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Danzigs Bürgermeister nach Messerangriff gestorben
Pawel Adamowicz
14.01.2019 - 18:18 Uhr
Danzig (dpa) - Der tödliche Anschlag auf den Danziger Bürgermeister hat Polen geschockt und in tiefe Trauer gestürzt: Pawel Adamowicz erlag am Montag den Folgen eines Messerangriffs bei einer Spendenveranstaltung am Vorabend.

Der 53-Jährige starb im Krankenhaus an seinen schweren inneren Verletzungen, wie Gesundheitsminister Lukasz Szumowski im polnischen Fernsehen TVN24 bestätigte. Man habe ihn trotz stundenlangen Kampfes der Ärzte nicht retten können. Die Staatsanwaltschaft gab bekannt, in dem Fall wegen Mordes zu ermitteln.

Zum Zeichen der Trauer wurden in Danzig die Flaggen auf halbmast gesetzt, viele Anwohner zündeten vor dem Rathaus Kerzen an. Die Danziger seien fassungslos und könnten ihren Schmerz nicht in Worte fassen, berichteten polnische Medien.

Präsident Andrzej Duda sprach bei Twitter Adamowiczs Familie sein Beileid aus. «Ich stehe in Trauer und im Gebet bei seinen Angehörigen, Freunden und allen Menschen guten Willens», schrieb das Staatsoberhaupt. «Feindseligkeit und Gewalt haben tragischste Folgen und Schmerz gebracht. Das können wir nicht hinnehmen», schrieb Duda. Auch der Chef der Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit PiS, Jaroslaw Kaczynski, bekundete «tiefe Trauer.»

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier drückte der Frau des Bürgermeisters auch im Namen seiner Landsleute sein Beileid aus. «Mit großer Trauer habe ich von dem Tod Ihres Ehemannes Pawel Adamowicz erfahren, der Opfer einer so sinnlosen Gewalttat wurde», erklärte Steinmeier. Adamowicz sei aktiv an der friedlichen Protestbewegung beteiligt gewesen, die zum Ende des kommunistischen Regimes in Polen führte und den Weg zum Fall der Berliner Mauer bereitete, betonte der Bundespräsident. SPD-Chefin Andrea Nahles äußerte sich erschüttert. «Er war ein überzeugter Europäer, der für Weltoffenheit und Tolera

Bis zuletzt hatten Ärzte um das Leben des Bürgermeisters gekämpft, nachdem dieser am Sonntagabend auf offener Bühne bei einer Spendenveranstaltung niedergestochen worden war. Die Messerklinge war nach Behördenangaben fast 15 Zentimeter lang.

Der Täter - ein 27-jähriger Danziger - habe aus niederen Beweggründen gehandelt, sagte der stellvertretende Generalstaatsanwalt Krzysztof Sierak. Hinter der Tat wurde Rache vermutet. Der Mann, der auf die Bühne stürmte und auf den parteilosen Politiker einstach, soll gerufen haben, dass er unschuldig in Haft gewesen sei, hieß es unter Berufung auf Augenzeugen. Ermittler zogen eine psychische Erkrankung des Angreifers in Betracht.

Der mutmaßliche Täter ist Behörden zufolge vorbestraft und hatte wegen einer Serie bewaffneter Banküberfälle schon fünfeinhalb Jahre in Haft gesessen. Berichten zufolge war er erst im Dezember freigekommen.

Adamowicz gehörte bis 2015 der derzeitigen Oppositionspartei Bürgerplattform PO an, seit 1998 war er Bürgermeister der nordpolnischen Hafenstadt. Bei dem Angriff wurde er nach Angaben der Klinik an Herz, Zwerchfell und Organen im Bauchraum schwer verletzt.

Der Angreifer soll der Partei Bürgerplattform PO die Schuld für seine Haft gegeben haben, hieß es. «Ich saß unschuldig im Gefängnis», rief er auf von polnischen Medien verbreiteten Videoaufnahmen der Tat. Darauf war auch zu sehen, dass der Mann nicht von der Bühne floh, sondern triumphierte, bis er überwältigt wurde. «Er hat sich gefreut», sagte eine Augenzeugin dem Sender TVN24.

Bislang unbestätigten Medienberichten zufolge hatte der Mann sich mit einer Medienakkreditierung Zugang zur Bühne der Spendenveranstaltung verschafft. Die Behörden kündigten eine Untersuchung der Sicherheitsmaßnahmen an.

Bei der jährlichen Benefizveranstaltung der Organisation WOSP wird Geld für die Ausstattung von Kinderkrankenhäusern gesammelt. Der Angriff auf das Leben und die Gesundheit Adamowiczs müsse aufs Schärfste verurteilt werden, schrieb Ministerpräsident Mateusz Morawiecki bei Twitter. Der WOSP-Direktor Jerzy Owsiak, eine in Polen bekannte Persönlichkeit und Organisator des auch bei Deutschen beliebten Pol'And'Rock-Festivals kündigte wegen des Attentats seinen Rücktritt an.

Die Tat löste in Polen auch eine politische Debatte über Hassreden aus. Der heftige Streit zwischen Opposition und der PiS könne zur Eskalation der Gewalt beigetragen haben, meinen Kritiker. Adamowiczs Stellvertreterin Aleksandra Dulkiewicz mahnte Einigkeit an. Die Tat dürfe nicht für politische Zwecke benutzt werden, sagte sie.

Dem schloss sich auch die PiS-Sprecherin Beata Mazurek an. Die Attacke müsse von ausnahmslos allen verurteilt werden, sagte sie. Regierungssprecherin Joanna Kopcinska schrieb bei Twitter: «Der Mord an Bürgermeister Pawel Adamowicz ist ein Schlag für uns alle.»

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