Virtuosität paart sich mit Situationskomik. Genregrenzen werden leichthändig aufgehoben, um im nächsten Moment neu gemischt wieder ineinander zu zerfließen. In ihrem faszinierenden Zweikampf ziehen diese beiden famosen Virtuosen alle Register.

Ob Klassik oder Jazz, Tango oder Rap, Beatles oder Brahms - Laurent Cirade und Paul Staïcu versammeln sie in einer lausbubenhaft-übermütigen, unwiderstehlichen, rasanten Performance, die "ganz nebenbei" musikalisch hochklassig verwöhnt. Chaos ist bei diesen beiden meisterlichen Tausendsassas Programm. Aber nur selten gestaltet sich Chaos so unterhaltsam wie bei den Vollblutmusikern und Anarcho-Komikern von Duel. Der Applaus wollte nicht enden.

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