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Um 1900 boomt der gastliche Fremdenverkehr
19.06.2017 - 00:00 Uhr
Von Jürgen Maisch

Gernsbach - Der 1267 erstmals urkundlich erwähnte heutige Gernsbacher Ortsteil Scheuern entwickelte sich ab 1800 weg vom einst "armen Dorf". Um 1800 lebten etwa 240 Menschen im Ort. Aufgrund der geringen Lebensgrundlagen, aber auch aufgrund politischer Umwälzungen setzte eine für das Dorf Scheuern starke Auswanderungswelle nach Nordamerika ein.

Historisches

Eine erste Wirtschaft ist um 1766 dokumentiert: Am heutigen "Scheuerner Buckel" eröffnete die Schildwirtschaft "Zum Bären". Die Gernsbacher Wirte hatten dagegen heftig protestiert, da sie die "konkurrierende Schildgerechtigkeit" verhindern wollten. Bei den Übernachtungsmöglichkeiten spielte die verkehrsgünstige Lage nahe der Alten Weinstraße - einer damals wichtigen Fernstraße für Handelsverkehr - sicher eine Rolle.

Um 1900 begann ein gastlicher Fremdenverkehr dank der günstigen sonnigen Ortslage. Das "Gasthaus zum Sternen", um 1800 in der Ortsmitte erbaut, wurde 1912 deutlich erweitert und zählte jahrzehntelang als erstes Haus am Platze. Schon kurze Zeit später wurde von den Wirtschaften "Auerhahn" und "Blume" berichtet. Weitere Gaststätten entstanden und in Privathäusern wurden Fremdenzimmer angeboten. Um 1920 herrschte auch ein reges Fastnachtstreiben in Scheuern.

Um 1950 begann der Fremdenverkehr zu florieren. Mit dem "Sternen", dem "Auerhahn", der "Blume", dem "Haus Bergle", dem "Haus Brandeck", dem "Vesperstüble" und der "Pension Becker" war der kleine Ort gastronomisch für den aufstrebenden Fremdenverkehr gut ausgestattet.

Nachdem Gernsbach ab 1869 mit der neuen Bahnlinie von Rastatt aus erreicht wurde, erfolgte 1894 der Weiterbau bis Weisenbach. Der Ort Scheuern erhielt dabei einen eigenen Bahnhof (Haltepunkt) unmittelbar hinter dem (heutigen) Scheuerner Bahnübergang, murgtalaufwärts. Züge konnten dort nicht kreuzen. Der Bahnhof war wichtig für Scheuern und Lautenbach, denn er ersparte - mit 1,3 km Entfernung zum Gernsbacher Bahnhof - den Bürgern eine Viertelstunde Fußweg. Täglich passierten 16 Züge, jeweils acht in jede Richtung. Der Bahnhof bestand bis 1924.

1904 wurde ein zentrales Leitungsnetz für Hausanschlüsse mit fließendem Wasser, gespeist von zwei Hochbehältern, errichtet. Bis dahin erfolgte die Versorgung der Bevölkerung aus bis zu sechs laufenden Brunnen im Dorf, die anfänglich teilweise mit "Deucheln" (Holzrohre aus ausgebohrten Baumstämmen) versorgt wurden. Die Elektrifizierung hielt im Jahre 1907 Einzug: Zwischen der Gemeinde Scheuern und der Gernsbacher Firma Langenbach& Müller Elektrizitätswerk wurde ein Vertrag zur Errichtung und Instandhaltung von 13 Straßenlampen zu je "25 Kerzenstärken" abgeschlossen. In der Folge wurden auch Anschlüsse für elektrisches Licht in den Häusern erstellt. 1908 wurde das "Kinderschwestern-Erholungsheim" des Karlsruher Diakonissen-Mutterhauses auf dem "Vorderen Fleischling" errichtet (bis Mitte der 1980er Jahre betrieben). 1911 entstand in unmittelbarer Nachbarschaft des Diakonissen-Erholungsheims das AOK-Genesungsheim.

Geheimdienstquartier der Franzosen

Nach dem Zweiten Weltkrieg beschlagnahmte die französische Besatzungsmacht das Gebäude als Geheimdienstquartier. Nach Abzug der Franzosen wurde das Gebäude an das Diakonissen-Mutterhaus verkauft und nach Umbauten bis Mitte der 1980er Jahre als Altersheim verwendet. Ab 1950 nahm die Feierabendlandwirtschaft in Scheuern immer mehr ab. Neue Baugebiete wurden erschlossen, und Scheuern entwickelte sich zu einem sehr beliebten Wohngebiet, besonders wegen seiner ruhigen und sonnigen Lage in Waldesnähe.

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