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"Freibad als letzter Treffpunkt" erhitzt Reichentaler Gemüter
'Freibad als letzter Treffpunkt' erhitzt Reichentaler Gemüter
19.06.2017 - 00:00 Uhr
Von Hartmut Metz

Gernsbach - "Ich würde mich freuen, in dieser wunderschönen Stadt Bürgermeister zu werden", begrüßt Sabine Geiger die 22 Zuhörer bei ihrer ersten Wahlkampfveranstaltung. Die Gäste im "Grünen Baum" in Reichental lauschen zunächst geduldig der Kandidatin aus Neckartenzlingen, die in der mehr als einstündigen Vorstellung den Eindruck einer empfindsamen Frau abgibt - und mit zwei Scheidungen sowie mehreren Berufs-Rochaden vor ihrer Frührente im Alter von 50 Jahren einige Brüche in ihrer Vita aufweist.

Mit der permanenten Änderung kokettiert Geiger durchaus. "Ich muss etwas bewegen, ich muss etwas tun", erklärt sie, warum sie nach sechs Jahren als Diplom-Ingenieurin (FH) in der Textilindustrie einen ersten Schnitt machte, weil sie damit unzufrieden war. Nach der Umschulung zur Krankenschwester hielt sie es acht Jahre lang in der Anästhesie an der Uniklinik Tübingen aus. Doch in dem Beruf habe es ihr "an professioneller Distanz zu den Patienten gefehlt". Ja, das Leid sei "der Horror gewesen". Entsprechend kurz fiel ihr Gastspiel danach in der Altenpflege aus: "Da baute ich noch mehr Bindung auf." Seit der Rente besucht die ehemalige Grünen-Gemeinderätin als Gasthörerin Vorlesungen an der Uni zu Themen wie Photovoltaik.

Außerdem trat die auf dem Stimmzettel in Gernsbach als erste Bewerberin ganz oben gelistete Kandidatin in Metzingen an. Gegen den Amtsinhaber "hatte ich keine Chance. Ich fand den Kontakt zu den Menschen aber total schön", erklärt Geiger, warum sie ein zweites Mal ihren Hut in den Ring wirft. In Gernsbach rechnet sie sich angesichts des scheidenden Dieter Knittel "eher Chancen aus" - zumal die Stelle im Staatsanzeiger an "meinem Geburtstag ausgeschrieben wurde. Ich sah das als Zeichen und bewarb mich".

Die 56-Jährige tritt als parteilose Bewerberin an. Der CDU fühlt sie sich "von den Werten" her am meisten verbunden, "doch die Frauenpolitik stört mich". Die SPD ist ihr "nicht intellektuell genug", die FDP sei "nur Markt" und die Vorliebe für die Grünen gab sie auf, weil nur "Umweltpolitik zu wenig ist". Veggieday, Bildungspolitik und die wenig private Haltung beim Thema Sexualität verprellten sie. Bleibt noch die AfD, die Geiger auf einer Veranstaltung zum Freihandelsabkommen TTIP "faszinierte" - aber nach Bernd Luckes Abgang könne sie "mit denen nichts anfangen".

Geduldig verfolgen die Reichentaler die Forderungen der Frau aus einer "Familie mit Mädchen". Alleinerziehende will Geiger im Falle ihrer Wahl von Kindergarten-Beiträgen freistellen. Bürgschaften für Vereine lehnt sie ab. Hier müsse das "Anspruchsdenken" reduziert werden, befindet die Kandidatin, die auf "Wahlplakate und Kugelschreiber als Geschenke" konsequent verzichtet. Umweltschutz ist ihr als "oberstes Prinzip" auch im Lokalen wichtig. Deshalb plädiert sie für die Komplettsanierung des Pfleiderer-Areals. "Das Zeug muss raus. Deckel drauf wie in Tschernobyl oder Fukushima" kommt für sie nicht in Betracht, schließlich "fließt die Murg vorbei". Und neue Läden auf dem vergifteten Untergrund lehnt Geiger ebenso ab, "wenn jeder sagt, dass wir genügend Läden haben". Dafür spricht sie sich für die Sicherung der Grundversorgung alter Menschen in den Teilorten aus.

Findet das in Reichental durchaus Anklang, erhitzen sich die Gemüter der Zuhörer nach dem Satz: "Was man nicht braucht wegen der hohen Kosten und wenigen Effekte: vier Freibäder." Unter heftigem Applaus stellt ein Einheimischer klar: "Das ist das Letzte, was uns bleibt. Wenn uns das auch noch als Treffpunkt weggenommen wird ..." Widerspruch regt sich überdies beim Thema Neubaugebiete am Hang, die Geiger für "diffizil" erachtet, und die Bürger bezweifeln, dass sie Start-up-Unternehmen ins abgelegene Murgtal locken kann.

Zwei "innovative Ideen" behält die 56-Jährige am Freitagabend für sich, obwohl ihr "Wahlkampf auf Kommunikation ausgelegt ist": Weil Geiger Themenklau der vier Konkurrenten fürchtet, will sie diese erst am Mittwoch (19 Uhr) bei der Bewerber-Vorstellung in der Stadthalle verraten.

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