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Animationsfilm und #MeToo-Debatte: Berlinale beginnt
Berlinale - Internationale Jury
15.02.2018 - 16:03 Uhr
Berlin (dpa) - Es dürfte bei der Berlinale viel um die MeToo-Debatte gehen - aber erst einmal geht es um Hunde. Der Film «Isle of Dogs - Ataris Reise», ein Animationsspektakel von Wes Anderson, ist ein launiger Auftakt für das Festival.

Stars wie Tilda Swinton, Bill Murray und Greta Gerwig, Jeff Goldblum und Bryan Cranston sind darin als Menschen und Hunde zu hören - und sie sind auch am Donnerstag bei der Eröffnung in Berlin dabei.

Bei der Pressekonferenz singt das Filmteam für den kanadischen Jungschauspieler Koyu Rankin, der die Hauptrolle synchronisiert hat, ein Ständchen zu seinem 11. Geburtstag. Dann gibt es einigen Hunde-Smalltalk. Bill Murray, in einer Art Latzhose, berichtet mit trockenem Humor, dass sein Mischling einen Koyotenangriff überlebt habe. Greta Gerwig, mit ihrem Film «Lady Bird» im Oscar-Rennen, erzählt, dass sie in New York gerne Hunde streichelt.

Zum Auftakt also viel Tier. Aber auch das Schlagwort MeToo hat das Festival bereits erreicht. Gut ein Dutzend Verbände der Branche kündigten gemeinsam an, eine Anlaufstelle gegen Missbrauch ins Leben zu rufen. Erstes Geld soll, wie zugesagt, von Kulturstaatsministerin Monika Grütters kommen. Aber weitere Mitstreiter sind gesucht.

Bei der Verleihung der Golden Globes in Hollywood waren die Stars wegen der Debatte in Schwarz gekommen. Eine Online-Petition wollte in Berlin einen schwarzen Teppich durchsetzen. Das hat nicht geklappt. Dennoch war die Spannung da: Welche Bilder wird es vor dem Berlinale-Palast am Potsdamer Platz geben, welche Botschaft hat die Eröffnungsgala?

Auf der Gästeliste der 68. Berlinale steht die versammelte deutsche Filmprominenz - darunter Mario Adorf, Iris Berben, Corinna Harfouch, Wim Wenders, Hanna Schygulla, Sandra Hüller, Senta Berger, Maria Furtwängler, Elyas M'Barek und Daniel Brühl. Schauspielerin Anna Brüggemann wirbt mit der Aktion «Nobody's Doll» für mehr Vielfalt und gegen die Zwänge des Schönheitsdiktats. «Wir sind Künstlerinnen und keine hübschen Puppen», heißt es in ihrem Aufruf.

Berlinale-Chef Kosslick sieht das Ganze locker: «Ich werde auf jeden Fall keine Frau zurückweisen, die flache Schuhe trägt - und auch keinen Mann mit High Heels.» Für den 69-Jährigen ist es das vorletzte Mal als Festivalchef. Seine Amtszeit endet 2019. Die Debatte um seine Nachfolge hat heftigen Wirbel ausgelöst. Ob Kosslick sein berühmt-berüchtigter Humor vergangen ist, wird sich zeigen. Es ist aber unwahrscheinlich.

Mit dem neuen Werk von Anderson eröffnet erstmals ein Animationsfilm das Bären-Rennen. Gedreht wurde das Spektakel in sogenannter Stop-Motion-Technik - mit Puppen und in handgefertigten Standbildern. Die Geschichte handelt von dem 12-jährigen japanischen Jungen Atari. Als durch einen Regierungserlass alle Hunde der Stadt auf eine riesige Mülldeponie verbannt werden, macht er sich mit ihrer Hilfe auf die Suche nach seinem Hund Spot.

«Es ist eine Phantasie. Aber die Politik an dem von uns erfundenen Ort in Japan spiegelt durchaus Wirklichkeit», so Anderson. Für den Texaner ist es das vierte Mal, dass er im Berlinale-Wettbewerb dabei ist. 2014 hatte er mit dem Eröffnungsfilm «Grand Budapest Hotel» den Großen Preis der Jury gewonnen. Die Jury, die am 24. Februar die Gewinner kürt, leitet diesmal der deutsche Regisseur Tom Tykwer. Er sagt: «Wir nehmen das Festival ernst. Aber wir möchten für uns auch ein Fest daraus machen.»

Diesmal gehen insgesamt 19 Filme ins Bären-Rennen, darunter vier deutsche. Emily Atef zeichnet in «3 Tage in Quiberon» ein Porträt der späten Romy Schneider - mit Marie Bäumer in der Hauptrolle. Christian Petzold («Barbara») verbindet in «Transit» die Geschichte von Exilsuchenden in der NS-Zeit mit dem Flüchtlingsschicksal heute. Nach einem Roman von Anna Seghers spielen der diesjährige Shooting Star Franz Rogowski und Paula Beer.

Thomas Stubner hat mit «In den Gängen» ein Außenseiterdrama gedreht - noch ein Wettbewerbsfilm mit Rogowski, diesmal neben Sandra Hüller. Philip Gröning schickt das Zwillingsdrama «Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot» mit Josef Mattes und Julia Zange. Weitere Wettbewerbsfilme kommen etwa aus Russland, Frankreich, Rumänien und dem Iran.

Mit Spannung wird ««Utøya 22. Juli» von Erik Poppe erwartet - darin geht es um den verheerenden Anschlag in Norwegen von 2011. US-Regisseur Gus Van Sant («Milk») ist mit «Don't Worry, He Won't Get Far on Foot» dabei.

Die Berlinale gilt mit jährlich mehr als 300 000 verkauften Tickets als das größte Publikumsfestival der Welt. Zu groß, finden Kritiker. Genau richtig, finden Kinofans, die sich über experimentelle Reihen wie das Forum, das kulinarische Kino oder das Kinderprogramm freuen.

Ob Serien wie «Bad Banks» von Christian Schwochow oder eine Musik-Doku mit Ed Sheeran: über mangelnde Bandbreite kann man sich nicht beklagen. Den Kreischfaktor könnte bereits am Freitag beträchtlich sein. Dann läuft mit «Damsel» ein Film mit «Twilight»-Star Robert Pattinson. Versprochen wird ein feministischer Western.

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