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"Der Farn ist ganz schön frech"
Biologin Manuela Riedling (von links) wird beim Adlerfarn-Schlägeln von der sechsjährigen Pfadfinderin Maja und der Hilpertsauer Schülerin Johanna tatkräftig unterstützt.  Foto: Metz
10.06.2017 - 00:00 Uhr
Von Hartmut Metz

Gernsbach - "Der Farn ist ganz schön blöd und wird frech!", stellt Johanna fest. Um diesen dreisten Gesellen einzudämmen, drischt die Hilpertsauer Naturparkschülerin daher zusammen mit der sechsjährigen Maja mit langen Stöcken auf den Adlerfarn ein. An manchen Stellen im Reichenbachtal wuchert dieser den beiden Mädchen weit über den Kopf: "Bis zu zwei Meter hoch", stellt Johanna fest und versetzt dem Grün einen heftigen Hieb.

35 Pfadfinder und neben der Familie von Johanna eine weitere von der Naturparkschule trafen sich gestern zum fünften Mal seit 2013, um dem lästigen Adlerfarn zu Leibe zu rücken. Die "Herzenssache Natur"-Aktionen des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord laufen seit 2011. Mittlerweile verdoppelte sich die Zahl der Einsätze in der Region von drei auf sechs pro Jahr, berichtet Yvonne Flesch. Die stellvertretende Naturpark-Geschäftsführerin verweist unter anderem auf "Auerhuhn-Paradiese schaffen" am 21. Juli im Baden-Badener Forst und die "Himmlische Trockenmauerpflege" in Bühlertal am 24. Oktober. Dabei wolle man stets mit Partnern vor Ort die Jugendlichen an "das Ehrenamt heranführen und für den Natur- und Biotopschutz begeistern". Das gelingt offensichtlich, denn "fast alle kommen wieder", berichtet Flesch. Und die kleine Maja bestätigt stolz: "Ich bin schon zum zweiten Mal dabei!"

Wie Johanna und die Pfadfinder der Bad Herrenalber "Buntspecht"-Gruppe von Jörg Klasser "schlägelt" Maja eifrig und mit großer Passion auf den Adlerfarn. "Man darf ihn aber nicht abrasieren. Sonst treibt er weiter. Wird der Farn quasi nur geknickt, denkt die Pflanze, sie muss weiter wachsen und vergeudet ihre Energie. Das Schlägeln hemmt ihr Wachstum, und die Pflanze kann weniger Speicherstoffe in ihren Wurzeln einlagern", erläutert Manuela Riedling die beste Technik gegen das Unkraut. Die Biologin vom Infozentrum Kaltenbronn verweist darauf, dass der Adlerfarn nicht nur giftig für heimische Weidetiere sei. Als schlimmer wertet sie die "Beschattung der Wiesen, weshalb darunter nichts mehr wächst".

Die Gernsbacher Besitzer der Grundstücke in Steillage haben häufig den Kampf gegen die bis zu zwei Meter hohen Farne längst aufgegeben. "Da müsste jeder dreimal im Jahr mähen - doch wer macht das schon?", zeigt Riedling Verständnis. Die "starke Truppe" der Pfadfinder bereite nicht nur den Boden für Pflanzen auf den kleinteiligen wertvollen Wiesen. Sie retten durch das Freikämpfen des fußballfeldgroßen Geländes vor dem Wald laut der Biologin auch die zwölf einheimischen Fledermausarten, Mauereidechsen, die Sumpfschrecke oder Vögel wie Wendehals, Goldammer und Neuntöter.

Bevor die fleißigen Helfer ein Vesper erhalten und daran gehen, im Infozentrum zur Feier des Tages eine "Summbiene" für jeden zu basteln, stellt Riedling zufrieden fest: "Die Wiese gewinnt langsam wieder die Oberhand." Zwei ältere Jungs freuen sich beim schweifenden Blick über die schon mehrfach beackerten Gelände mit ihr: "Das ist ganz schön effektiv! Da war überall mal Farn!"

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