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"Der Wille muss stimmen"
19.06.2017 - 00:00 Uhr
Von Markus Mack

Gaggenau - Schmerzen, Müdigkeit, Regen, Kälte - am Ziel ist alles vergessen. "Extremtouren sind Kopfsache, da muss der Wille stimmen", da sind sich Stefan Schnaible und Tilo Westermann einig. Von Ottenau aus an den Gardasee nonstop mit dem Rennrad: Das war die Tour, die den Ottenauer und den Selbacher sowie ihre Mitfahrer Thomas Pfistner (Ottenau), Timo Pfistner (Kuppenheim) Patrick Billian und Christian Lyanchenko (Gernsbach) sowie Norman Roth (Lautenbach) an ihre physischen und psychischen Grenzen brachte. "Training ist ein Faktor, aber Wille und Einstellung sind noch wichtiger", macht Westermann deutlich.

Das alles brauchten die Murgtäler Radler bei ihrer Tour in hohem Maß, um ihr selbst gestecktes Ziel, Riva am Gardasee, zu erreichen. Nicht alles ging glatt bei dieser Tour, die am 24. Mai um 13 Uhr in Ottenau begann und am Himmelfahrtstag, 25. Mai, am Gardasee enden sollte. "Dort wollten wir uns mit unseren Familien treffen, die bereits vorausgefahren waren", berichten Westermann und Schnaible.

Die Gruppe hatte sich bei Trainingsfahrten zusammengefunden. Der Plan, nonstop mit Rennrädern vom Murgtal aus nach Riva zu fahren, hatte sich in der hiesigen Radszene herumgesprochen. Die Route wurde geplant: Durch das Murgtal, über Sigmaringen, Kißlegg, Wengen, Oy, Pfronten, Reutte, Landeck, Nauders, Meran und Bozen sollte es an den Gardasee gehen.

"Die Gruppe muss bei solch einem Vorhaben funktionieren", berichten die beiden Biker. In geringem Abstand von knapp 20 Zentimetern wird gefahren, wegen des Windschattens. Da heißt es höllisch aufpassen, keiner darf einen Fehler machen. Bremsen ist nur mit Ansage erlaubt, sonst stürzt die Gruppe. Wenn dann in der Nacht ein Igel auf dem Radweg im Inntal auftaucht, da steigt der Adrenalinspiegel schnell und gewaltig.

Die Misere begann bereits mit den nicht ganz korrekten Angaben, die der Routenplaner ausgespuckt hatte: Die Distanzen stimmten nicht. Die erste Etappe endete nach 180 Kilometern bei Sigmaringen, dort wurde noch einmal gegessen. Denn in der Nacht, "da gibt es nichts, nicht mal offene Tankstellen, um etwas zu kaufen", berichten Schnaible und Westermann. Bis Kempten ging es nachts durchs tiefste Allgäu - prompt verfuhr sich die Gruppe. "Da enden alle Ortschaften mit -hofen." Die Orientierung ging verloren, die Gruppe landete nach Wald- und Feldwegen auf einer Kuhweide und musste die Räder schieben. Erst ein beleuchteter einsamer Bauerhof wies wieder den Weg.

Auf GPS-Navigation hatten sie verzichtet, "die Akkus halten nicht so lange". Essen und Trinken bestand aus Energieriegeln sowie mineralien- und kohlenhydrathaltigem Pulver, das ins Trinkwasser gemischt wurde. "Trinken ist enorm wichtig, sonst machen die Muskeln zu." Zu schwer darf der Rucksack nicht sein, zwei Kilo für die Verpflegung, Regenbekleidung und Handschuhe mussten reichen, in der Nacht sanken die Temperaturen bis auf sechs Grad.

Ein nächtlicher Sturz von Schnaible in Führungsposition der Gruppe verlief glimpflich, das Rad wurde wieder gerichtet. Ein Bremsendefekt, auch der konnte vor der Abfahrt vom Reschenpass mit "Bordmitteln" wieder gerichtet werden. "Bergab braucht man funktionierende Bremsen, sonst bist du verloren", blicken Westermann und Schnaible zurück. Und: "Es gab nur nach vorne, kein Zurück" - Willensstärke war gefordert, wenn auch manches Mal die Stimmung am Tiefpunkt war. Regen und Kälte, all das kostete wertvolle Zeit, und der Zeitverlust summierte sich.

Hinzu kam, dass die Murgtäler ihre Lampen vor Reutte einem Begleitfahrzeug übergeben hatten, weil die Akkus leer waren. Das sollte sich als keine gute Entscheidung erweisen, denn die zweite, nicht eingeplante Nacht wartete. Mit drei noch verbliebenen Stirnlampen war die Beleuchtung "sehr grenzwertig". Zur Monotonie und Anstrengung kam dann doch die Müdigkeit; Sekundenschlaf führte zu manchem "Ausritt" ins Gelände.

Aber: Als die Gruppe "den See gerochen hat" - da wurden Reserven mobilisiert. Wunde Hintern, von der Nässe aufgequollene Füße und Hände, schmerzende Muskeln - das war in Zielnähe vergessen. 2.30 Uhr war es bei der Ankunft im Hotel in Riva am Gardasee - und dann gab es erst einmal eine flüssige Belohnung. 720 Kilometer hatten die Murgtäler Radler in den Beinen, 6300 Höhenmeter gemeistert in einer reinen Fahrzeit von 29 Stunden. "Eine Grenzerfahrung für jeden", so lautet das Fazit und vor allem: "Es war ein geiles Gefühl, es geschafft zu haben."

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