http://www.initiative-wertvolle-zukunft.org/wvz2016/erbschaft/
15 Urenkel kommen zum Gratulieren
Die Ur-Bermersbacherin Emilie 'Emmi' Fritz feiert heute ihren 100. Geburtstag im Kreise ihrer Großfamilie. Foto: mhr
08.06.2017 - 00:00 Uhr
Von Margrit Haller-Reif

Forbach - In ihrem großen Sessel wirkt sie fast zierlich. Eine weißhaarige, alte Frau mit einem wachen Blick. Bei Fragen schweifen ihre Augen oft kurz in die Ferne, als sehe sie die markanten Ereignisse und Stationen ihres langen Lebens unmittelbar vor sich. Heute feiert Emilie "Emmi" Fritz ihren 100. Geburtstag im Kreise ihrer Großfamilie. Dieses stolze Alter erreichen nur wenige. "Emmi" schon. Das passt. Sie war eine starke Frau.

Geistig fit ist "Emmi" nach wie vor. Wenn sie auch altersbedingt nicht mehr gut hört und schnell ermüdet. "Jetz' gehsch, ich bin müd'", sage ihre Mutter dann unverblümt. Die beiden Töchter Irmtrud und Sigrid lächeln sich verständnisinnig zu. So ist sie, die Mutter. Die hat ihren eigenen Kopf. Schon immer. Bis heute. Und einen schlauen Kopf obendrein.

Den hat es gebraucht angesichts eines derart bewegten Lebens. Den hat sie trainiert bis ins hohe Alter mit Kreuzworträtseln und Zeitunglesen. Letzteres gehörte morgens zum festen Ritual wie das gemeinsame Frühstück mit Irmtrud und Schwiegersohn Willi. Bei der Zeitungslektüre hat sie eingekreist oder unterstrichen, was ihr interessant erschien und wichtig.

"Emmis" Selbstständigkeit und Durchsetzungsvermögen wurden geprägt von ihren Lebensumständen. Am 8. Juni 1917 erblickte Emilie als Tochter von Walburga und Otto Wunsch in Bermersbach das Licht der Welt. Ihren leiblichen Vater hat sie nie kennengelernt, er fiel kurz nach ihrer Geburt im Ersten Weltkrieg. Sie wuchs mit drei Schwestern auf und musste schon als Kind tatkräftig mithelfen in der elterlichen Landwirtschaft. Harte Arbeit war "Emmi" Zeit ihres Lebens und aufgrund ihrer Biografie gewohnt. Am 18. Januar 1938 gab sie dem Bermersbacher Willibald Fritz das Jawort, an Weihnachten erfolgte der Umzug ins neue Haus in der Bermersbacher Straße. 1938 kam Irmtrud, 1944 Sigrid zur Welt. Im selben Jahr wurde ihr "Willi" in Russland vermisst gemeldet. "Sehr schwer war für mich, täglich im Radio die Namen der Heimkehrer zu hören, nur seinen Namen nicht."

"Besonders schön" waren für sie jene Abende "auf'm Bänkle" vor dem Haus, an denen Musik gemacht wurde. Dass ihr musikalisches Talent schon früh entdeckt und gefördert wurde, hat sie ihrem Musiklehrer Bürgel zu verdanken. Er brachte ihr das Notenlesen bei und bewirkte, dass das Mädchen selbst den Fußmarsch nach Weisenbach nicht scheute, um Zither-Unterricht nehmen zu können. Musik sollte sie ihr Leben lang begleiten. "Im schönsten Wiesengrunde", ihr Lieblingslied auf der Zither, singt sie, ohne zu stocken, auswendig vor.

Viele Jahre sang "Emmi" in der Singgemeinschaft "Deutsche Eiche" Bermersbach mit, auf 52 Jahre hat sie es im Kirchenchor gebracht. Im Ehrenamt war sie genauso aktiv. Als langjährige Leiterin der Katholischen Frauengemeinschaft, deren Ehrenvorsitzende sie ist. Beim Sozialverband VdK, in dem sie 44 Jahre die Kasse führte, im Pfarrgemeinderat, im Obst- und Gartenbauverein, im Heimatverein als Gründungsmitglied. Als eine der ersten Frauen in Forbach erhielt sie für ihr ehrenamtliches Engagement die Landesehrennadel.

Ihre Leidenschaft fürs Fotografieren bezeugen viele Fotoalben mit Erinnerungen, die ihr über manche schwere Stunde hinweghalfen. Ihren Halt und ihre Kraft aber schöpfte sie stets aus dem Glauben: "So, wie's der Herrgott schickt, so nehme ich's an." Auf diesem Gottvertrauen fußt auch "Emmis" Zufriedenheit und der Wille, die Dinge anzunehmen und das Beste daraus zu machen. Und das hat Emilie Fritz aus ihrem ereignisreichen Leben wahrlich gemacht.

Vier Generationen leben hier unter einem Dach, auch wenn das sicherlich nicht immer ganz einfach war. Irmtrud und Willi kümmern sich Tag und Nacht aufopferungsvoll um sie. Die Familie besitzt einen hohen Stellenwert. Laut Irmtrud hat die Mutter immer alle gleich behandelt und nie jemanden bevorzugt, in Sachen Zuneigung ebenso wie bei den Geschenken.

Zum 90. Geburtstag hat ihr die Familie eine Reise ins Montafon geschenkt. Dass dort alle versammelt sein würden, war eine Riesenüberraschung für sie und eine ihrer größten Freuden, zu denen auch die acht Enkel gehören. "Das Höchste" war für sie die Geburt der Urenkel. Deren Zahl ist unlängst mit der Geburt von Fabio Joris auf 15 gestiegen. Jetzt beherbergt das Haus in der Bermersbacher Straße gleichzeitig das älteste und das jüngste Mitglied der Gemeinde.

Die Zither hatte die unternehmungslustige Ur-Bermersbacherin selbst auf ihren Reisen oft im Gepäck. Die letzte von insgesamt 33 (vom Katholischen Dekanat Rastatt organisierten) Urlaubsfahrten nach Gaschurn unternahm sie 2007. Am St.-Antonius-Tag am 14. Juni 2015 konnte sie noch einmal den Gottesdienst besuchen. Seither ist die Jubilarin bettlägerig, aber immer noch hochzufrieden und mit einem guten Appetit gesegnet. Dass "Emmi" heute ihr 15. Urenkelchen Fabio Joris im Arm halten darf, ist mit Sicherheit ihre größte Geburtstagsfreude.

BeiträgeBeitrag schreiben 
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Die erste Hitzewelle in diesem Sommer ist vorbei. Haben Sie die heißen Tage gut vertragen?

Ja, die Hitze macht mir nichts
Nein, das war wirklich zu warm

Wetter in Mittelbaden


Facebook


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen